Dienstag, 5. Juni 2007

Wann die ersten Seeufersiedlungen erbaut wurden












Wiesbaden (archäologie-welt) - Die ersten Häuser an Seeufern in Europa wurden von Angehörigen der Bocca-quadrata-Kultur (vor etwa 4800 bis 3800 v. Chr.) in Norditalien errichtet. Der Name dieser Kulturstufe bezieht sich auf bestimmte Tongefäße dieser Kultur mit quadratischen Mündungen. Die Bocca-quadrata-Kultur war auch im Tessin (Schweiz) verbreitet, wie Funde aus Bellinzona zeigen. Die Häuser an Seeufern wurden früher irrtümlich alle als im Wasser stehende Pfahlbauten angesehen. Heute weiß man, daß nur bei einem Teil der Seeufersiedlungen die Fußböden vom Grund abgehoben waren, um sie vor Überschwemmungen zu schützen.

Nachzulesen ist dies in dem inzwischen vergriffenen Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst.

Die ersten Häuser an Seeufern in der Schweiz sind von Bauern der in der Mittelschweiz heimischen Egolzwiler Kultur (vor etwa 4500 bis 4000 v. Chr.) erbaut worden. Am namengebenden Fundort Egolzwil (Kanton Luzern) stand eine Siedlung am ehemaligen Wauwiler See, der später austrocknete. Zu dieser Siedlung gehörten etwa 8 Meter lange und 5 Meter breite rechteckige Häuser. Ihr Fußboden bestand aus dicken Rindenlagen. die vor Bodenfeuchtigkeit schützten. In diesen Häusern gab es zahlreiche Feuerstellen.

Die ältesten Häuser an Seeufern in Deutschland kennt man aus der Zeit der Aichbühler Gruppe (vor etwa 4200 bis 4000 v. Chr.). Diese Kulturstufe ist nach dem Fundort Aichbühl am einstigen Ufer des ehedem viel größeren Federsees bei Schussenried (Kreis Biberach) in Baden-Württemberg benannt. Zum Dorf Aichbühl gehörten 23 Häuser, die durchschnittlich eine Länge von 8 Meter und eine Breite von 5 Meter aufwiesen. Sie waren in zwei Reihen um einen Dorfplatz herum angeordnet. Der Eingang der Häuser lag auf der südöstlichen Schmalseite. Für das Gerüst und den Fußboden jedes dieser Häuser mußten mindestens 150 Baumstämme gefällt werden. Die Holzfußböden wurden mit Birkenrindenschichten belegt, die man mit Lehm verstrich. Jedes Haus hatte einen kleineren vorderen und einen größeren hinteren Raum. Im kleineren davon gab es häufig einen aus Lehm geformten kuppelartigen Backofen.

Die ersten Pfahlbauten aus Deutschland stammen aus der Zeit der Hornstaader Gruppe (vor etwa 4100 bis 3900 v. Chr.). Sie ist nach dem Fundort Hornstaad-Hörnle bei Gaienhofen (Kreis Konstanz) in Baden-Württemberg benannt. Diese Häuser am Ufer des Bodensees mit deutlich vom Baugrund abgehobenen Fußböden waren bis zu 10 Meter lang, 3,50 Meter breit und am Giebel 6 Meter hoch. Die mehrere Meter langen Stangen der Häuser wurden in querliegende Holzteile eingezapft, wodurch ihr Einsinken in den Untergrund verhindert wurde. Der Fußboden lastete auf mehr als 1 Meter tief in den Untergrund reichenden Eichenpfählen und bestand aus Eichenholzbrettem. Die Wände bestrich man mit Lehm, die Fugen dichtete man teilweise mit Moos ab.

Die frühesten Häuser an Seeufern in Österreich wurden von Menschen der Mondsee-Gruppe (vor etwa 3700 bis 2900 v.Chr.) erbaut. Der Begriff Mondsee-Gruppe beruht darauf, daß 1872 am Mondsee in Oberösterreich die ersten Siedlungsspuren dieser Kultur entdeckt wurden. Heute sind etwa 20 Siedlungen der Mondsee-Gruppe am Mondsee im Salzkammergut und Attersee im Salzburger Land bekannt. Diese Häuser bestanden aus einer Konstruktion dicker Holzpfosten. Das Dach wurde mit Schiff oder Stroh gedeckt. Die Wände hat man durch in bestimmten Abständen aufgestellte Pfosten mit Flechtwerk und Lehmverputz dazwischen gebildet. Für den Fußboden verwendet man Holzbalken.

Zu den ältesten Blockhäusern Deutschlands gehören diejenigen der spätbronzezeitlichen "Wasserburg" bei Buchau in Baden-Württemberg. Sie werden der Urnenfelder-Kultur (vor etwa 1200 bis 800 v. Chr.) zugerechnet. Die Blockhäuser von Buchau hatten rechteckige Formen. Es ist jedoch unklar, ob sie alle zur selben Zeit bewohnt waren.

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