Donnerstag, 10. Januar 2008

Die Urnenfelder-Kultur (etwa 1300/1200-800 v. Chr.)

Die Zeit der Unruhestifter

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Die Urnenfelder-Kultur gilt in Europa als eine der wichtigsten Kulturen der Spätbronzezeit. Sie bestand von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. und vermochte sich vom nördlichen Balkan über die Donauländer bis zur Oberrheinregion auszubreiten. In Deutschland war sie in Baden-Württemberg, Bayern, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Teilen Nordrhein-Westfalens (Nieder-rheinische Bucht) und südlich des Thüringer Waldes heimisch.
Der Begriff »Urnenfelder-Kultur« fußt darauf, daß damals die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und danach häufig ihre Asche beziehungsweise Knochenreste in tönerne Urnen geschüttet und in Brandgräbern beigesetzt wurden. Gelegentlich bilden die Brandgräber ausgedehnte Urnenfelder mit Dutzenden oder Hunderten von Bestattungen.
Als erster formulierte 1885 der Direktor der Großherzoglichen Sammlungen in Karlsruhe, Ernst Wagner (1832-1920), die Bezeichnung »Urnen-Friedhöfe«. Seine Publikation »Hügelgräber und Urnen-Friedhöfe in Baden« wurde 1886 durch den Königsberger Prähistoriker Otto Tischler (1843-1891) in der »Westdeutschen Zeitschrift« kommentiert. Dabei sprach Tischler von »Urnenfeldern der Bronzezeit«.
Nach Ansicht der meisten Prähistoriker war die Urnenfelder-Zeit ein unruhiger Abschnitt der Urgeschichte. Damals setzten vermutlich in vielen Gebieten Europas große Völkerwanderungen ein, die vielleicht im mittleren Donauraum ihren Ausgang nahmen. Sie erreichten wahrscheinlich nicht nur Süddeutschland, sondern auch den Balkan und die östliche Mittelmeerregion. Sogar die Ägypter mußten sich der Eindringlinge mit Waffengewalt erwehren.
Ihre Ursache hatten die großen Wanderungen der Unruhestifter womöglich in einer erheblichen Bevölkerungszunahme, deren Folgen durch ein ungünstiges trockenes Klima verstärkt wurden. Ein weiteres Motiv könnte das Interesse von Anführern der betroffenen Gemeinschaften an Kriegszügen gewesen sein, die bei erfolgreichem Verlauf sowohl Beute als auch Ansehen mehrten. Diese Kriegszüge nun bewirkten vermutlich Ausweichbewegungen jener Stämme, in deren Gebiete die Eroberer zuerst eindrangen.
Es gab aber auch Experten, die derartige Wanderungen bezweifelten. Der Freiburger Prähistoriker Georg Kraft (1894-1944) beispielsweise schloß 1927 nach der Untersuchung süddeutscher Urnenfelder aus, daß eine große Kulturbewegung von Osten nach Westen stattgefunden habe. Im Gegensatz dazu vertrat 1938 der österreichische Prähistoriker Richard Pittioni (1906-1985) die Ansicht, in der Lausitz zwischen Sachsen, Brandenburg und Schlesien habe im 13. Jahrhundert v. Chr. eine große Abwanderung eingesetzt. Aus der Begegnung der wandernden Gruppen mit den älteren einheimischen Kulturen in verschiedenen Teilen Europas seien als Folge lokale Urnenfelder-Gruppen entstanden, die im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. über fast den gesamten Kontinent verbreitet gewesen seien.
Angesichts bestimmter Gemeinsamkeiten bei den archäologischen Funden – etwa immer wiederkehrender ähnlicher Gefäßtypen – meinte Pittioni auch, alle Urnenfelder-Gruppen hätten einer Gemeinschaft mit derselben Sprache angehört. Er nahm an, daß die Urnenfelder-Kultur mit einer konkreten Einzelsprache, nämlich dem Illyrischen, in Verbindung gebracht werden könne, und sprach in diesem Zusammenhang von sogenannten Proto-Illyrern. Laut Pittioni waren die Urnenfelder-Leute Alteuropäer, die weite Teile Europas in Besitz nahmen.
Der Tübinger Prähistoriker Wolfgang Kimmig bestritt 1964, daß die einzelnen Urnenfelder-Gruppen einem Volk angehört hätten. Nur die östlichen Gruppen ließen sich dem illyrischen Volkstum zuordnen. Wie Pittioni befürwortete auch Kimmig die Theorie der Wanderungen, die neben Kulturkontakten und einem Kulturaustausch mit verschiedensten gegenseitigen Beeinflussungen für die Ausbreitung der Urnenfelder-Kultur verantwortlich seien.
Nach Auffassung Kimmigs führten die Wanderungen der Urnenfelder-Leute über Griechenland, die ägäischen Inseln bis nach Syrien, Palästina und Ägypten. Demzufolge wären europäische Fremdlinge in den Mittelmeerraum eingedrungen und hätten dort ähnliche Unruhen ausgelöst wie in Mitteleuropa, Italien, Frankreich, Spanien und sogar England.
Für Süddeutschland und das Ostalpengebiet werden die 1902 durch den damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke (1872-1958) eingeführten Stufenbezeichnungen Bronzezeit D, Hallstatt A und Hallstatt B verwendet. Davon umfaßt Hallstatt A zwei Unterstufen (Ha A 1, Ha A 2), Hallstatt B dagegen drei Unterstufen (Ha B 1, Ha
B 2, Ha B 3).
Die Einteilung der Stufen und Unterstufen basiert auf bestimmten Bronzeobjekten und ihrem Formenwandel (Schwerter, Dolche, Messer, Rasiermesser, Nadeln, Fibeln, Armringe, Tassen) sowie Tongefäßen. Die zahlreichen kennzeichnenden Formen dieser Stufen und Unterstufen wurden 1959 durch den bis dahin in München tätigen Prähistoriker Hermann Müller-Karpe beschrieben. Eine genaue Auflistung all jener Objekte ist in einem populärwissenschaftlichen Buch wie diesem nicht möglich.
Nach neuesten Überlegungen wird heute die Urnenfelder-Kultur dreigegliedert. Die erste Stufe entspricht der späten Hügelgräber-Bronzezeit (Bronzezeit D) und der frühen Urnenfelder-Zeit (Hallstatt A 1). Die zweite Stufe umfaßt die mittlere Urnenfelder-Zeit (Hallstatt A 2 bis B 1) und die dritte Stufe die späte Urnenfelder-Zeit (Hallstatt B 2/3).
Klimatisch gesehen herrschte während der Urnenfelder-Zeit eine Trockenphase. Gegen Ende dieser Zeit um 800 v. Chr. ereignete sich ein Klimasturz, der mit höheren Niederschlagsmengen verbunden war. Dies hatte zur Folge, daß der Wasserspiegel der Seen anstieg und die Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«) in Süddeutschland aufgegeben werden mußten.
Die archäologischen Funde deuten darauf hin, daß wohl mächtige Häuptlinge, »Fürsten« und Priester das Sagen hatten. Denn nur so sind der arbeits- und zeitaufwendige Bau von befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«) sowie die kultisch motivierten Sach-, Tier- und Menschenopfer zu erklären. Neben Einzelbegräbnissen bedeutender Persönlichkeiten in eindrucksvollen Gräbern und mit reichen Beigaben (Wagengräber) gab es Friedhöfe mit Hunderten von gleichartigen Brandgräbern.
Welche Körpergröße die damaligen Männer erlangen konnten, wird an dem unverbrannten Skelett eines Mannes aus dem Doppelgrab von Frankfurt/Main-Berkersheim ersichtlich. Dieser zusammen mit einer kleinen Frau bestattete Mann maß 1,75 Meter. Bei einer Doppelbeisetzung von Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg war der etwa 20 Jahre alte, athletisch gebaute Mann 1,72 Meter groß. Dagegen erreichte die mit ihm beerdigte etwa 15jährige grazile Frau nur 1,62 Meter.
Tönerne Spinnwirtel und Webgewichte sowie Gewebereste belegen, daß die Kleidung aus Flachs (Linum usitatissimum) und Schafwolle angefertigt wurde. Spinnwirtel sind nicht nur aus Siedlungen, sondern auch aus vielen Gräbern bekannt.
Von einem Webstuhl stammen elf komplette pyramidenförmige Webstuhlgewichte und Fragmente solcher Objekte aus Lauf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern. Diese Webstuhlgewichte sind in der oberen Hälfte durchbohrt und wiegen zwischen 781 und 989 Gramm. Ihre Funktion bestand darin, senkrecht herabhängende Kettfäden an einem Webstuhl straff zu halten.
Anhaltspunkte über die Garderobe lieferten auch bronzene Nähnadeln mit Öhr, Gewandnadeln zum Zusammenhalten der Oberbekleidung sowie Gürtelhaken und -bleche. Die Gewandnadeln tendierten wieder zu kürzeren und unauffälligeren Formen. Neu waren Nadeln mit Schmuckplatte.
Die Gürtelhaken zum Schließen von Gürteln aus Stoff oder Leder wurden gegossen, gehämmert, aus einem Blechstück geschnitten oder aus Blechdraht zurechtgebogen. Teilweise sind sie mit Ornamenten aus Reihen dicht gesetzter Punzeinschläge versehen. Beschädigte Gürtelhaken wurden häufig repariert.
Als heimische Erzeugnisse gelten zweischneidige bronzene Rasiermesser mit rechteckigem, doppelaxtähnlichem und fast kreisförmigem Blatt sowie teilweise durchbrochenem Griff. Dagegen handelt es sich bei den Exemplaren mit trapezförmiger Klinge, einseitiger Schneide und meistens hakenförmigem Griff um Importware aus dem Gebiet der nordischen Bronezeit.
Manche Rasiermesser hat man aus anderen Bronzeobjekten geschaffen. So ist ein zweischneidiges kleines Rasiermesser aus Grünwald (Kreis München) aus einem Gürtelhaken angefertigt worden. Reparaturen von stark in Mitleidenschaft gezogenen Rasiermessern sind durch Funde aus Bad Buchau (Kreis Biberach) in Baden-Württemberg und Eberstadt (Kreis Gießen) in Hessen belegt.
Die Rasiermesser wurden in Futteralen aufbewahrt, um ihre Schneiden vor Beschädigungen zu schützen. Härchen des Futterals hafteten an Rasiermessern von Gemmingen
(Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg sowie von Geroldshausen (Kreis Würzburg) und Rehlingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) in Bayern. In Gemmingen handelte es sich wahrscheinlich um Rehhaare von einem Lederfutteral.
Experimente des Marburger Prähistorikers Dirk Vorlauf mit der Nachbildung eines zweischneidigen Rasiermessers ergaben, daß sich damit ein Mehrtagebart nur schlecht oder gar nicht rasieren ließ. Eine zufriedenstellende Rasur wurde erst bei längeren Barthaaren erzielt, wenn man diese festhielt und direkt über der Haut abschnitt. Die Prozedur verlief schmerzlos, und 95 Prozent der abgeschnittenen Haare waren glatt durchgetrennt. Bei den Rasiermessern dürfte es sich um Gegenstände mit mehreren Funktionen handeln.
Die Urnenfelder-Leute wohnten in unbefestigten und befestigten Flachland-, Seeufer-, Insel- und befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«). Auch manche Höhlen dienten als vorübergehende Aufenthaltsorte.
Bei Rettungsgrabungen, die unter Leitung des Münchener Prähistorikers Erwin Keller vom 17. April bis zum 1. August 1980 in Unterhaching (Kreis München) vorgenommen worden waren, stellte sich heraus, wie groß damals teilweise die unbefestigten Flachlandsiedlungen waren. Das Dorf von Unterhaching umfaßte einst schätzungsweise etwa 80 Häuser, von denen 51 untersucht werden konnten, und erstreckte sich wohl auf einer Fläche von zehn bis 15 Hektar.
Die Häuser in Unterhaching bestanden aus einem Gerüst von mindestens vier Eckpfosten sowie – je nach Wandlänge – bis zu sieben Seitenpfosten. Bei breiteren Gebäuden kamen Firstbäume hinzu, welche die Hauptlast des Daches trugen. Die Gebäude hatten quadratische, kurze und langrechteckige Grundrisse und bildeten überwiegend drei- und vierteilige, aus Haupt- und Nebengebäuden bestehende Gruppen.
Im Laufe der Zeit schadhaft gewordene Pfosten wurden durch neue ersetzt. Wenn es nötig war, ein Haus abzureißen, hat man das neue Gebäude im Bereich des Vorgängerbaues errichtet. Zu diesem Dorf gehörte wohl ein bereits 1934 entdeckter Friedhof mit Brandgräbern, in denen man die Toten jener Siedlung bestattete.
Mehr als 40 Bauten unterschiedlicher Größe wurden von 1987 bis 1991 bei den archäologischen Untersuchungen im Bereich der neuen Straßen- und Bahntrasse südöstlich von Zuchering (Stadt Ingolstadt) in Bayern entdeckt. Die größeren, zweischiffigen Bauten hatten zwischen 70 und 120 Quadratmeter Nutzfläche, die kleineren rechteckigen oder quadratischen, einschiffigen Bauten zwischen vier und 20 Quadratmeter. Vermutlich bildeten jeweils mehrere beieinanderliegende Gebäude, die als Wohnhäuser, Stallungen, Vorrats- und Arbeitshütten dienten, eine Hofgemeinschaft.
Aus Eching (Kreis Freising) in Bayern kennt man zwei kleinere Flachlandsiedlungen. Das aus 16 Häusern bestehende Dorf Eching 1 war durch einen Graben und eine Pfostenreihe gesichert. Im Gegensatz dazu verfügte das etwa 1200 Meter entfernte, nur teilweise ausgegrabene Dorf Eching 2 über keinen Schutz. Auch dort wurden
16 Häuser festgestellt, ursprünglich dürften es nach Erkenntnissen des Münchener Prähistorikers Stefan Winghart jedoch mehr gewesen sein. Die Gebäude in Eching 2 waren fünf bis zehn Meter lang und einen bis neun Meter breit.
In Dietfurt (Kreis Neumarkt) in Bayern wurde beim Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals eine unbefestigte Flachlandsiedlung entdeckt. Dort gruppierten sich 23 Gebäude um einen Dorfplatz, auf dem sich zwei Straßen kreuzten. Die Gebäudegrundrisse bedeckten Flächen von fünf bis sieben Meter Länge sowie drei bis vier Meter Breite. Größere Gebäude hatten ein Gerüst aus drei parallelen Pfostenreihen mit je drei Pfosten, kleinere nur zwei Reihen mit jeweils drei Pfosten.
In Riesbürg-Pflaumloch (Ostalbkreis) in Baden-Württemberg konnten Grundrisse von 17 Pfostenbauten verschiedener Größe in mehreren Gruppen freigelegt werden. Ein besonders großes Gebäude war 22 Meter lang und 7,50 Meter breit. Vermutlich handelte es sich hierbei um ein kombiniertes Wohn- und Wirtschaftsanwesen. Andere Häuser waren bis zu 18,50 Meter lang und 8,50 Meter breit. Kleinere Bauten dienten vermutlich zu Vorrats- und Speicherzwecken.
Zehn maximal zehn Meter lange und 2,25 Meter breite Häuser umfaßte die Siedlung von Künzing (Kreis Deggendorf) in Bayern. Andere unbefestigte Flachlandortschaften bestanden lediglich aus drei bis sechs Häusern.
Eine der seltenen befestigten Flachlandsiedlungen wurde in Enzweiler bei Idar-Oberstein (Kreis Birkenfeld) in Rheinland-Pfalz entdeckt. Der dortige Gebäudekomplex war auf einer Terrasse der Nahe angelegt und durch eine Mauer, bestehend aus Holzbalken, Lehm- und Steinfüllung, geschützt. Vor der Mauer verlief ein ausgehobener Graben, der als weiteres Hindernis diente.
Am Bodensee und am Federsee bei Bad Buchau lagen in der Urnenfelder-Zeit noch Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«) und Moorbauten. Sie mußten gegen Ende dieses Abschnittes aufgegeben werden, weil der Pegel dieser Gewässer wahrscheinlich aufgrund erhöhter Niederschlagsmengen stark anstieg. Die letzten Uferdörfer am Bodensee existierten um 850 v. Chr. Zu den urnenfelderzeitlichen Ortschaften auf baden-württembergischer Seite des Bodensees gehören die Fundorte Hagnau-Burg, Konstanz-Langenrain, Süßenmühle und Unteruhldingen.
Reste der befestigten Siedlung von Hagnau (Bodenseekreis) werden jeweils bei Niedrigwasser sichtbar. Immer dann erscheint vor Hagnau eine Insel im Bodensee, die sogenannte Untiefe Burg. An deren Ufern sind zwischen Grundkieseln hölzerne Pfähle, Spülsäume aus Pflanzenfasern, Hölzern und Holzkohlen sowie Keramikreste der Urnenfelder-Kultur zu erkennen. Einst schützten Palisaden im Norden, Osten und Süden den 130 Meter langen und 100 Meter breiten Komplex.
Die Anlage von Unteruhldingen (Bodenseekreis) wurde an der Seeseite durch Palisaden aus Eichen-, Buchen- und Erlenholz vor dem Wellenschlag geschützt. Die Baumstämme waren meistens nicht entrindet. Diese Palisaden hat man nach einer gewissen Zeit immer wieder erneuert. In zwei Phasen der Besiedlung wurden gleichzeitig eine innere Eichenreihe und eine äußere Weichholzreihe errichtet.
Die Häuser der Seeufersiedlung von Unteruhldingen sind in Zeilen angeordnet gewesen. Dieses Dorf am Bodensee existierte mit Unterbrechungen etwa 120 Jahre lang. Es konnten drei übereinanderliegende Siedlungen mit einer Fläche von einem bis zwei Hektar nachgewiesen werden. Für die Pfosten der dortigen Häuser verwendete man fast in 90 Prozent der Fälle Eichenholz. Die Pfosten wurden rundum behauen.
Am Federsee bei Bad Buchau (Kreis Biberach) hat der zunächst in Tübingen und später in Berlin tätige Prähistoriker Hans Reinerth (1900-1990) in den Jahren 1920, 1928 und 1936 zwei Seeufersiedlungen der Urnenfelder-Kultur freigelegt, die aus unterschiedlicher Zeit stammen. Ihre Entdeckungsgeschichte begann damit, daß sich ein Landwirt während der zwanziger Jahre in trockenen Perioden über ständig neu auftauchende Pfahlköpfe auf seiner Wiese ärgerte. Die Pfähle wurden durch Schrumpfung der austrocknenden Schichten an die Oberfläche gepreßt.
Die Erkenntnisse Reinerths über die beiden Dörfer von Bad Buchau sind heute teilweise überholt. Er meinte, diese Siedlungen hätten auf einer Halbinsel oder Insel gelegen und seien rundum von Palisaden geschützt gewesen. Reinerth deutete beide Siedlungen irrtümlich als »Wasserburgen« mit Wehrtürmen, Wehrgängen, Brücken, einem Herrengehöft und hufeisenförmigen Anwesen. Wie er sich die »Wasserburg« vorstellte, veranschaulichen Rekonstruktionselemente im Freilichtmuseum Unteruhldingen.
1941 wies der Stuttgarter Prähistoriker Oscar Paret (1889-1972) nach, daß die vermeintliche »Wasserburg« nicht auf einer Insel, sondern inmitten eines Flachmoorgebiets nahe beim Federsees lag. Die angeblichen Palisaden definierte er nicht als Palisadenring mit Wehrgängen, sondern als Reste eines mehrfach ausgebesserten Dorfzaunes.
Heute geht man davon aus, daß die ältere Siedlung bei Bad Buchau aus der Zeit um 1100 v. Chr. aus 38 einräumigen und ebenerdigen Häusern bestand. Sie waren in Blockbauweise errichtet, hatten Flechtwände und verfügten über eine Wohnfläche von 16 bis 20 Quadratmetern. Ein größerer zweiräumiger Bau im Zentrum könnte dem Häuptling vorbehalten gewesen sein.
Als der Spiegel des Federsees stieg, befestigte man das nahe Seeufer mit einem Steinpflaster und schützte die Siedlung mit einer Palisade aus 15 000 Pfählen, die teilweise als Wellenbrecher dienten. Zur Seeseite hin gab es drei Reihen von Palisaden, zur Landseite hin nur eine. Die Außen- und Innenpalisade wurden innerhalb von je vier Jahren errichtet.
Die jüngere Siedlung existierte um 900 v. Chr. Während dieses Abschnittes standen neun Häuser enger beieinander, und manche von ihnen waren zu U-förmigen Gehöften angeordnet. Flechtwände gliederten das Innere der Häuser in mehrere Räume. Das Dorf wurde bei einem Brand zerstört, vielleicht infolge eines Überfalls.
In den beiden Siedlungen bei Bad Buchau lebten vermutlich zeitweise bis zu 200 Menschen. Eine sechs bis acht Zentimeter dicke Schicht verbrannten Getreides aus einem Gebäude der jüngeren Siedlung sowie Knochenreste von Haustieren weisen darauf hin, daß es sich um Bauern handelte. Wo die Einwohner ihre Toten bestatteten, weiß man nicht.
Inselsiedlungen aus der Urnenfelder-Zeit sind von Säckingen (Kreis Waldshut) in Baden-Württemberg, von der Roseninsel im Starnberger See (Kreis Starnberg) und im Altmühltal bei Kelheim (Kreis Kelheim) in Bayern sowie aus Groß-Rohrheim (Kreis Bergstraße) in Hessen bekannt. In Säckingen lag die Siedlung auf einer ehemaligen Rheininsel, heute wird das Gebiet von der Altstadt überzogen. Auf einer ehemaligen Insel der Altmühl bei Kelheim befand sich ein mehr als 20 Meter langes Haus, das von zwei Palisaden umgeben wurde.
Die befestigten Höhensiedlungen (»Burgen«) wurden teilweise rundum von Ringwällen geschützt, mitunter aber nur an besonders gefährdeten Abschnitten durch Wälle abgesichert. In letzterem Fall spricht man von einer Abschnittsbefestigung. Nach den vielen Befestigungen der Urnenfelder-Kultur zu schließen, war diese Phase der Urgeschichte eine »große Zeit der Burgenbauer«. Die zahlreichen »Burgen« spiegeln ein Schutzbedürfnis während Unruhezeiten wider.
Zu den Befestigungen in Baden-Württemberg gehören die Fundorte Burgberg bei Burkheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen (Kreis Tuttlingen), Runder Berg bei Urach (Kreis Reutlingen) und Zargenbuckel bei Aschhausen-Schöntal (Hohenlohekreis).
Auf dem Lemberg bei Stuttgart-Weil im Dorf beispielsweise hat man an den etwa 450 Meter voneinander entfernten Querseiten vier bis fünf Meter breite Abschnittswälle mit Graben davor errichtet.
Besonders viele befestigte Höhensiedlungen konnten in Bayern aufgespürt werden. Im Regierungsbezirk Schwaben liegen die Befestigungen Katzensteig bei Mergenthau (Kreis Aichach-Friedberg), auf dem Stadtberg von Neuburg und Stätteberg bei Unterhausen (beide im Kreis Neuburg-Schrobenhausen).
Die Befestigung auf dem Stätteberg bei Unterhausen wurde teilweise von der Donau und von der hier einmündenden Paar umflossen. Rund um die 300 Meter lange und 180 Meter breite Bergkuppe lag ein Wall, der Reste einer drei Meter dicken Mauer enthielt. Der Wall dürfte schätzungsweise 2,50 Meter hoch gewesen sein.
In Oberbayern befinden sich die Befestigungen Große Birg bei Kochel (Kreis Bad Tölz-Wolfsratshausen), in Niederbayern der Bogenberg bei Bogen (Kreis Straubing-Bogen), in der Oberpfalz der Schloßberg von Kallmünz (Kreis Regensburg).
Quer durch das 300 Meter lange und 110 Meter breite Plateau des Bogenberges bei Bogen verlief ein in den Fels eingetiefter, bis zu 3,50 Meter breiter Graben, zu dem ein Wall gehörte. Außerdem waren zwei urnenfelderzeitliche Wälle vorgelagert. Auch ein benachbartes Areal von 400 Meter Länge und l00 Meter Breite wurde von einem Wall geschützt.
Etwa 110 Meter hoch über der Vils und der Naab lag die Befestigung auf dem Schloßberg von Kallmünz. Die Hänge zu diesen beiden Flüssen hin waren besonders steil. Einen Kilometer von der äußersten Spitze entfernt wurde der Berg durch einen 800 Meter langen Wall abgeriegelt, der offenbar aus der frühen Urnenfelder-Zeit stammt.
Aus Mittelfranken sind die Befestigungen Gelbe Bürg bei Dittenheim (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) und Hesselberg bei Wassertrüdingen (Kreis Ansbach) bekannt.
Der Hesselberg bei Wassertrüdingen überragt seine Umgebung um mehr als 200 Meter. Die auf seinem Plateau errichteten Wälle dürften teilweise während der Urnenfelder-Zeit entstanden sein. Außer Resten von Holz-Erde-Mauern am Rand konnten dort auch Hausgrundrisse, Töpferöfen und eine Bronzegießerei festgestellt werden. 1939 wurde der Hesselberg sogar als »heiliger Berg der Franken" bezeichnet.
In Oberfranken entdeckte man die Befestigungen Ehrenbürg bei Schlaifhausen (Kreis Forchheim) und Heunischenburg auf dem Wolfsberg bei Gehülz (Kreis Kronach).
Auf dem 250 Meter hohen, mehr als 1,5 Kilometer langen und bis zu 350 Meter breiten Berg Ehrenbürg (im Volksmund Walberla genannt) bei Forchheim thronte in der Urnenfelder-Zeit vermutlich eine stadtähnliche Siedlung. Deren Bewohner haben eine große Menge Keramik, viele Bronzeobjekte und drei Depots mit Zierteilen von Pferdegeschirr (Phaleren) hinterlassen. Zahlreiche Halbfabrikate und ein Gußtiegel weisen auf die Herstellung von Bronzegeräten hin. Die Größe der Höhensiedlung, Funddichte und -qualität sowie die Bronzewerkstätten belegen nach Ansicht des Ausgräbers Björn-Uwe Abels aus Bamberg, daß es sich um ein bedeutendes politisches und wirtschaftliches Zentrum handelte.
Den Bewohnern der Heunischenburg bei Gehülz oblag im
10. und 9. Jahrhundert v. Chr. wohl der Schutz einer wichtigen Verkehrsverbindung in den Osten Oberfrankens. Wo Steilhänge auf natürliche Weise die Befestigung sicherten, hatte man nur eine Palisade errichtet. Dagegen wurde die ungeschützte Flanke durch eine 110 Meter lange, 2,60 Meter breite und 3,50 Meter hohe Steinmauer abgeriegelt, die in einer etwa 30 Meter langen Torgasse endete. Der Mauer war eine 3,60 Meter breite und einen Meter hohe Steinanhäufung (Berme) vorgelagert.
Eine nahe dem Tor angelegte, einen Meter breite Ausfallpforte (Poterne), über die man einen Holzturm gesetzt hatte, erlaubte es den Verteidigern, etwaige in die Torgasse drängende Angreifer auch von hinten unter Beschuß zu nehmen. Als Vorbild für die Ausfallpforte auf der Heunischenburg könnten Poternen von Burgen im Mittelmeergebiet gedient haben.
Noch im Mittelalter wirkte die Heunischenburg so eindrucksvoll auf die damaligen Menschen, daß diese ihre Erbauer irrtümlich für sagenhafte Hünen oder die Hunnen hielten. Darauf ist ihr Name zurückzuführen. Brandspuren und mehr als 100 bronzene Pfeilspitzen werden als Indizien einer kriegerischen Auseinandersetzung erachtet, die nach Ansicht des Prähistorikers Björn-Uwe Abels die ganze Befestigung als eine Art Garnison erscheinen lassen.
In Unterfranken liegen die Befestigungen Bullenheimer Berg bei Bullenheim (Kreis Kitzingen) und Großer Knetzberg (Kreis Haßberge).
Auf dem 1200 Meter langen und maximal 400 Meter breiten Bullenheimer Berg, der seine Umgebung um etwa 50 Meter überragt, gliederten drei quer verlaufende Wälle die Berghochfläche an ihrer schmalsten Stelle. Die acht Meter langen und vier Meter breiten Häuser der Siedlung standen an der Innenseite der Wälle. Ackerbau wurde wohl in der Umgebung des Berges betrieben.
Von den Befestigungen im Saarland ist diejenige auf dem Großen Stiefel bei Sankt Ingbert (Saar-Pfalz-Kreis) besonders erwähnenswert. Dieser Berg verdankt seiner stiefelähnlichen natürlichen Gestalt den Namen.
In Rheinland-Pfalz gab es neben anderen die Befestigungen auf dem Dommelberg bei Koblenz und auf dem Langenberg bei Ernzen (Kreis Bitburg-Prüm).
Auf dem zwischen dem Rhein und der Mosel gelegenen Dommelberg bei Koblenz konnten mehrteilige Wallanlagen festgestellt werden. Den Wall sicherte zusätzlich ein 7,50 Meter breiter und fünf Meter tiefer Graben. Auf dem Langenberg bei Ernzen zeugen verkohlte Eichenholzbalken von einer Brandkatastrophe.
Aus Hessen kennt man die Befestigungen auf dem Bleibeskopf bei Bad Homburg (Hochtaunuskreis), dem Glauberg bei Glauburg (Wetteraukreis) und dem Haimberg bei Haimbach (Kreis Fulda).
Auf dem Glauberg umgab der entlang des Randes verlaufende Wall eine Fläche von etwa 20 Hektar. Der Wall besteht aus einer von innen leicht ansteigenden Erdrampe, die an der Außenfront durch eine Trockenmauer aus Basaltsteinen gehalten wird. Bei Grabungen auf dem Glauberg und dem Haimberg stieß man auf Steinfundamente von Häusern.
Aus Thüringen sind die beiden Befestigungen auf den Gleichbergen bei Römhild (Kreis Meiningen) bekannt. Davon ist vermutlich diejenige auf dem Großen Gleichberg die ältere und jene auf dem Kleinen Gleichberg (Steinsburg genannt) die jüngere.
Der Schutz der Befestigung auf dem Großen Gleichberg bestand aus einer 2,50 Meter breiten Mauer (»Rentmauer«), deren einstige Höhe sich nicht mehr ermitteln läßt. Bei dieser Mauer handelte es sich um eine zyklopische Fassade mit großen Basaltblöcken, die mit Geröll hinterschüttet und innen durch Pfosten abgestützt wurde. Die Befestigung auf dem Kleinen Gleichberg war vermutlich von einer Ringmauer aus aufgeschichteten Basaltsteinen umgeben.
Manche der befestigten Höhensiedlungen wurden durch Feuersbrünste zerstört. Das war bei den Befestigungen Buigen bei Herbrechtingen und auf dem Burgberg nahe Burkheim in Baden-Württemberg, bei der Heunischenburg auf dem Wolfsberg in Bayern und auf dem Langenberg bei Ernzen in Rheinland-Pfalz der Fall.
Zur Inneneinrichtung der Häuser auf dem Bogenberg bei Bogen gehörten runde zwei- und einschichtige Backherdplatten mit Wulstrand aus Lehm. Ein schadhaft gewordener Backherd wurde dicht mit Scherben belegt und durch einen zweiten Lehmestrich erneuert.
In vier Häusern der Flachlandsiedlung Straubing-Öberau in Bayern fanden sich an der Ostwand schmale, längliche Gruben, in denen einst Webstühle standen. Webstuhlgruben kennt man auch von den Fundorten Straubing-Kreuzbreite und Künzing-Umspannwerk (Kreis Deggendorf). Der größte Webstuhl der späten Urnenfelder-Zeit wurde in der westlichen Steiermark ausgegraben.
Die Bewohner der Siedlung von Straubing-Öberau haben ihr Trinkwasser aus einem Brunnen geschöpft, der von aufrecht stehenden Brettern eingefaßt war. Im Gegensatz dazu bestanden die Brunnen von Berlin-Lichterfelde, Budense (Dänemark) und Sankt Moritz (Schweiz) aus ausgehöhlten Baumstämmen.
Reste von Getreidekörnern und Hülsenfrüchten sowie bronzene Sicheln und Mahlsteine belegen Ackerbau. Anhand von Funden konnten die Getreidearten Gerste (Hordeum vulgare), Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum), Emmer (Triticum dicoccon), Saatweizen (Triticum aestivum), Rispenhirse (Panicum miliaceum), Dinkel (Triticum spelta) und Zwergweizen (Triticum aestivum ssp. compactum) sowie die Hülsenfrüchte Ackerbohne (Vicia faba) und Linse (Lens culinaris) nachgewiesen werden. Manche Experten meinen, der Ackerbau sei im Vergleich zur Hügelgräber-Bronzezeit während der Urnenfelder-Zeit intensiver betrieben worden.
In einer Siedlungsgrube von Graben (Kreis Augsburg) in Bayern fanden sich Reste von Gerste, Emmer, Rispenhirse, Dinkel und Linse. Aus Butzbach (Wetteraukreis) in Hessen sind Emmer, Zwergweizen, Saatweizen, Nacktgerste und Gerste belegt.
Für die Getreideernte bestimmte bronzene Sicheln wurden vor allem in Depots geborgen. Mahlsteine zum Zerquetschen der Getreidekörner kamen in der Siedlung von Straßkirchen (Kreis Straubing-Bogen) und in einem Grab von München-Englschalking zum Vorschein. Ersterer ist 45 Zentimeter lang und 20 Zentimeter breit, letzterer 50 Zentimeter lang und 33 Zentimeter breit.
Knochenfunde in Siedlungen und Gräbern beweisen die Haltung von Rindern, Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden als Haustieren. Die Bewohner der Siedlung von Gauting (Kreis Starnberg) in Bayern besaßen Rinder, Schafe oder Ziegen und Schweine, diejenigen von Greißing (Kreis Straubing-Bogen) in Bayern hatten Pferde, Schweine und Rinder.
Zwei Gräber aus Grünwald (Kreis München) enthielten Knochen vom Schaf und Schwein. In einem Grab von Gernlinden (Kreis Fürstenfeldbruck) lagen Tierknochen vom Schaf oder von der Ziege und vom Rind. In einem Grab von Altessing (Kreis Kelheim) fanden sich Schienbeinknochen vom Kalb.
Im Steinkistengrab von Bad Nauheim (Wetteraukreis) in Hessen stieß man auf Knochen von der Ziege oder vom Schaf und vom Schwein. In einem Grab von Dietzenbach (Kreis Offenbach) in Hessen wurden Knochen vom Schwein und vom Rind zutage gefördert. Hügelgräber bei Marburg enthielten Knochen von jungen Schweinen, vom Schaf, aber auch vom Reh (Capreolus capreolus).
Bronzene Angelhaken aus Gräbern weisen auf gelegentlichen Fischfang hin. Solche Funde glückten in Altensittenbach und Obernau (Kreis Aschaffenburg), Thann (Kreis Kelheim) in Bayern sowie Kobern (Kreis Mayen-Koblenz) in Rheinland-Pfalz. Vielleicht hatten die Toten, in deren Gräbern Angelhaken zum Vorschein kamen, eine besondere Beziehung zum Fischfang.
Ein ganzer mit auf dem Scheiterhaufen verbrannter Rothirsch (Cerphus elaphus) aus einem Hügelgrab bei Marburg in Hessen sowie bearbeitete Geweihstücke aus Merzingen und Mönchsdeggingen (Kreis Donau-Ries) in Baden-Württemberg lassen auf Hirschjagd schließen. Auch Braunbären (Ursus arctos) sind gelegentlich zur Strecke gebracht worden. Das verraten je eine Bärenkralle aus Graben (Kreis Augsburg) in Bayern, vom Martinsberg bei Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz und ein Bärenreißzahn aus Hoppingen (Kreis Donau-Ries).
Einen kleinen Einblick in die Ernährungsgewohnheiten der Urnenfelder-Leute erlauben Funde aus der Siedlung von Rückersdorf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern. Dabei handelt es sich um verkohlten Hirsebrei aus Rispenhirse, Reste von Leinsamen (Linum usitatissimum), Spuren von Leinöl an einer Keramikscherbe sowie andere Fragmente mit Spuren von Emmerschrotmehl und zerstoßenem Samen der Ackerbohne.
Nach Erkenntnissen des Berner Brotforschers Max Währen wurde das Brot ab der Urnenfelder-Zeit luftiger, ohne sein Aussehen zu verändern. Brot diente damals nicht nur den Lebenden als Nahrung, sondern auch den Göttern als Opfer und als Grabbeigabe für Tote. Im bayerischen Bellenberg (Kreis Neu-Ulm) wurde eine Jugendliche mit auf ihrem Leichnam abgelegtem Brot auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Reste dieses Brotes konnten zusammen mit Knochen- und Holzasche an zwei Scherben der tönernen Urne ermittelt werden.
Verkohlte Früchte aus der Siedlung vom Martinsberg in Bad Kreuznach deuten auf Verzehr von Eicheln (Quercus robur) und Wildäpfeln (Malus sylvestris) hin. Die Gefäße im Wagengrab von Hart an der Alz (Kreis Altötting) in Bayern haben Wein oder ein anderes alkoholisches Getränk enthalten, das man mit aromatischen Pflanzen versetzte und beim Gelage abschöpfen mußte. In der Siedlung von Straßkirchen (Kreis Straubing-Bogen) in Bayern wurde das Fleisch von Flußmuscheln verzehrt.
Die Keramik variierte von Großgefäßen wie henkellosen Zylinder-, Trichter- und Kegelhalsgefäßen, Amphoren und doppelkonischen Gefäßen bis zu Kleingefäßen wie Bechern, Krügen, Knickwandschalen, konischen Schalen, tellerartigen flachen Schälchen und Näpfen. Außerdem wurden Sieb-, Säulen- und Sauggefäße sowie Stempel und »Brotlaib-Idole« geformt.
Siebgefäße gelten eher als seltene Funde. Scherben einer Siebschale wurden in der Siedlung von Straubing (Ziegelei Dendl) geborgen. In Gräbern von Schifferstadt (Kreis Ludwigshafen) in Rheinland-Pfalz und Bruchköbel bei Hanau (Main-Kinzig-Kreis) in Hessen lagen ebenfalls Siebgefäße.
Eine bis dahin unbekannte Keramikform konnte in einem Grab von Gau-Algesheim (Kreis Mainz-Bingen) in Rheinland-Pfalz geborgen werden. Es ist ein Säulengefäß mit kreisrundem Standring, auf dem sich in gleichmäßigem Abstand zehn leicht einwärts gekrümmte Streben hochziehen, die einen schmalen bauchigen Gefäßkörper tragen, der oben mit einem kurzen Hals endet. Das Gefäß ist 27,2 Zentimeter hoch und maximal 41 Zentimeter breit. Ein vergleichbares Exemplar wurde später in Heskem (Kreis Marburg-Biedenkopf) in Hessen entdeckt.
Die Funktion von Sauggefäßen hatte der damals in Mainz tätige Prähistoriker Paul Reinecke (1872-1958) schon 1900 erkannt. Ihm zufolge wurden mit ihrem Inhalt Säuglinge ernährt. Die Sauggefäße waren nie höher als 20 Zentimeter, manchmal sogar nur fünf Zentimeter. Sie faßten durchschnittlich 100 bis 150 Kubikzentimeter Inhalt, höchstens bis zu 250 Kubikzentimeter.
In einem Brandgrab von München-Englschalking fand sich ein 17,5 Zentimeter langes Sauggefäß mit einer Bronzenagelung als Verzierung. Weitere Objekte dieser Art sind aus Unterhaching (Kreis München) in Bayern sowie aus Alzey-Dautenheim (Kreis Alzey-Worms) und aus der Nähe von Mendig (Kreis Mayen-Koblenz) in Rheinland-Pfalz bekannt. Das 7,8 Zentimeter hohe Sauggefäß bei Mendig hat die Gestalt eines Vogels. Es wurde zusammen mit einer verzierten Rassel gefunden, die als Spielzeug und vielleicht auch als kultisches Lärmgerät diente.
Eines von 17 Tongefäßen aus einem Grab in Oberrimsingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) in Baden-Württemberg ist mit Zinn verziert worden. Dabei handelt es sich um ein Trichterhalsgefäß mit je einem Zinnstreifen am Hals, auf der Schulter und dicht unterhalb des Bauches. Die Schulter weist zwei in Ritztechnik hergestellte Rillenbänder als Dekor auf, wobei der Raum zwischen den beiden Rillenbändern mit zwei gegeneinander versetzten Dreiecksreihen versehen ist, von denen die Spitzen der oberen Reihe nach unten und die Spitzen der unteren nach oben zeigen. Zinnornamentierte Keramik ist auch aus der Schweiz, Österreich und Italien (Canegrate) bekannt.
Etwas Besonderes war sicherlich die exquisite Feinkeramik, die zur Ausstattung der Toten in den reichen Steinkistengräbern gehörte. Der damals in Nürnberg arbeitende Prähistoriker Fritz-Rudolf Herrmann hat für diese Erzeugnisse in seiner 1966 erschienenen Dissertation die Bezeichnung Adelskeramik geprägt. Ihre Kennzeichen sind sehr dünne Wände, Hochglanz, zuweilen übertrieben scharfe Profilierung, reiche plastische Ausschmückung mit Girlandenriefen, runde Buckelwarzen sowie üppige Rillen- und Schmalriefenverzierung.
Unterschiedlich gedeutet werden tönerne »Stempel«, wie sie beispielsweise auf dem Hesselberg bei Wassertrüdingen in Bayern entdeckt wurden. Einer davon war ganz erhalten, hat einen Durchmesser von 6,3 Zentimetern und ist mit einem Sonnenmotiv versehen. Von den anderen drei Stempeln liegen nur Bruchstücke vor. Solche Tonstempel könnten Gefäßdeckel, Tonmatrizen für Wachs- oder Tonformen, Farbstempel, Brotstempel oder Kultobjekte gewesen sein.
Ebenfalls umstritten ist der Zweck der »Brotlaib-Idole«, von denen eines bei Steinfurth (Wetteraukreis) in Hessen zum Vorschein kam. Die gewölbte Seite dieses Exemplars war einst wohl mit vier senkrechten Rillen verziert, die in Abständen von drei Millimetern Unterbrechungen durch annähernd kreisförmige stempelartige Einstiche aufweisen. Die mit einem Metallgerät ausgeführten Einstiche ergeben ein rosettenförmiges Muster. In der Mitte der Breitseite wurde eine leicht schräge Durchbohrung angebracht.
Die exakt mit horizontalen Riefen dekorierten Tongefäße wurden vielleicht auf einem langsam drehbaren Untersatz geformt. Manche Gefäße sind auf der Oberfläche mit einem Graphitüberzug versehen, was ihnen ein metallisches Aussehen verlieh, oder man hat sie bemalt.
Reste eines Töpferofens wurden in Unterelchingen bei Neu-Ulm40 in Bayern ausgegraben. Der Lehmkuppelbau war einst etwa 1,20 Meter hoch und wurde mittels zweier Schürlöcher geheizt. Der Inhalt des Töpferofens – die zu brennenden Tongefäße – stand über dem Feuer auf einer durchlochten Brennplatte aus Lehm. Weitere Töpferöfen sind aus der erwähnten »Wasserburg« von Bad Buchau in Baden-Württemberg und aus der Befestigung auf dem Hesselberg bei Wassertrüdingen in Bayern bekannt.
Auf dem Münsterberg von Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) in Baden-Württemberg kam in einer Siedlung die Abfallgrube eines Töpfers mit Fehlbränden und Ausschußware zum Vorschein. Die Grube war zu zwei Dritteln mit zerdrückten Gefäßen und Scherben gefüllt. Es handelte sich um Reste von insgesamt etwa 400 Gefäßen.
Die Bronzeerzeugnisse dürften überwiegend in Formen aus Stein und gelegentlich auch aus Bronze gegossen worden sein. Seltener war vermutlich der arbeits- und zeitaufwendige Guß in verlorener Tonform. In den Siedlungen praktizierte man wegen der Feuergefahr wahrscheinlich nur das Tiegelschmelzverfahren.
Auf Bronzeverarbeitung in Siedlungen weisen Schmelztröpfchen aus Kelheim/Weltenburg, von der Ehrenbürg bei Forchheim, vom Bullenheimer Berg bei Bullenheim (alle drei in Bayern) und vom Martinsberg in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) hin. Ortsfeste Gruben oder Kuppelöfen, in denen große Hitze erzeugt wurde, waren sicherlich außerhalb der Ortschaften angelegt worden.
Die in manchen Gräbern gefundenen Bronzebarren stellten wohl Beigaben für Bronzegießer oder Rohstoffhändler dar. Derlei Objekte wurden in Gräbern von Münchingen (Kreis Böblingen) in Baden-Württemberg, Lachen-Speyerdorf (Kreis Neustadt an der Weinstraße) und in Kobern (Kreis Mayen-Koblenz), beide in Rheinland-Pfalz gelegen, entdeckt. Andere Gräber enthielten Erzbruchstücke, Gußkuchen, -tiegel und -formen.
Viele Bronzeerzeugnisse hat man in zweiteiligen steinernen Formen gegossen. Nach dem Guß wurden die Gußhaut, -nähte und -zapfen überarbeitet. An Rasiermessern sind anschließend Griffe aus Geweih oder Holz angebracht und die Schneiden mit Punzen, Graviersticheln, Feilen, Stempeln und Zirkeln verziert worden.
Die Anfertigung bronzener Tassen, Eimer, Helme und Beinschienen erfolgte durch die Methode des Treibens. Aus mehreren Teilen bestehende Erzeugnisse – wie Schwerter und Dolche – wurden durch Nieten zusammengefügt, andere Objekte durch bronzene Klammern oder durch Umbiegen und Ineinandergreifen der Blechränder.
Vielerorts kamen Utensilien von Bronzegießern zum Vorschein. In der erwähnten »Wasserburg« von Bad Buchau zum Beispiel wurden eine etwa 30 Zentimeter lange verzierte Tondüse, das Fragment eines Gußkuchens, zwei bronzene Tüllenhämmer, von denen bei einem der Holzschaft teilweise erhalten blieb, ein Kannelurenstein, die Hälfte einer Gußform aus Sandstein für herzförmige Anhänger sowie ein Gußformfragment für ein Messer gefunden.
Hinterlassenschaften mehrerer Metallwerkstätten liegen aus der Inselsiedlung im Rhein bei Säckingen (Kreis Waldshut) vor, von der ebenfalls bereits die Rede war. Dazu gehören zwei Schmelzwannen, Grubenöfen, mehrere Kilogramm blasiger Kupferschlacken, ein kompletter und ein fragmentarischer steinerner Schmelztiegel, die Hälfte eines steinernen Gußtrichters, Gußbrocken, eine steinerne Gußform für einen kleinen Ring, eine doppelseitig verwendbare steinerne Gußform, zwei ungeformte Zinnbarren (Teil der Bronzelegierung), kleine Bronzeschlacken und ein Kannelurenstein.
Für die steinernen Gußformen fand in der Mehrzahl Sandstein Verwendung, daneben aber auch speckiges Gestein (Wiesbaden-Schierstein), Tonschiefer (Opfingen, Stadtkreis Freiburg/Breisgau), Glimmerschiefer (Alten-Buseck, Kreis Gießen) und Diabas (Preist an der Kyll, Kreis Bitburg-Prüm). Man kennt Gußformen für Nähnadeln, Gewandnadeln, Stabbarren, Rasiermesser, Nägel, Sicheln, Messer, Beile, Pfeilspitzen, Lanzenspitzen, Schwerter und Ringe.
Allein in Neckargartach (Kreis Heilbronn) in Baden-Württemberg konnten 19 steinerne Gußformen geborgen werden. Sie waren für den Guß von Griffzungenschwertern, Sicheln, Tüllenbeilen, Messern, Pfeilspitzen, Hämmern und Barren bestimmt. An Dutzenden von Fundorten hat man einzelne steinerne Gußformen geborgen.
Außerdem gab es tönerne Gußformen für Ringe (Obertraubling, Kreis Regensburg) und Bronzegehänge mit Vogelköpfen (Kürnach bei Würzburg) sowie tönerne Gußlöffel (Burkheim, Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Neckarsulm).
Aus Erlinghausen (Kreis Eichstätt) in Bayern liegt eine dreiteilige bronzene Gußform für einen Schwertgriff und den Griff eines Dreiwulstschwertes vor. Vom Bullenheimer Berg ist eine bronzene Gußform für die Klinge eines Tüllenbeiles bekannt. Gußformen aus Metall waren viel seltener als jene aus Stein und Ton.
Aus einer Metallwerkstatt stammen auch die bronzenen Punzen, Meißel und Ziselierstichel der erwähnten Befestigung auf dem Hesselberg in Bayern. Ihre Abnutzungsspuren deuten auf eine häufige Verwendung hin. Außerdem fanden sich dort zwölf steinerne Gußformen, von denen eine das Negativ einer Sichel enthält, Gußformplatten von Schmuck- und Nähnadeln, viele Bronzgußbrocken sowie Bruchstücke von Graphitschmelztiegeln.
Einem in Steinkirchen (Kreis Deggendorf) in Bayern beerdigten Metallhandwerker – einem Toreuten, der Bronze durch Hämmern, Ziselieren, Gravieren und Punzen bearbeitete – wurde eines seiner wichtigsten Werkzeuge mit ins Grab gelegt. Es ist ein in einen Holzblock eingelassener bronzener Rippenamboß, der sich zum Treiben von drei parallelen Rippen auf einem Bronzeblech eignete.
Daß nicht immer alles gelang, veranschaulicht ein Schwert aus Kreßbronn am Bodensee (Bodenseekreis). In seinen Griff sind an beiden Seiten je zwei Einhiebe eines dornähnlichen Gegenstandes von etwa zwei bis 3,5 Millimeter Größe sichtbar. Vermutlich wollte man ohne Vorpunzen Löcher anbringen, ein Vorhaben, das fehlschlug. Das Metall ist an dieser Stelle etwa drei Millimeter stark, an den fertigen Löchern dagegen nur zwei bis 2,5 Millimeter.
Der Formenreichtum an bronzenen Werkzeugen, Waffen und Schmuckstücken spiegelt sich in manchen Depotfunden wider. Solche Depots werden als Altmetall, das zum Schmelzen gesammelt wurde, aber auch als Versteckfunde oder Sachopfer diskutiert.
Ein reichhaltiges Depot aus jener Zeit wurde in Weinheim an der Bergstraße (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg entdeckt. Es umfaßte 91 Fragmente, die sich zu 76 bronzenen Gegenständen zusammensetzen ließen. Dabei handelt es sich um Lappenabsatzbeile, Tüllenbeile, Lochsicheln, Messer, eine Punze, Schwerter, Lanzenspitzen, Armringe, Ringe, Knebel eines Pferdegeschirrs, Teile der bronzenen Nabe eines Wagenrades, Teile von Fibeln und Gußreste.
Das in Saarlouis im Saarland geborgene Depot bestand aus 61 bronzenen Gegenständen, die in einem Tongefäß lagen, und aus einer Schale. Zum Depot gehörten ein Griffzungenschwert, ein Ortband zum Schutz der Schwertscheidenspitze, sieben Lappenbeile, ein Tüllenbeil mit Öse, vier Tüllenmeißel, sechs Lanzenspitzen, sieben Sicheln, eine Ringscheibe, zwei Knebel eines Pferdegeschirrs, sechs hohl gegossene Ringe, zwei massiv gegossene Ringe, sechs teilweise verzierte Armreife und Fragmente von fünf weiteren Exemplaren sowie zwei Bronzegußklumpen.
Viele Bronzeobjekte enthielt auch das auf einem Acker von Wallerfangen (Kreis Saarlouis) im Saarland gefundene Depot. Sein Inhalt bestand aus einem Vollgriffschwert, zwei Lappenbeilen, zwei Tüllenbeilen mit Ösen, einer zweiteiligen Gußform für ein Lappenbeil, 14 Armbändern, einem Schallblech mit zwei anhängenden Ringblechen, mehreren kleinen Schallblechen, knopfartigen Zierbuckeln mit Ösen, quergerippten Röhrchen, Gitterwerk mit vier kleinen und zwei größeren Ringen, einer Pferdetrense, einem Knebel von einem Pferdegeschirr sowie verschiedenen Ringen und andere Objekten.
Gegen Ende der Urnenfelder-Kultur gelangten vereinzelt eiserne Gegenstände durch Tauschhandel in deren Verbreitungsgebiet. Solche Eisenfunde liegen aus Südwestdeutschland vor, aber auch aus dem Ostalpenraum, Böhmen, Schlesien, der Nordschweiz und Lothringen. Manche Autoren vermuten, daß diese frühen Eisenobjekte aus dem Nordbalkan stammen.
Eines der ältesten Eisenschwerter Mitteleuropas kam in einem Brandgrab der jüngeren Urnenfelder-Zeit von Singen am Hohentwiel (Kreis Konstanz) in Baden-Württemberg zum Vorschein. Seine erhaltene Länge beträgt 54 Zentimeter, die Klinge ist maximal 4,5 Zentimeter breit. Diese Waffe wurde entweder importiert oder von einem fremden Schmied (»Schwertfeger«) im Lande angefertigt.
Gleichwohl fanden als Rohstoffe für Werkzeuge immer noch Stein, Geweih und Knochen Verwendung. Aus unterschiedlichen Steinarten wurden Klingen von Trapezbeilen und Äxten, Keulenköpfe, Schleifsteine, Mahlsteine, Rillensteine sowie vielleicht sogar Keulen und Schleudersteine hergestellt. Schleifsteine (Wetzsteine) dienten zur Schärfung von Rasiermessern, Sicheln, Beilen, Schwertern sowie Lanzen- und Pfeilspitzen.
Zwischen Ettringen und Kottenheim (Kreis Mayen-Koblenz) in Rheinland-Pfalz haben Urnenfelder-Leute stellenweise die Basaltlavaströme des Beller-Berges und Hochsimmer abgebaut. Sie erhitzten das vulkanische Gestein stark durch Feuer und kühlten es dann plötzlich mit Wasser ab, wobei Spannungsrisse entstanden und sich einzelne Gesteinsbrocken lösten. Die Form der gewölbten Lavafragmente entspricht in etwa derjenigen von Mahlsteinplatten dieser Zeit, weshalb dieses Rohmaterial nur noch wenig bearbeitet werden mußte.
Aus Neusetz (Kreis Kitzingen), Sulzheim-Alitzheim (Kreis Schweinfurt) und Wollbach (Kreis Rhön-Grabfeld) in Bayern sind Geweihäxte mit rechteckigem Schaftloch zur Aufnahme des hölzernen Schaftes bekannt.
Zu den bronzenen Werkzeugen gehörten Nähnadeln mit Öhr, Knopf- und Griffzungensicheln für die Getreideernte, Tüllenbeile, Tüllenmeißel, Ledermesser, Griffzungenmesser sowie Sägeblätter. Sicheln kamen oft in großer Zahl in Depots zum Vorschein. So enthielten zwei Depots von Bad Homburg in Hessen insgesamt 31 Sicheln, während ein Depot von Frankfurt/Main-Grindbrunnen unter anderem 14 Lochsicheln und eine Zungensichel umfaßte. Anhand eines Fundes aus der erwähnten »Wasserburg« bei Bad Buchau wird ersichtlich, daß manche Sicheln mit einem hölzernen Griff versehen waren.
Bronzene Nähnadeln mit Öhr sind aus je einem Frauengrab von Grünwald und Unterhaching (beide Kreis München) bekannt. Die Nähnadel mit geschlitztem Öhr aus Grünwald ist 14 Zentimeter lang. Aus Unterhaching liegt das Bruchstück einer Nähnadel mit Öhr vor.
Neben bronzenen Tüllenbeilen aus heimischer Produktion gab es auch importierte Erzeugnisse. Hierzu wird ein Exemplar mit seitlicher Rippenverzierung aus dem Depot von Hangen-Weisheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz gerechnet. Es entspricht dem Tüllenbeil-Typ aus dem bretonischen Depot von Saint-Pabu im französischen Departement Finistère.
Als Importstücke aus Westeuropa gelten bronzene Tüllenmeißel mit Hohlschneide, die sogar auf den Britischen Inseln vorkamen. Derartige Objekte wurden in Baden-Württemberg (Ettlingen, Kreis Karlsruhe), im Saarland (Saarlouis), in Rheinland-Pfalz (Nieder-Olm, Kreis Mainz-Bin-gen), Alsenborn (Kreis Kaiserslautern), Langsur (Kreis Trier-Sarburg) gefunden.
In der Gemarkung von Hohlach (Kreis Neustadt-Bad Windsheim) in Bayern hat man ein sieben Zentimeter langes Ledermesser entdeckt, das aus England oder Frankreich stammt. Früher wurden solche Werkzeuge als Meißel bezeichnet. In Wirklichkeit dienten sie eher zum Schneiden von Leder, was auch mit doppelschneidigen Rasiermessern möglich gewesen wäre.
Die bronzenen Griffzungenmesser sind häufig prächtig mit Gravuren verziert. Das ist beispielsweise bei zwei Exemplaren der Fall, die sich in der Bärenhöhle des Hohlenstein bei Asselfingen (Alb-Donau-Kreis) in Baden-Württemberg fanden.
Das in Säckingen (Kreis Waldshut) in Baden-Württemberg geborgene etwa 40 Zentimeter lange bronzene Sägeblatt dürfte eher in einer Tischlerei als beim Hausbau eingesetzt worden sein. Denn an Bauhölzern sind keine Sägespuren zu erkennen, sie wurden mit Äxten oder Beilen zu-rechtgehauen.
Von Langengeisling (Kreis Erding) und Obernau (Kreis Aschaffenburg) in Bayern kennt man bronzene Haken mit Tülle zur Aufnahme eines Holzschaftes. Der damals in Frankfurt/Main arbeitende Prähistoriker Hans-Jürgen Hundt (1909-1990) deutete 1953 derartige Funde als Fleischerhaken zum Herausfischen von Siedfleisch aus Kesseln.
In Undenheim (Kreis Mainz-Bingen) und Wollmesheim (Kreis Landau) in Rheinland-Pfalz wurden S-förmige bronzene Haken ohne Tülle zutage gefördert. Der Mainzer Prähistoriker Detert Zylmann betrachtete 1983 solche Objekte als Vorrichtungen zum Aufhängen bestimmter Gegenstände.
Ab der Urnenfelder-Zeit trugen manche Krieger erstmals bronzene Schutzausrüstungen wie Helme, Schilde, Panzer und Beinschienen. Zur Bewaffnung der Urnenfelder-Leute gehörten bronzene Dolche, Schwerter, Lanzen, Speere sowie Pfeil und Bogen. Letztere dienten sicherlich auch als Jagdwaffen.
Prächtig verzierte bronzene Panzer aus der Urnenfelder-Zeit wurden in Frankreich (Marmesse, Villinges) und in der Slowakei (Caka, Cierna nad Tisou, Ducové) gefunden. Ihr dünnes Bronzeblech schützte nicht vor einem Schwerthieb oder Pfeilschuß. Vermutlich waren die Panzer auf einem Lederkoller befestigt.
Vom Rand eines Panzers stammen drei Bronzeblechstücke aus dem Depot von Albstadt-Pfeffingen (Zollernabkreis) in Baden-Württemberg. Auf der erwähnten Heunischenburg bei Gehülz kam ein Panzerbruchstück zum Vorschein. 21 getriebene Blechfragmente von dieser Fundstelle könnten nach Ansicht des Bamberger Prähistorikers Björn-Uwe Abels als Besatz von Lederpanzern gedient haben. Bronzescheiben aus einem Brandgrab von Pfullingen (Kreis Reutlingen) waren vielleicht auf einen Lederpanzer aufgenäht.
Bronzene Helme hat man in Baden-Württemberg (Weil am Rhein, Kreis Lörrach), Bayern (Pockinger Heide bei Indling im Kreis Passau, Ebing im Kreis Bamberg, Thonberg im Kreis Kronach), Rheinland-Pfalz (Wonsheim im Kreis Alzey-Worms, bei Mainz) und in Hessen (Biebesheim im Kreis Groß-Gerau, Mainz-Kostheim im Stadtkreis Wiesbaden) entdeckt.
Der aus zwei Blechhälften zusammengefügte Helm aus Weil am Rhein ist 19,1 Zentimeter hoch, 17,5 Zentimeter breit, 23 Zentimeter lang und wiegt 804 Gramm. Auch der Helm aus der Pockinger Heide besteht aus zwei Blechhälften. Sie sind unten zusammengenietet und auf dem Scheitel kammartig übereinandergeschlagen. Der in mindestens fünf Meter Tiefe ausgebaggerte Helm aus Ebing ist 29 Zentimeter hoch und hat einen Randdurchmesser von 25,5 beziehungsweise 13 Zentimetern.
Bei Biebesheim kamen innerhalb von fünf Tagen sogar zwei Helme in einer alten Rheinschleife zum Vorschein. Beide wurden in einer Tiefe von etwa acht bis neun Metern und etwa sechs Meter voneinander entfernt von einem Bagger ans Tageslicht geholt. Das erste Fundstück ist 27,9 Zentimeter hoch und fast unversehrt, während das zweite eine Höhe von 27 Zentimetern aufweist. Es wurde von den Baggerschaufeln zusammengedrückt, aber in den Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz, restauriert.
Die Helme von Wonsheim, aus dem Rhein bei Mainz und aus dem Main bei Mainz-Kostheim stammen aus der älteren Urnenfelder-Zeit zwischen 1200 und 1000 v. Chr. Das Exemplar aus dem Rhein ist 17,1 Zentimeter hoch und hat einen maximalen Durchmesser von 22,4 Zentimetern. Es ist am Rand mit 17 Nietlöchern versehen, sechs der Nieten sind noch vorhanden. Nach den Nietlöchern zu schließen, war das Innenfutter etwa drei Millimeter dick.
Ein Depotfund in Bernières d'Ailly (Frankreich) umfaßte sogar insgesamt neun bronzene Kammhelme aus der Urnenfelder-Zeit. In Italien wurden Krieger der Villanova-Kultur (etwa 900 bis 525 v. Chr.), deren Anfänge der späten Urnenfelder-Zeit entsprechen, häufig mit ihren bronzenen Schutzwaffen (Helm, Schild, Beinschienen) bestattet.
Bronzene Rundschilde sind auch aus dem Regnitztal bei Bamberg in Bayern sowie aus Mainz und Bingen in Rheinland-Pfalz bekannt. Die Schilde aus Bamberg-Gaustadt, Mainz und Bingen werden zum Typ Nipperwiese gerechnet, der nach einem aus der Megelitz bei Nipperwiese unweit von Stettin im heutigen Polen ausgebaggerten Fund bezeichnet ist. Der Ansicht mancher Prähistoriker zufolge dienten Bronzeschilde ausschließlich als Opfergaben, während Rundschilde aus Holz den Kriegern vorbehalten waren.
Die beiden Bronzeschilde aus der Bamberger Gegend sind verschollen. Sie hatten einen Durchmesser von mehr als 40 Zentimetern. Bei den vermeintlichen Hieb- und Stichspuren auf dem Bronzeschild von Bingen könnte es sich auch um Beschädigungen aufgrund des Treibens im Rheinwasser handeln.
Besonders viele Bronzeschilde aus der Urnenfelder-Zeit gehörten zu Depotfunden in Verucchio (Italien) und Fröslunda (Schweden). In Verucchio wurden acht Schilde geborgen, in Fröslunda sogar 16 Exemplare.
Reste von mit bronzenen Blechen und Nägeln beschlagenen Holzschilden kamen in Kreßbronn-Hemigkofen (Bodenseekreis) in Baden-Württemberg, Landau-Wollmesheim (Kreis Landau) in Rheinland-Pfalz und Bad Nauheim (Wetteraukreis) in Hessen zum Vorschein.
Bronzene Beinschienen liegen aus der Paulushöhle bei Beuron (Kreis Sigmaringen) in Baden-Württemberg sowie aus der Donau bei Schäfstall (Kreis Donau-Ries) und aus Winklsaß (Kreis Landshut) in Bayern vor. Sie dienten weniger zum Schutz vor Verletzungen im Kampf als vielmehr zum Prunk und zur Repräsentation.
Die Fragmente der Beinschiene bei Beuron gehörten vielleicht zum Besitz des am Eingang der Paulushöhle bestatteten Mannes, dem man eine Lanze mit ins Grab gegeben hatte. Dagegen gilt die bei Schäfstall gefundene 27 Zentimeter lange Beinschiene mit Punzbuckelverzierung als Weiheobjekt. Sie konnte durch zahlreiche den Blechrand säumende Löcher auf einer Unterlage aus Stoff oder Leder verschnürt werden. Die Bruchstücke von Beinschienen und vielleicht auch von einem Panzer aus Winklsaß gehörten zu einem Depot mit Werkzeugen, Waffen und Schmuck.
Fragmente von verzierten bronzenen Beinschienen aus der Urnenfelder-Zeit wurden auch in Frankreich (Cannes-Écluse), Österreich (Stetten-Teiritzberg, Volders), Tschechien (Kurim), Italien (Pergine, Pontecagnano, Malpensa, Torre Galli), Kroatien (Klostar Ivanic) und in Griechenland (Kallithea) gefunden.
Bei den bronzenen Dolchen ist unklar, ob es sich um Werkzeuge oder um Waffen handelte. Es lassen sich Exemplare mit Griffzunge, -platte und -dorn unterscheiden. Als in seiner Art einmalig wird der Vollgriffdolch mit Kupferfadentauschierung aus einem Grab von Kressbronn (Bodenseekreis) in Baden-Württemberg angesehen. Ein Tüllendolch aus dem Depot von Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz soll aus Westeuropa stammen. Solche Dolche kennt man hauptsächlich von den Britischen Inseln und aus Westfrankreich.
In der Stufe Bronzezeit D gab es vor allem bronzene Riegsee-Schwerter (Typ Riegsee) mit achtkantigem Griff (Achtkantschwerter), Rixheim-Schwerter (Typ Rixheim) und vereinzelt frühe Griffzungenschwerter. Als typisches Muster der Riegsee-Schwerter gelten ineinandergreifende S-Haken.
Während der Stufe Hallstatt A 1 waren meistens Dreiwulstschwerter mit drei Wülsten auf der Griffstange üblich. Formen der Stufe Hallstatt B 2 sind Antennen-, Schalenknauf- und Karpfenzungenschwerter. Der Griff der Antennenschwerter endet in antennenförmigen Fortsätzen. Schalenknaufschwerter haben einen Knauf entweder in Form einer kalottenförmigen Schale oder eines Pilzes. Karpfenzungenschwerter – wie die Funde aus Hochstadt im Kreis Main-Kinzig-Kreis in Hessen und aus Saarlouis im Saarland – gelten als Importgüter aus Westeuropa.
Die späten Antennenschwerter (Typ Weltenburg) sowie die nach schweizerischen Fundorten bezeichneten Auvernier- und Mörigen-Schwerter stammen aus der Stufe Hallstatt
B 3.
Die Schwerter wurden in Holzscheiden an ledernen Waffengurten getragen, als deren Verschluß ein bronzener Doppelknopf diente. Reste einer Holzscheide hafteten noch an einem Schwert aus Grab 5 des etwa ein Dutzend Bestattungen umfassenden Friedhofes von Behringersdorf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern. Es war Vogelbeerenholz (Sorbus), das einst vielleicht durch einen Lederüberzug zusammengehalten wurde. In diesem Adelsgrab lagen auch ein Ringgriffmesser und ein Pfeilköcher mit sechs Pfeilspitzen.
Nach Funden aus dem Lorscher Wald, Viernheim (beide Kreis Bergstraße), Dietzenbach (Kreis Offenbach), Erlensee-Langendiebach, Nidderau-Heldenbergen, Hanau (alle drei im Main-Kinzig-Kreis) in Hessen, Bad Nauheim (Wetteraukreis) und bei Ochsenfurth (Kreis Würzburg) in Bayern zu schließen, hatten die Stoßlanzen und Wurfspeere meistens einen Schaft aus Eschenholz (Fraxinus excelsior).
Der früher in Mainz tätige Prähistoriker Peter Schauer meint, mit den Lanzen sei nicht nur gestochen, sondern auch wie mit einem Schwert gehauen und Hiebe pariert worden. Zu einer solchen Folgerung gelangte er anhand der Beschädigung der 31,2 Zentimeter langen Lanzenspitze aus einem Steinkammergrab von Gau-Algesheim (Kreis Mainz-Bingen) in Rheinland-Pfalz.
Einmalig bei Waffen dieser Art ist – nach Ansicht des Prähistoriker Gernot Jacob-Friesen aus Göttingen – die Verzierung der 22,9 Zentimeter langen, 5,6 Zentimeter breiten und 261 Gramm schweren bronzenen Lanzenspitze aus dem Rhein bei Mainz. Auf beiden Seiten des Blattes wurden Reihen von stilisierten Wasservögeln eingepunzt. Der Prachtfund wird im Museum Worms aufbewahrt.
Auch die bronzenen Lanzenspitzen sind teilweise von weit her importiert worden. Als Herkunftsgebiet einer 49,8 Zentimeter langen Lanzenspitze vom Typ Enfield mit seitlichen Ösen unterhalb des Blattansatzes aus Lichtenau (Ortenaukreis) in Baden-Württemberg werden die Britischen Inseln vermutet.
Die bronzenen Pfeilspitzen werden von den Prähistorikern in Tüllenpfeilspitzen mit Widerhaken und Ausführungen mit einfachem Schäftungsdorn unterschieden. Bei ersteren befand sich der hölzerne Schaft in der bronzenen Tülle, bei letzteren steckte die bronzene Pfeilspitze im hölzernen Schaft. In Ockstadt (Wetteraukreis) in Hessen war der einem Toten ins Grab gelegte Köcher mit elf Pfeilspitzen gefüllt.
Ein Köcherfragment aus Grab 5 bei Behringersdorf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern enthielt sechs Pfeilspitzen mit hölzernen Schaftresten bis zu sieben Zentimeter Länge. Der Prähistoriker Hans-Jürgen Hundt – damals bereits im Mainz tätig – spekulierte 1977 wegen der Zerbrechlichkeit ihrer Dornen, diese Pfeilspitzen sollten beim Ziehen aus der Wunde abbrechen und ihr zurückbleiben. Er stellte sich vor, die Dornen seien mit Gift getränkt ge-wesen.
In manchen Depots und Gräbern der Urnenfelder-Kultur wurden bronzene Tassen, Schöpfgefäße, Siebe und Eimer gefunden. Diese Metallgefäße ordnet man teilweise verschiedenen Typen zu, die nach bestimmten Fundorten benannt sind.
Die Bronzetassen vom Typ Friedrichsruhe erinnern an den Fundort Friedrichsruhe (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern. Sie stammen aus der Stufe Hallstatt A 1. Einem Grabfund von Fuchsstadt (Kreis Würzburg) in Bayern verdanken die Bronzetassen des Typs Fuchsstadt aus der Stufe Hallstatt A 2 ihren Namen. Dort kam eine Tasse zum Vorschein, deren Henkel mit vier Nieten an der Gefäßwand befestigt und am Rand von zwei Strichgruppen gesäumt ist. Der Begriff Bronzetasse vom Typ Fuchsstadt wurde 1930 von dem damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Ernst Sprockhoff (1882-1967) eingeführt.
Bronzetassen des nach einem Fundort in Böhmen bezeichneten Typs Jenisovice sind typisch für die Stufe Hallstatt B 1. Als ihr Kennzeichen gilt ein Muster aus abwechselnd kleinen und großen Punktreihen. Den Namen Bronzetassen vom Typ Jenisovice hat 1948 der Prähistoriker Vere Gordon Childe (1892-1957) aus Edinburgh geprägt. Vorher waren diese Gefäße – dem Vorschlag Ernst Sprockhoffs von 1930 folgend – nach einem dänischen Fundort als Bronzetassen vom Typ Kirkendrup charakterisiert worden.
Während der Stufe Hallstatt B 2 waren Bronzetassen des Typs Haslau-Regelsbrunn in Mode und während der Stufe Hallstatt B 3 solche des Typs Hostomice. Haslau und Regelsbrunn liegen in Österreich, während Hostomice ein tschechischer Fundort ist.
Nach Ansicht des Marburger Prähistorikers Claus Dobiat stellt eine Tasse des Typs Jenisovice aus einem Grab bei Marburg einen ungewöhnlichen Fund dar. Denn diese Tassen kommen meistens in Depots und gelegentlich in Siedlungen zum Vorschein.
Ein Grab von Hart an der Alz (Kreis Altötting) in Bayern enthielt sogar ein komplettes Weinservice. Es bestand aus einem Bronzeeimer vom Typ Kurd, einer Tasse und einem Sieb mit einem Durchmesser von 19,2 Zentimetern. Der Typ Kurd ist nach einem Fundort in Ungarn benannt. Weitere Bronzeeimer liegen aus einem Grab von Nidderau-Heldenbergen und aus dem Lorscher Wald in Hessen vor. Diese beiden Eimer sind abwechselnd mit Buckelreihen oder leeren Streifen mit zwischengeschalteten fünfrippigen Bändern dekoriert. Ein Sieb ist auch aus Langengeisling bekannt.
Besonders wertvoll war sicherlich das Depot von Unterglauheim (Kreis Dillingen) in Bayern. Zu ihm gehörte ein 33,5 Zentimeter hoher zweihenkliger Bronzeeimer mit punzverziertem Deckel. In dem mit Sonnensymbolen, Sonnenbarke und Wasservögeln ausgeschmückten Eimer befanden sich Reste von Knochen und Asche, zwei Bronzebecken, zwei formgleiche Goldbecher und Golddraht.
Die zwei Goldbecher lagen mit den Mündungen aufeinander und waren mit Golddraht umwickelt. Sie sind sieben Zentimeter hoch, haben einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern und wiegen 51 beziehungsweise 41 Gramm. Beide sind mit einem prächtigen Muster versehen, das aus Horizontalrippen mit Stäbchenfüllung, Sonnensymbolen aus jeweils drei konzentrischen Kreisen mit einem Punkt in der Mitte und weiteren Kreise mit einem Punkt besteht.
Auf die Transportmöglichkeiten der Urnenfelder-Leute zu Wasser und zu Lande weisen Funde von Einbäumen, Paddel, ein tönernes Bootsmodell, Wege, Skelettreste von Pferden, Teile von Pferdegeschirr aus Geweih und Bronze sowie Fragmente von Wagen und Wagenräder hin.
Allein an den Ufern des Federsees im Kreis Biberach in Baden-Württemberg wurden insgesamt mehr als 20 Einbäume und über 30 Paddel gefunden. Im Hafen der »Wasserburg« von Bad Buchau kamen 24 Paddel zum Vorschein. Die Einbäume wurden aus Eichen- und Eschenstämmen hergestellt. Heute gibt es in diesem Gebiet keine so dicken Eschen mehr.
Eine der Bootsanlegestellen am Federsee hat bei Oggelshausen gelegen. Dort barg man neben mehreren Einbäumen auch drei Paddel. Eines der Paddel war aus Eschenholz geschnitzt, in mehrere Teile zerbrochen, noch 78 Zentimeter lang und 21 Zentimeter breit. Von den anderen zwei Paddeln aus Eichenholz ist eines noch 1,20 Meter lang und hat ein 32 Zentimeter langes Blatt. Das andere Paddel ist noch 59 Zentimeter lang und besitzt ein 34 Zentimeter langes Blatt. Das Holz für die Paddel wurde um 872 v. Chr. geschlagen.
Als ältester Einbaum Oberbayerns gilt der Fund von der Roseninsel im Starnberger See. Dieses Wasserfahrzeug ist um 900 v. Chr. aus einem Eichenstamm geschaffen worden. Es hat eine Länge von 13,40 Metern, eine Breite von 1,15 Metern und eine Höhe von 65 Zentimetern. Der leicht hochgezogene Bug endet mit einer langgezogenen Spitze, das massive Heck mit einem kleinen Fortsatz.
Aus Dietfurt (Kreis Neumarkt) im Altmühltal (Bayern) ist das tönerne Modell eines Bootes mit einem breiten, runden und einem schmalen, bugartigen Ende bekannt. Die Prähistoriker sind sich im unklaren, ob es sich hierbei um ein Kinderspielzeug, ein Kunstwerk oder ein Kultobjekt handelt.
In der Übergangsphase zwischen der Urnenfelder- und der Hallstatt-Zeit könnte der 1,8 Kilometer lange Bohlenweg in den Rottauer Filzen nördlich von Rottau (Kreis Traunstein) in Bayern errichtet worden sein. Als Unterbau dienten Rundhölzer mit jeweils übergreifenden Enden, die durchschnittlich 7,40 Meter lang sind. Sie wurden mit zwischen zwei und 3,30 Meter langen Hölzern verschiedener Stärke bedeckt, die eine unebene Lauffläche bildeten. Der Transport der Stämme zum Wegebau ins Moor erfolgte über größere Entfernung.
Die in Siedlungen entdeckten Pferdereste stammen sicherlich von Reit- und Zugtieren. Zum Pferdegeschirr gehörten Teile aus Geweih und Bronze.
Geweihknebel kennt man aus Bad Buchau (Kreis Biberach), der Befestigung auf dem Burgberg bei Burkheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und aus Urach (Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg, aus Karlstein bei Bad Reichenhall (Kreis Berchtesgadener Land) und von der Roseninsel im Starnberger See in Bayern sowie aus Buchenbrücken (Kreis Friedberg) in Hessen.
Bronzene Teile von Pferdegeschirr liegen vor aus Mengen (Kreis Sigmaringen), Königsbronn (Kreis Heidenheim) in Baden-Württemberg, Steinkirchen (Kreis Deggendorf), Zuchering-Ost (Stadt Ingolstadt), Münchsmünster (Kreis Pfaffenhofen), Gernlinden (Kreis Fürstenfeldbruck), Hart an der Alz (Kreis Altötting), Poing (Kreis Ebersberg), Niedernberg (Kreis Miltenberg) in Bayern, Wallerfangen (Kreis Saarlouis) im Saarland, aus dem Rhein bei Mainz, Horath (Bernkastel-Wittlich) in Rheinland-Pfalz sowie Frankfurt/Main und Hochheim am Main (Main-Taunus-Kreis) in Hessen.
In Mengen konnten zwei Wagengräber freigelegt werden. Im einen lagen ein Gebißstück und vier Trensenknebel, während im anderen das Seitenteil einer Trense zum Vorschein kam. Das Wagengrab von Königsbronn enthielt neben zwei Trensenknebeln vom Zaumzeug auch eine Tülle sowie Zierscheiben, Sterne und Vögelchen.
Die Trensen aus dem Urnengrab von Steinkirchen werden als sogenannte thrako-kimmerische Pferdegeschirrteile gedeutet. Sie gelten als Hinweise für kriegerische Vorstöße der Thraker und Kimmerier.
Das Bronzedepot von Münchsmünster mit Pferdegeschirr, Wagenteilen und einer Lanzenspitze ist im Januar 1995 auf der Trasse der Rohölleitung »Mero« von Böhmen nach Vohburg bei Ingolstadt entdeckt worden. Es dürfte nach Ansicht der Ingolstädter Archäologin Cornelia Schütz-Tillmann zu einem in der Nähe befindlichen Grab gehört haben.
Die Pferdegeschirrteile aus einem Grabhügel von Gernlinden setzen sich aus einem Zügelring, Stangenknebel mit zwei Ringen, vier Riemenverteilern (Vierstegknöpfen), Fragmenten einer Eisentrense (zwei Zügelringen, zwei Stücken der Gebißteile) und einer Eisentrense mit zwei Zügelringen, deren Gebißteile in sich gedreht (tordiert) sind, zusammen.
Der Depotfund auf dem Hanselberg bei Wallerfangen71 umfaßte vier gleichartige Stangenknebel und zwei Gebißstangen für ein doppeltes Pferdegespann. Die Knebel sind 11,3 bis 11,6 Zentimeter, die Gebißstangen 11,9 Zentimeter lang. Zu diesem Depot gehörten außerdem ein großes Klapperblech, das als Zierat für ein Pferd diente, sowie ein nach einem schweizerischen Fundort benanntes Mörigen-Schwert. Alle Objekte werden im Nationalmuseum von Saint-Germain-en-Laye bei Paris aufbewahrt.
Das Depot von Horath bestand aus 22 Ringen und zwei durchbrochenen Zierstücken eines Pferdegeschirrs. Als Schmuck von Pferden dienten auch Bronzezierscheiben (Phaleren). Drei derartige Exemplare fand man im Rhein bei Mainz, je eines in Hanau (Main-Kinzig-Kreis) und Münzenberg (Wetteraukreis) in Hessen.
Unklar ist die Funktion eines 7,5 Zentimeter langen, hohlen und signalhornähnlichen Gegenstandes aus Frankfurt/Main-Heddernheim. Das bronzene Fundstück ist auf einer Seite mit einer ovalen Öffnung und auf der gegenüberliegenden Seite mit einer Rückenschlaufe versehen. Der rätselhafte Objekt wird als Bestandteil eines Pferdegeschirrs oder der Schwertgürtung gedeutet. Ähnliche Funde konnten häufig in Südengland und in der Bretagne, seltener in West- und Mittelfrankreich, geborgen werden.
In der Urnenfelder-Zeit gab es – wie in der Jungsteinzeit – vierrädrige Wagen mit schweren hölzernen Scheibenrädern. Diese langsamen Gefährte wurden von Bauern zum Transport von schweren Lasten benutzt. Dagegen waren vierrädrige Wagen mit leichten vierspeichigen Rädern eher Prunkfahrzeuge der damaligen Oberschicht, mit denen man sich schneller fortbewegen konnte.
Teile von Prunkfahrzeugen sind manchmal bedeutenden Toten ins Grab gelegt worden. Diese Sitte spiegelt sich in den Wagengräbern von Mengen (Kreis Sigmaringen) in Baden-Württemberg, Bruck (Kreis Neuburg-Schrobenhausen), Hart an der Alz (Kreis Altötting), Poing (Kreis Ebersberg), Hader (Kreis Passau), Langengeisling (Kreis Erding) in Bayern sowie im Lorscher Wald (Kreis Bergstraße) wider.
Im Wagengrab 1 von Mengen lagen vier Nabenringe, stark zerdrückte Bronzebleche mit Wulstpaaren, ein vierkantiger Bronzestab mit Nagelkopf und einem Unterlegescheibchen sowie eine gegossene Hülle. Diese Teile dürften zu einem Wagen gehört haben, vor den vermutlich zwei Pferden gespannt waren. Darauf deuten vier Seitenteile von Trensen mit Leitteilschlitz und quergestellter Trensenöse hin, außerdem eine isolierte Trensenstange mit zwei Ösenenden, zwei Ringe vom Zügel mit angegossenen, quergestellten Röhrenösen und zwei große Phaleren.
Im Wagengrab 2 von Mengen fanden sich ebenfalls bronzene Reste eines Wagens ohne Räder. Vielleicht hatte man in diesem Fall nur den Wagenkasten ohne Deichsel ins Grab gestellt. Geborgen wurden komplizierte Bronzestäbe mit exzentrischen ovalen Muffen und vierkantigen Verbindungszapfen, Bronzenägel und Bruchstücke von gebogenen Bronzeblechen.
Das Wagengrab von Hart an der Alz enthielt gegossene bronzene Achsklappen, die auf den nach außen hervorstehenden Enden der Achsen angebracht waren, mehrere Achsnägel und ein größeres röhrenförmiges Gußstück, das als Rest eines Zugarmes gilt und wohl zur schwenkbaren Vorderachse gehörte. Sieben kleine bronzene Vogelfiguren schmückten vermutlich die Außenseite des oberen Kastengeländers.
Aus dem Wagengrab von Poing hat man vier bronzene Achskappen mit den dazugehörigen Achsnägeln geborgen. Zwei der Achskappen sind etwas größer als die beiden anderen. Von den Achsnägeln haben die zwei größeren einen runden Stab mit einem halbmondförmigen Kopf und die beiden kleineren jeweils einen vierkanten Querschnitt mit zwei Vogelköpfen am Ende, die in entgegengesetzte Richtungen blicken. Einzigartig sind vier kastenförmige, einseitig gezähnte Bronzeaufsätze, die der Münchener Prähistoriker Stefan Winghart als Endverstärkung der Seitenbretter des Wagenkastens interpretierte.
Als weitere Wagenteile gelten lanzettförmige Anhänger mit gezacktem Rand, Aufstecker in Vogelform und U-förmige Häkchen, die zur Aufhängung von Klapperschmuck dienten. Außerdem konnte im Wagengrab das komplette Geschirr für zwei Pferde geborgen werden. Nach den kleinen Gebißstangen zu schließen, handelte es sich um ponygroße Tiere mit einer Schulterhöhe von etwa 1,40 Metern. Bei acht kappenförmigen Aufsätzen ist unklar, ob es sich um Sprossenaufsätze am Wagenkasten oder um Teile eines Klappschemels handelt.
Im Wagengrab von Hader wurden bronzene Teile eines Gefährtes ohne Räder freigelegt. Dazu zählen Bronzestäbe mit einzelnen Querstangen, zwei verschiedene Arten von Tüllenhörnern, Nagelreste, bronzene Aufsteckvögel und zum Pferdegeschirr gehörende Knöpfe mit zwei Ösen.
In Langengeisling barg man eine Röhrentülle vom Wagenende. Bei dem Wagenrest aus Groß-Rohrheim handelt es sich um einen massiven Bronzezylinder, der in halber Höhe viereckig gelocht ist und einer Achskappe ähnelt. Im Lorscher Wald kam die bronzene Hörnertülle eines Wagens zum Vorschein. Eines der Depots vom erwähnten Bullenheimer Berg in Bayern enthielt auch bronzene Achskappen von einem Wagen.
Die Bewohner der bereits mehrfach genannten »Wasserburg« von Bad Buchau verfügten außer über Einbäume auch über Wagen mit hölzernen Scheibenrädern. Das beweist der Fund eines Scheibenrades mit einem Durchmesser von 78 Zentimetern. Es ist aus drei Eichenplanken zusammengefügt, die durch Nute und Leisten miteinander verbunden sind. Halbmondförmige Durchbrüche machten das Rad leichter und sorgten dafür, daß es gleichmäßiger rollte und weniger schlingerte als nicht durchbrochene Räder, deren Schwerpunkte ungleich verteilt sind.
Aus der Zeit um 870 v. Chr. stammen die zerschlagenen und danach in etwa einem Meter Tiefe vergrabenen Trümmer von zwei fünfspeichigen Bronzerädern aus Haßloch (Kreis Bad Dürkheim) in Rheinland-Pfalz. Zusammengesetzt ergaben die Fragmente zwei Räder mit einem Durchmesser von 50 beziehungsweise 48,5 Zentimetern. In den Felgen saßen einst Holzreifen, die einige Zentimeter über die bronzenen Felgenkanten hinausragten. Die Räder gehörten vermutlich zu einem Wagen, der für religiöse Zeremonien – wie Prozessionen oder die Leichenfahrt bedeutender Personen – verwendet wurde.
Der Guß der Haßlocher Räder mit langer Nabe und hohlen Speichen war nach Ansicht des erwähnten Mainzer Prähistorikers Hans-Jürgen Hundt dem Guß einer antiken Bronzestatue ebenbürtig und stellte für die ganze vorchristliche Metallzeit Mitteleuropas eine technische Gipfelleistung dar. Vergleichbare Räder sind aus Ostfrankreich (La Côte-Saint-André) und der Westschweiz (Cortaillod) bekannt. Sie gleichen sich in formaler und technischer Hinsicht derart, daß sie aus einer einzigen Werkstatt im Rhônetal und aus einer Produktionszeit von nicht mehr als einem halben Jahrhundert stammen könnten.
Auf Reste von weiteren Bronzerädern stieß man in den Depots von Weinheim-Nächstenbach (Kreis Bergstraße) in Baden-Württemberg und in Saarlouis-Roden (Kreis Saarlouis) im Saarland. Zum Depot von Weinheim-Nächstenbach gehörte neben Werkzeugen, Waffen und Schmuck das Bruchstück einer Nabe von einem Wagen des Stader Typs. Ebenfalls ein Nabenbruchstück von einem Bronzerad kam in Saarlouis-Roden zum Vorschein.
In der Urnenfelder-Zeit verdichtete sich das Handelsnetz in zunehmendem Maße. Dies war vermutlich die Folge des Bevölkerungswachstums, der verstärkten Herstellung von Tauschobjekten und der verbesserten Transportbedingungen. Während dieser Zeit verlor die Handelsroute von Böhmen über das Donautal und den Oberrhein zum Rhônetal an Bedeutung. An ihrer Stelle erlangte die Verbindung vom Rhein-Main-Dreieck über das Donautal in Richtung Balkan größere Wichtigkeit.
Importiert wurden Roherz, bestimmte Werkzeuge, Schwerter, Bronze- und Goldgefäße, Wagen mit Speichenrädern und Schmuckschnecken. Wie weit teilweise die Kontakte reichten, veranschaulichen Gehäuse von Nadelschnecken (Cericium vulgatum) aus dem Mittelmeergebiet, die in Zuchering-Ost (Stadt Ingolstadt) in Bayern entdeckt wurden.
An einer Handelroute aus jener Zeit lagen die drei Siedlungen der Rachelburg (Kreis Rosenheim) in Bayern. Eine davon befand sich auf einem Geländebuckel im Tal, die zweite in halber Höhe des Bergmassivs und die dritte auf dem Gipfel. Die Bewohner dieser Siedlungen kontrollierten den Transportweg entlang des Inns zu den Nordtiroler Kupferlagerstätten. In der Talsiedlung wurde ein Roherzfund im Gesamtgewicht von einem Zentner ausgegraben. Das Erz weist den typischen hohen Antimongehalt der Nordtiroler Fahlerze in Schwaz auf.
Dank zahlreicher Fundstücke aus Gräbern und Depots liegen über den Schmuck der Urnenfelder-Leute ausreichende Kenntnisse vor. Demnach gab es Stirn-, Ohr-, Hals-, Brust-, Arm-, Finger- und Beinschmuck. Die Schmuckstücke wurden aus Tierzähnen, Knochen, Bernstein, Glas, Bronze und Gold angefertigt.
Wie reich manche der damaligen Frauen geschmückt waren, zeigten Bestattungen aus dem Gräberfeld von Grundfeld (Kreis Lichtenfels) in Bayern. Dort sind Tote verbrannt und unverbrannt beigesetzt worden. Im Grab 2 von Grundfeld lag ein stirnbandartiges »Diadem«, das aus elf Feldern von jeweils 13 übereinanderliegenden bronzenen Spiralröllchen besteht und auf ein Band aufgenäht war. Von der untersten Reihe der Röllchen hingen sieben gegossene Bronzeringe mit einem Durchmesser von 1,8 bis 2,2 Zentimetern auf die Stirn herab. Weitere Schmuckstücke sind ein tropfenförmig gebogener Ohrring aus dünnem gedrehten Golddraht, ein Fingerring aus dünnem Golddraht und eine über der Brust angebrachte Bronzenadel.
Grab 23 von Grundfeld enthielt ein wellenförmig gebogenes Bronzeblechband, das sich unmittelbar am Schädel fand, Bronzespiralröllchen, Bernsteinperlen und sieben Bronzeringe von etwa zwei Zentimeter Durchmesser. Am Hinterkopf in Höhe des unteren Endes des Bleches wurden fünf Bernsteinperlen gefunden. Um den Hals hing ein rundstabiger Halsring, und innerhalb desselben konnten blaue Glasperlen, bronzene Spiralröllchen und Hohlbuckel-Knöpfe gefunden werden. Schräg auf der rechten Brust lag eine 21 Zentimeter lange Bronzenadel. An den Händen steckte je ein bronzener Spiralfingerring.
Auch im Grab 13 von Grundfeld, in Grab 10 von Memmelsdorf und in Schönbrunn (letztere zwei Fundorte im Kreis Bamberg) wurde jeweils ein Kopfschmuck aus Bronzeblech entdeckt.
Grab 2 des bereits erwähnten Friedhofes von Behringersdorf barg Hunderte von Bronzespiralen. Sie bildeten vielleicht zusammen mit nicht erhaltenen Bernsteinperlen ein oder mehrere prächtige Hals- oder Brustgehänge. Aneinandergereiht ergaben die Röllchen eine Länge von mehr als zwölf Metern. Sie sind aus ein bis 1,7 Millimeter starkem, geschmiedeten Draht angefertigt, der vor Verarbeitung und Aufrollung 117 Meter lang war.
Das Depot vom Hesselberg in Bayern umfaßte neben einigen bronzenen Werkzeugen größtenteils aus verschiedenen Materialien angefertigte Schmuckstücke. Dazu gehörten ein herzförmiger Anhänger, drei geschlossene Ringe, drei Spiralfingerringe, 36 Zierbuckel mit je zwei Nietlöchern, 36 Blechbuckel, elf Drahtröllchen und sechs Bruchstücke von solchen, 14 Bernsteinperlen, drei kleine Bernstein-Bruchstücke, eine röhrenförmige Knochenperle und der durchbohrte Reißzahn eines Tieres.
Je ein durchbohrter Eberzahn wurde in Offenau (Kreis Heilbronn) in Baden-Württemberg sowie in Unterhaching (Kreis München) und Straubing (Ziegelei Mayr) in Bayern geborgen. Sie dürften als Anhänger gedient haben. Im Doppelgrab von Frankfurt/Main-Berkersheim gehörte die untere Hälfte des Schneidezahns eines Bibers (Castor fiber) mit Durchbohrung in der Mitte zum Brustschmuck einer Frau. Rechts und links davon befanden sich zwei dichte Wickelungen aus schmal-bandförmigem Bronzedraht. An einem Haifischzahn aus Mannheim-Seckenheim wird ersichtlich, daß manche Urnenfelder-Leute auch Fossilien sammelten.
Bei den bronzenen Anhängern kennt man kennt verkehrt-herzförmige Formen (Hüfingen, Kreis Donaueschingen), ringförmige Exemplare (Höfen bei Haag, Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) und schwalbenschwanzförmige Stücke (Straubing) und Brillenspiralen (Dietldorf, Kreis Schwandorf).
Als Verschluß und Schmuck der Kleidung dienten bronzene Nadeln mit unterschiedlich gestaltetem Kopf. Je nach Gegend waren andere Nadelformen in Mode. Es gab Turbankopf- und Kugelkopfnadeln mit geschwollenem, geripptem Hals sowie Mohnkopfnadeln.
Außer den bereits erwähnten Schmuckschnecken vom Mittelmeer wurden im Gräberfeld von Zuchering-Ost (Stadt Ingolstadt) auch blaue und blauweiße Glasperlen, Bernsteinanhänger, ein Keramikamulett in Form einer Tatze, Goldblechfragmente und angeschmolzene Goldringe ausgegraben. Die Goldblechfragmente waren Überzüge verzierter Bronzeblechbeschläge, die von Kästchen oder Gürtelblechen stammen.
Zum Depot von Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) in Hessen gehört eine ganze Sammlung verschiedenartiger Glasperlen. Eine grünblaue Glasperle und fünf hellblaue Glasperlen liegen aus Aub (Kreis Kitzingen) in Bayern vor.
In Südwestdeutschland und im Elsaß trugen Frauen an ihren Armen oder Beinen gerne bronzene Arm- oder Beinbergen – und zwar so, daß die Spiralscheiben seitlich saßen und nach außen gerichtet waren. Dieser Schmuck sieht so aus wie ein an einer Seite offenes breites Armband, an dessen Ober- und Unterseite eine aus Draht angefertigte Spirale die Fortsetzung bildet.
Aus Gold angefertigte Schmuckstücke waren als Grabbeigaben gar nicht selten. Sie wurden in Form goldener »Diademe«, Blechröllchen, Drahtröllchen, Drahtspiralen, Schleifenringe und Zierscheiben geborgen.
In einem Grab von Holsthum (Kreis Bitburg-Prüm) in Rheinland-Pfalz wurde ein fragmentarisch erhaltenes Band aus Goldblech entdeckt. Es ist mit Längsrippen und quer gerippten Randstreifen verziert. Bei dem Fund handelt es sich wohl um ein »Diadem«, das auf eine Unterlage aus Stoff oder Leder aufgenäht war und mittels seiner gefalzten Ränder befestigt werden konnte.
Goldene Blechröllchen kamen in Gräbern von Mainkofen (Kreis Deggendorf) und Unterhaching (Kreis München) in Bayern, Nieder-Olm (Kreis Mainz-Bingen) und Wintersdorf (Kreis Trier) in Rheinland-Pfalz sowie Frankfurt/Main-Heddernheim in Hessen zum Vorschein. Ein weiteres Goldblechröllchen fand sich in der Siedlung von Burkheim am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) in Baden-Württemberg.
In Unterhaching in Bayern wurde ein goldenes Drahtröllchen freigelegt. Ein Grab von Ilvesheim (Kreis Mannheim) in Baden-Württemberg enthielt eine goldene Drahtspirale. Ein goldener Schleifenring lag in einem Grab von Speyerdorf (Kreis Speyer) in Rheinland-Pfalz.
Goldene Zierscheiben befanden sich in Gräbern von Aislingen (Kreis Dillingen) in Baden-Württemberg und Petterweil (Kreis Friedberg) in Hessen. Möglicherweise stammen auch eine goldene Zierscheibe von Goldbach (Kreis Aschaffenburg) in Bayern und zwei ebensolche Exemplare von Worms in Rheinland-Pfalz aus einem Grab. Winzige Goldreste hafteten ebenfalls an runden Scheiben aus Kupferblech aus einem Grab von Schifferstadt (Kreis Ludwigshafen) in Rheinland-Pfalz.
Daß die Urnenfelder-Leute auch dem Spiel frönten, verraten vielleicht bestimmte Tierknochen (Astragali), die als Würfel gedeutet werden. Solche Astragali lagen in Gräbern von Grünwald und Unterhaching.
Von Urnenfelder-Leuten wurden häufig Wasservögel und Stiere dargestellt. Vor allem die Wasservögel gelten als typische Heilssymbole der Urnenfelder-Kultur. Hölzerne Götterfiguren wie jene aus der »Wasserburg« von Bad Buchau sind Seltenheiten.
Tongefäße in Vogel- oder Stiergestalt sind oft auf dem Rücken mit einer Öffnung versehen oder ihnen ist ein zweites Gefäß aufgesetzt worden, durch das sich eine Flüssigkeit schütten läßt. Tönerne Vögel kennt man aus Seckenheim bei Mannheim in Baden-Württemberg, Örlenbach (Kreis Kissingen) in Bayern, Siefersheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz und Laufdorf (Kreis Wetzlar) in Hessen.
In Grabhügeln von Örlenbach wurden eine 4,1 Zentimeter hohe Vogelfigur und Bruchstücke von zwei weiteren Vogelnachbildungen entdeckt, bei denen es sich vermutlich um Enten handelt. Aus einer Grube von Seckenheim liegt eine 8,1 Zentimeter lange tönere Gans mit abgebrochenem Kopf vor. In einem Haus von Siefersheim fand sich ein sitzender Vogel mit zwei Füßen, dessen Gestalt ebenfalls auf eine Gans schließen läßt. Aus einem Grabhügel von Laufdorf kam ein tönerner Wasservogel, wohl auch eine Gans, zum Vorschein.
Von der erwähnten Seeufersiedlung Hagnau-Burg am Bodensee ist ein bronzenes 5,6 Zentimeter langes Mischwesen bekannt. Das kleine Kunstwerk hat einen Entenkopf, Stierhörner und einen Schwalbenschwanz.
Selten waren tönerne Menschenfiguren, wie sie in der Siedlung auf dem Martinsberg in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) geborgen wurden. Sie sind sehr roh geformt und haben eine Länge von 7,5 und zwölf Zentimetern. Sie wurden nicht als Kinderspielzeuge, sondern als Kultobjekte interpretiert.
Die älteste verzierte Holzflöte Europas konnte in der Seeufersiedlung Hagnau-Burg am Bodensee geborgen werden. Das Instrument wurde aus einem in drei Stücken vorliegenden Holunderrohr von noch 15,3 Zentimeter Länge angefertigt. Man hat das Rohr von Mark und Rinde befreit sowie sein breiteres Ende gerade und das andere zweifach schräg abgeschnitten. 3,6 Zentimeter vom Geradschnitt entfernt wurde ein Loch mit einem Durchmesser von
1,2 Zentimetern angebracht. Die Oberfläche der Flötenaußenseite ist teilweise mit einem eingeritzten Zickzack-, Fischgrät- und Leiterband sowie einem Band strichgefüllter Dreiecke verziert worden.
Als Musikinstrumente jener Zeit gelten auch tönerne Klappern oder Rasseln, die teilweise in Tiergestalt angefertigt wurden. Manche Autoren betrachten die mit kleinen Steinen gefüllten Klappern nur als Kinderspielzeuge, andere dagegen als Musikinstrumente, mit denen sich bei Gesang und Tanz oder bei kultischen Handlungen der Rhythmus angeben ließ. Zwei Klappern in Gestalt von Wasservögeln befanden sich in einer Siedlungsgrube von Siefersheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz.
Die Toten wurden auf Scheiterhaufen verbrannt und ihre Knochenreste und die Asche anschließend in Grabgruben, in Behältnissen aus Stoff oder Holz oder in tönernen Urnen auf Urnenfeldern beigesetzt. Einen Kontrast zu den schlichten Brandgräbern der bäuerlichen Bevölkerung bilden die aus Steinen errichteten Grabkammern der vornehmeren Gesellschaft. Die Bestattungssitten sind in den einzelnen Regionen jedoch durchaus unterschiedlich.
Arme und reiche Verstorbene wurden häufig mit Speisen und Getränken für das Jensseits ausgestattet. Bedeutenden Männern legte man außer Speisen in Tonbehältnissen auch bronzene Trinkgefäße, Schutz- und Angriffswaffen sowie Teile von Wagen ins Grab. Vornehmen Frauen gab man ihren reichen Schmuck.
Die Prähistoriker sind uneins über die Motive der Leichenverbrennung, die vermutlich eine geistige Wende signalisiert. Manche Experten meinen, die Einäscherung spiegele die Furcht vor Wiedergängern wider. Man habe auf diese Weise verhindern wollen, daß die Toten aus dem Jenseits zurückkehrten. Andere Fachleute glauben, die Körper von Verstorbenen seien dem Feuer überlassen worden, weil man durch deren Zerstörung die Seelen befreien wollte.
Bei den Bestattungssitten und den Grabformen gab es viele Varianten. Teilweise kamen sogar auf ein und demselben Friedhof verschiedene Beisetzungsarten und Gräber vor. Bekannt sind Brandschüttungs-, Urnen-, Glocken- und Pseudo-Glockengräber, Gräber mit Steinschutz und vielleicht sogar Totenhütten.
Bei Brandschüttungsgräbern wurden die aus dem Scheiterhaufen aufgelesenen Knochenreste und die Asche der Toten ohne jeden Schutz auf den Boden des Grabes gestreut. Danach hat man den Leichenbrand mit Erde oder Steinen bedeckt.
Dagegen wurden bei Urnengräbern die Knochenreste in größere Tongefäße (Urnen) geschüttet. Hinzu gab man die überwiegend mitverbrannten Beigaben. Die Urne hat man meistens mit einer Schale abgedeckt. In oder neben die Urne wurde häufig ein vier- bis sechsteiliges Keramikservice gestellt: beispielsweise Schälchen, Tassen und Teller.
Von Glockengräbern spricht man, wenn die Urne mit einem größeren Vorratsgefäß (Dolium) überstülpt wurde. Hat man dagegen die Urne in ein Gefäß gestellt oder mit der Mündung nach unten gelegt, handelt es sich um ein Pseudo-Glockengrab.
Steinschutz kam in Form von Steinpackungen, Steinunterlagen und Wandsteinen vor. Es gab Hügel- und Flachgräber mit Wandsteinen, Nachbestattungen in Hügeln aus früherer Zeit mit Wandsteinen und regelrechte Steinkistengräber mit Wandsteinen.
Auffällig ist, daß die in der Urnenfelder-Zeit seltene Körperbestattung öfter bei Kindern praktiziert wurde. Diese Bestattungsart kennt man unter anderem aus Altdorf (Kreis Landshut) in Bayern, aus Kalt (Kreis Neuwied) und Undenheim (Kreis Mainz-Bingen) in Rheinland-Pfalz sowie aus Mainz-Kostheim (Stadt Wiesbaden) in Hessen.
In Undenheim grub der Mainzer Prähistoriker Detert Zylmann drei Bestattungen von Kindern aus, von denen eines verbrannt und unauffällig beerdigt, die zwei anderen jedoch unverbrannt und mit großem Aufwand zur letzten Ruhe gebettet wurden. Die Grabkammern über den Leichen der unverbrannten Kinder sind aus Kalksteinen errichtet und – wie jeweils vier Pfostenlöcher zeigen – mit einer Holzkonstruktion überbaut worden, bei der es sich um eine Totenhütte gehandelt haben könnte. Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte der Marburger Prähistoriker Claus Dobiat bei seinen Untersuchungen von Hügelgräbern bei Marburg in Hessen.
Einem der unverbrannten Kinder von Undenheim hatte man 15 Tongefäße, einen 21,8 Zentimeter langen Bronzehaken unbekannter Funktion und reichlich Schmuck (eine bronzene Fibel, drei Bronzeringe, bronzene Blechröllchen, zwei Fingerringe, Bernsteinperlen) in die mannslange Grabgrube gelegt. Zu den Beigaben des anderen unverbrannten Kindes gehören zwei Tongefäße, ein bronzener Armring, ein bronzenes Griffdornmesser, eine Rollenkopfnadel sowie kleine Bruchstücke von bronzenen Blechhülsen oder
-perlen. Nach Auffassung von Detert Zylmann entstammten die beiden aufwendig bestatteten Kinder sicherlich Familien von hohem sozialen Stand.
Selten waren Bestattungen von unverbrannten Kindern in großen Tongefäßen. Eine derartige Pithos-Beisetzung ist aus Bensheim-Auerbach (Kreis Bergstraße) in Hessen bekannt. Dort hatte man einen etwa acht Jahre alten Fötus in einem Tongefäß beerdigt.
Eines der größten Gräberfelder der Urnenfelder-Kultur dürfte auf der Insel im Mündungsbereich der Altmühl bei Kelheim in Bayern gelegen haben. Dort wurden im Laufe von Jahrzehnten nahezu 300 Gräber entdeckt und viele andere zerstört. Nach Ansicht von Prähistorikern könnten auf einer Fläche von ungefähr 30 000 Quadratmetern über 1000 Tote bestattet worden sein.
Weitere umfangreiche Gräberfelder aus dem südlichen Bayern kennt man in Zuchering-Ost bei Ingolstadt (mehr als 550 Gräber, ursprünglich wohl eine Anzahl von 800 bis 1000), Künzing im Kreis Deggendorf (140 entdeckte Gräber, einst wohl 300 bis 400), Gernlinden im Kreis Fürstenfeldbruck (184 Gräber geborgen, weitere zerstört oder nicht geborgen), Natternberg im Kreis Deggendorf (mehr als 180 Gräber), Barbing im Kreis Regensburg (mindestens 200 Gräber) und Sengkofen im Kreis Regensburg (128 Gräber).
Trotz dichter Belegung haben sich in Zuchering-Ost die Gräber nur selten überschnitten. Offenbar waren sie durch Pflanzen, Holzpfähle oder andere Kennzeichen markiert. Die Urnen mit dem Leichenbrand standen in kleinen rundlichen Gruben. Zum Teil hat man die aus dem Scheiterhaufen ausgelesenen Knochenreste gewaschen in der Urne aufbewahrt.
Etwa ein Viertel der Urnengräber in Zuchering-Ost war mit Kreisgräben von bis zu 15 Metern Durchmesser umgeben. Vermutlich haben in diesen Kreisgräben Palisaden gestanden. Daneben gab es auch quadratische und rechteckige Einfassungen. Verkohltes Holz in langrechteckigen Grabgruben, die ebenfalls inmitten von Kreis- und Rechteckgräben angelegt worden waren, stammt von Scheiterhaufen.
In Künzing lagen die Gräber zu beiden Seiten eines Weges, der zu einer Siedlung führte. Mit einer Ausnahme handelte es sich um Brandgräber. Alle Gräber waren von mehr oder weniger exakten kreisförmigen Gräben umgeben. Außerdem gab es Kreisgräben ohne Bestattungen und eine große Rechteckanlage von 24 Meter Länge und zehn Meter Breite.
Entlang der 18 Kilometer langen Lahnberge östlich von Marburg in Hessen wurden mindestens 200 urgeschichtliche Grabhügel freigelegt, die Gruppen von meistens nicht mehr als einem Dutzend Hügel bilden. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Beisetzungen aus der Urnenfelder-Zeit. Diese Grabhügel gelten als Bestattungsplätze von Bauernfamilien, die aus Gehöften am Ostrand des Bergzuges stammten.
Merklich größer ist der 33 Grabhügel zählende Friedhof am Rand des Neuen Botanischen Gartens von Marburg. Dort kam der Marburger Prähistoriker Claus Dobiat bei Grabungen zu interessanten Erkenntnissen über die Bestattungssitten der Urnenfelder-Zeit. Die tönerne Urne mit dem Leichenbrand des Toten befand sich jeweils in einem Grabhügel, um den meistens ein Steinkreis errichtet worden war. In und neben der überwiegend in den Boden eingetieften Urne standen häufig Beigefäße.
Oft stieß Dobiat auf rechteckige Steineinfassungen mit je einem größeren Stein in der Mitte der beiden Schmalseiten. Diese Anlagen sind nach Ansicht des Marburger Prähistorikers vielleicht symbolische Reste von sogenannten »Totenhäusern«, unter denen man Bestattungen vornahm. Die größte dieser Rechteckanlagen, ein als »Tanzplatz« bezeichneter Hügel, ist 27 Meter lang und 20 Meter breit, und hat also eine Fläche von etwa 540 Quadratmetern. In solchen Rechteckanlagen sind die Urnenbestattungen gegenüber der Mitte jeweils versetzt vorgenommen worden.
Aus Steinplatten errichtete Steinkistengräber kennt man aus Nordwürttemberg, aus Nordbayern, der Pfalz und aus Südhessen. In Nordwürttemberg lagen sie am Unterlauf von Jagst und Kocher sowie im mittleren Neckargebiet zwischen Heilbronn und Enzmündung, in Nordbayern im Raum Forchheim. Zu den Steinkistengräbern der Pfalz gehören die »Fürstengräber« von Landau-Wollmesheim98 mit je einem Körper- und Brandgrab sowie einer goldenen Halskette.
Ein besonders imposantes Steinkistengrab kam in Eggolsheim (Kreis Forchheim) in Nordbayern zum Vorschein. Die 1,30 Meter in den Boden eingetiefte Grabkammer war aus Steinplatten konstruiert, drei Meter lang und einen Meter breit. Darüber war mit Erdreich ein Hügel von 32 Meter Durchmesser und vier Meter Höhe aufgeschüttet und mit einem Steinkranz eingefaßt worden. Für eine Anlage solcher Größenordnung dürften 100 Arbeitskräfte zehn Tage lang vonnöten gewesen sein.
Im Eggolsheimer Steinkistengrab hatte man einen 35 bis 40 Jahre alten Mann unverbrannt bestattet. Zu seinen Grabbeigaben gehörten vier Tongefäße, ein in drei Teile zerbrochenes, verziertes bronzenes Dreiwulstschwert, ein Rasiermesser, eine verzierte Messerklinge und drei Bronzeringchen. Die Legierung der drei wohl zum Schwertgehänge gehörenden Nieten entspricht den Bronzespuren in einem Gußtiegel auf der neun Kilometer entfernten Ehrenbürg.
In Hessen gab es Steinkistengräber vor allem im Hanauer Land, um Bad Nauheim (Wetteraukreis), Frankfurt/Main, Dreieich (Kreis Offenbach) und im Rheingau. Sie sind zwei bis vier Meter lang und einen bis zwei Meter breit. Das Steinkistengrab von Bruchköbel bei Hanau (Main-Kinzig-Kreis) etwa ist 2,60 Meter lang und 1,35 Meter breit. Die Decke und die Wände solcher Gräber wurden aus Holzbohlen gebildet. Es handelte sich fast immer um Flachgräber. Eine mit Holz ausgekleidete Grabkammer konnte in Dietzenbach (Kreis Offenbach) freigelegt werden.
Auf das Gebiet zwischen Forchheim und Erlangen beiderseits der Regnitz in Nordbayern beschränkt waren kreisrunde Grabanlagen mit verzierten Steinplatten. Solche Zeichensteingräber sind von Erlangen-Stadtwald, Gosberg und Honings (letztere zwei im Kreis Forchheim) sowie im Mark-Forst bei Baiersdorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) bekannt.
Bei diesen Zeichensteingräbern mit einem Durchmesser von einem bis zu vier Metern umrundeten eng aneinandergerückte und auf der Schmalseite stehende Steinplatten den Leichenbrand. Die Verzierungen auf der Außenseite der Steinplatten sind so angebracht, daß sie sichtbar waren. Sowohl der Leichenbrand als auch die Beigaben wurden mit Erde bedeckt.
Die Verzierungen wurden in die Platten der Zeichensteingräber graviert. Sie bestehen aus zwei, drei oder vier parallelen Linien, einem Leiter- oder Gittermotiv, Zickzack-, Fischgräten- und Kreuzmuster sowie kombinierten Mustern.
Von den elf Gräbern aus der Urnenfelder-Zeit in Gosberg waren acht mit einem Steinkranz und davon wiederum drei auf der Außenseite mit einem Rillenmuster versehen. Im Mark Forst bei Baiersdorf umschlossen mehr als 60 Sandsteinblöcke, von denen jeder mit einem anderen geometrischen Zeichen bedeckt ist, den Fuß des Grabhügels.
Andere Gräber zeichneten sich durch reiche Beigaben für den Toten aus. In den bereits erwähnten Wagengräbern von Hart an der Alz und Poing in Bayern beispielsweise wurde der Leichnam auf einem mit bronzenen Zierat beschlagenen vierrädrigen Gefährt aufgebahrt und zusammen mit diesem verbrannt.
Ungewöhnlich viele Tongefäße enthielt ein mit einem Kranz von Pfosten umstelltes Grab in Singen am Hohentwie (Kreis Konstanz) in Baden-Württemberg. Auf einer Fläche von etwa 19 Quadratmetern hatte man um die Urne mit dem Leichenbrand mindestens 63 Tongefäße angeordnet, die serviceartig ineinandergestellt waren.
Nur selten dienten bronzene Schwerter, Dolche und Lanzenspitzen als Beigaben für verstorbene Männer. Manchmal legte man Männern auch bronzene Rasiermesser ins Grab. Bronzene Beile und Meißel wurden nicht in Gräbern gefunden.
Sonnensymbole – wie konzentrische Kreise oder mehrspeichige Sonnenräder – auf bestimmten Kultobjekten deuten möglicherweise darauf hin, daß die Urnenfelder-Leute der Sonne als göttliches Wesen huldigten, wie es damals auch in anderen Kulturen üblich war. Vielleicht war der Sonnenkult die Ursache dafür, daß Pharao Amenophis IV. (Echnaton) um die Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr. in Ägypten die Sonnenverehrung als Gottesdienst an der personifizierten, vergöttlichten Sonnenscheibe (Aton) einführte.
Vom Kult der Urnenfelder-Kultur zeugen neben Sonnensymbolen auch Fluß-, Moor-, Berg-, Brand- und Geschirropfer, Depots, Kultobjekte (»Feuerböcke«, Tonvögel, Kesselwagen, Schallbleche, Goldscheiben, Goldbecher, »goldene Hüte«, Kultfiguren), Schädelbestattungen, Schädelamulette, Höhlenheiligtümer, Tier- sowie Menschenopfer im Freiland und in Höhlen.
Flußopfer sind aus der Donau, dem Inn, dem Neckar, dem dem Rhein, dem Main, der Fulda, der Lahn und der Eder bekannt. Aber auch in Quellen, Bächen und Seen hat man Weihegaben versenkt. Besonders viele Opferfunde wurden jeweils am Zusammenfluß zweier größerer Flüsse entdeckt, wie etwa dem von Inn und Donau bei Passau oder von Main und Rhein bei Mainz.
Aus dem Rhein bei Mainz kamen Hunderte von bronzenen Objekten zum Vorschein, die dort ins Wasser versenkt worden waren. Die Weihegaben reichen von der Fibel über die Nadel, die Loch- und Knopfsichel, den Meißel, Beile, Messer, den Helm, Rundschild, das Griffzungen-, Antennen- und Griffangelschwert, Lanzenspitzen bis zum Armring. Teilweise ähnliche Bronzefunde wurden aus dem Rhein bei Budenheim und bei Bingen geborgen.
Mooropfer sind bei Eschollbrücken und Pfungstadt (beide im Kreis Darmstadt-Dieburg) in Hessen nachgewiesen. Dort hat man vor allem bronzene Nadeln, aber auch Armringe, Anhänger und Geräte ins Moor geworfen.
Bergopfer wurden auf dem Wetterkreuzberg bei Maikammer (Kreis Landau) in Rheinland-Pfalz und auf dem erwähnten Bullenheimer Berg bei Bullenheim in Bayern praktiziert. Auf dem Bullenheimer Berg konnte bereits ein Dutzend Depots zutage gefördert werden. Eines der umfangreichsten besteht aus 65 Bronzeobjekten, darunter 30 Phaleren aus Bronzeblech, die teilweise figürliche Anhänger tragen, 29 Bronze-Schaukelringen und zwei bronzenen Ringgehängen. Besonders eindrucksvoll ist ein Depot von dort mit verzierten goldenen Besatzstücken und Schmuck, die vielleicht das Zeremonialgewand eines Priesters schmückten.
Wegen seiner exponierten Lage auf dem Gipfel und einer mehrere Zentner schweren Abdeckplatte wird auch das Depot auf dem Wetterkreuzberg bei Maikammer als Weihefund gedeutet. Dazu gehörten bronzene Sicheln, Beile und Ringschmuck, die aus etwa einem Meter Tiefe ans Tageslicht geholt wurden.
Auf vielen Bergen lagen damals Brandopferplätze, an denen – wie in der Hügelgräber-Bronzezeit – Haustiere geschlachtet und verbrannt wurden. Brandopferplätze sind auf dem Eisenbühl im Langackertal (Kreis Berchtesgadener Land), von Icking-Irschhausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), auf dem Wasserfeldbühel bei Oberaudorf (Kreis Rosenheim), bei Gauting (Kreis Starnberg), auf dem Rollenberg bei Hoppingen (Kreis Donau-Ries), auf dem Weiherberg bei Christgarten (Kreis Donau-Ries, zwei Opferplätze) und auf dem Stätteberg bei Unterhausen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) bekannt.
Im Langackertal gab es noch um 1870 einen vier Meter hohen Hügel mit 32 Meter Durchmesser, der zum großen Teil aus Opferresten bestand. Der Grundeigentümer baute diesen Hügel ab und verteilte ihn über seine Äcker. 1890/91 grub dort Max von Chlingensperg zu Berg (1869-1938) den noch 1,20 Meter hohen Hügelrest mit einem verbliebenen Durchmesser von 24 Metern aus. Dabei entdeckte er Knochen tausender Opfertiere, Bruchstücke von mehr als 700 Tongefäßen sowie Holzkohle und Asche.
Schauplätze von Opfern waren auch Felsmassive und nur von geübten Bergsteigern erklimmbare Felstürme der Frankenalb in Bayern. Als erster hat 1962 der Regensburger Prähistoriker Armin Stroh anhand der auf dem Maximilianfelsen im Kreis Amberg-Sulzbach entdeckten Funde auf diese neue Gattung von Bodendenkmälern hingewiesen.
Kultische Praktiken sind beispielsweise für das Massiv Schellnecker Wänd bei Essing114 (Kreis Kelheim) in Niederbayern belegt. An dessen Fuß haben sich Keramikreste und Tierknochen angesammelt, die von oben her in ihre Fundlage geraten sind. Die Hamburger Autorin Gisela Graichen schrieb 1988 in ihrem »Kultplatzbuch«, der Abstand der Scherbenanhäufung von der Felswand lasse ein bewußtes Herabwerfen der Keramik vermuten.
Im Gegensatz dazu meinte 1995 der Nürnberger Grabungstechniker Ferdinand Leja, man habe auf den Felsmassiven und -türmen wohl kaum die für die Mächte des Himmels bestimmten Opfergaben in die Tiefe geschmettert, weil man sich auf den Plateaus den Göttern näher fühlte. Es sei aber möglich, daß wie an den Brandopferplätzen Gefäße zerschlagen wurden und davon Teile nach unten fielen. Außerdem könnten Gefäße mit Speiseopfern immer wieder durch heftige Regengüsse oder Stürme von ihrem exponierten Standpunkt hinabbefördert worden sein.
Auf den mehr oder weniger kleinflächigen Gipfeln der Felstürme konnten sich mangels fehlender Humusbedeckung keine Überreste von Brandstellen, Steinsetzungen, Holzkohle, Tierknochen und Keramik in größerem Umfang wie auf den erwähnten Brandopferplätzen erhalten. Bisher zeugen dort nur eingeschwemmte Scherben in Vertiefungen, Spalten oder Klüften von unbekannten Zeremonien.
Als Felsturm-Opferplätze dienten während der Urnenfelder-Zeit der Maifelsen bei Neuessing im Altmühltal (Kreis Kelheim) in Niederbayern, der Maximiliansfelsen, der Rabenfelsen bei Krottensee, der Neutrasfelsen bei Neutras (alle drei im Kreis Amberg-Sulzbach) in der Oberpfalz, der Motzenstein bei Wattendorf, der Rothenstein bei Stübig, der Wüstenstein bei Stadelhofen (alle drei im Kreis Bamberg) sowie der Hohle Stein bei Schwabthal und der Kemmitzenstein bei Kümmersreuth (Kreis Lichtenfels) in Oberfranken.
Auch auf Friedhöfen und in Höhlen sind Tongefäße zertrümmert worden. Als Opferschacht diente beispielsweise die Jungfernhöhle bei Tiefenellern (Kreis Bamberg) in Bayern. In diese hatten jungsteinzeitliche Bauern schon vor mehr als 7000 Jahren Menschenopfer geworfen.
Anderswo sind komplett erhaltene Tongefäße aus kultischen Gründen im Erdboden versenkt worden. Ein solches Gefäßdepot kam in Altdorf (Kreis Landshut) in Bayern zum Vorschein. Dort lagen in einem großen tönernen Vorratsgefäß mit einem Mündungsdurchmesser von 40 Zentimetern sechs Trichterhalsschalen, drei konische Näpfe, ein konischer Henkeltopf, eine Tasse und ein Saugfläschchen. In Altdorf war zunächst eine Grube ausgehoben, dann der Boden mit Asche und anschließend mit gebrannten Lehmfladen ausgelegt worden. Danach hat man den mit Kleingefäßen gefüllten Vorratstopf in die Vertiefung gekippt, wo-bei dieser zerbrach, und mit Erde bedeckt.
In einer 1,80 Meter langen und 1,40 Meter breiten Grube von Hohentrüdingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) in Bayern standen vier Tongefäße mit der Mündung nach unten. Sie schützten kleinere Gefäße mit Trank- oder Speiseopfern. Als bemerkenswertester Fund gilt ein verzierter Tonstempel von 7,3 Zentimetern Durchmesser, der mit einem siebenzackigen Stern versehen ist und Brandspuren aufweist.
Als Opferstellen werden Kreis- und Doppelkreisgräben in Bayern und Rheinland-Pfalz (Neuwieder Becken) gedeutet, wie man sie auch aus anderen Kulturen jener Zeit kennt. Zu ihnen gehörten meistens schachtartig eingetiefte Gruben, die teilweise Brandschutt und Bronzeobjekte enthielten, sowie unterschiedliche zentrale Pfosteneinbauten. Spuren von Bestattungen dagegen fehlen.
Der Kreisgraben bei Eching (Kreis Freising) in Bayern hat einen Durchmesser von 72 Metern. Die Anlage konnte durch eine 1,20 Meter breite Torlücke, der ein Vierpfostengrundriß vorgelagert war, betreten werden. Im Zentrum blieben nur vereinzelte Pfostenspuren erhalten. In Nähe dieses Kreisgrabens lagen eine Siedlung mit 16 Häusern und ein Gräberfeld.
Noch etwas größer ist der Kreisgraben von Kobern (Kreis Mayen-Moblenz) in Rheinland-Pfalz mit einem Durchmesser von 86 Metern, bis zu 4,50 Meter Breite und 1,50 Meter Tiefe. Inmitten der Anlage hatte man eine vier Meter große und sieben Meter tiefe schachtartige Grube eingetieft, in die Keramik, eine bronzene Gußformhälfte, eine Lanzenspitze, Tierknochen mit Brandspuren und Steine geworfen worden waren.
Etwa 250 Meter davon entfernt liegt der Goloring im Koberner Wald (Kreis Mayen-Koblenz). Dabei handelt es sich um einen Doppelkreisgraben mit einen Durchmesser von 190 beziehungsweise 125 Metern. Die Panierungsarbeiten an ihm hatten in der letzten Stufe der Urnenfelder-Kultur begonnen, benutzt wurde die Anlage vor allem in der Eisenzeit. Im Zentrum befand sich eine Pfostenstellung.
Der Wiesbadener Prähistoriker Heinz-Eberhard Mandera (1922-1995) mutmaßte 1974, bei einem Teil der Depotfunde aus der späten Urnenfelder-Zeit könne es sich vielleicht um in Heiligtümern oberirdisch deponierte Weihegaben handeln, die bei akuter Gefahr hastig vergraben worden seien. Doch sein Gedanke stieß in der Fachwelt auf wenig Resonanz.
Umstritten ist der Verwendungszweck der als »Feuerböcke« bezeichneten tönernen Objekte. Sie wurden schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Nackenstützen, »Feuerböcke« oder – wegen ihrer Sichelform – als »Mond-Idole« interpretiert. Derartige Gegenstände gab es ab der frühen Urnenfelder-Zeit. Gegen eine Verwendung als »Feuerböcke« spricht eigentlich, daß bisher keine zwei Exemplare vorliegen, die einander so gleichen, wie es bei »Feuerböcken« sein müßte, auf denen ein Bratspieß über offenem Feuer liegt. Außerdem sind Bratspieße erst aus der entwickelten Hallstatt-Zeit bekannt. Die meisten »Feuerböcke« weisen auch keine Brandspuren auf.
Viele »Feuerböcke« sind prächtig verziert, und manche tragen Vogel- oder Stierköpfe. Halbmondförmige »Feuerböcke« lagen in der »Wasserburg« Bad Buchau in Baden-Württemberg. »Feuerböcke« mit Vogelkopf sind aus Kelheim in Bayern sowie Alzey-Dautenheim, Freimersheim und Worms-Adlerberg in Rheinland-Pfalz bekannt. Objekte mit Rinderkopf barg man in Karlstein bei Bad Reichenhall in Bayern, Schifferstadt-Iggelheim (Kreis Ludwigshafen) in Rheinland-Pfalz und Wiesbaden-Erbenheim in Hessen.
Ein ungewöhnlicher »Feuerbock« aus Mainz-Hechtsheim wurde 1986 sogar als Mond- und Sonnenkalender gedeutet. Dieser Fund hat auf der Oberkante neun Zacken und darunter fünf Löcher von einem Zentimeter Durchmesser, die jeweils von zwei kreisförmigen Rillen umrahmt werden. Wilhelm Diehl meinte, man habe durch Umhängen eines Holzringes auf den Zacken sowie durch Einstecken eines Holzsplintes in die Löcher die Tage gezählt.
Eine Rolle im Kult spielte wohl ein mysteriöses Kreisornament in der Burghöhle von Dietfurt (Kreis Sigmaringen) in Baden-Württemberg. Das Ornament in Gestalt eines Sonnensymbols war in den Lehmestrich eingetieft worden, den man auf dem Höhlenboden aufgetragen hatte. Es besteht aus fünf konzentrischen Kreisen, von denen der größte 89 Zentimeter und der kleinste 67 Zentimeter Durchmesser erreicht. Die Kreise sind so exakt ausgeführt, daß hierfür sicherlich eine Art Zirkel zu Hilfe genommen wurde.
Als mutmaßliches Zeugnis eines Gewitter- oder Regenzaubers wird der beinahe 40 Zentimeter hohe bronzene Kesselwagen aus Acholshausen (Kreis Würzburg) in Bayern interpretiert, der in einem Brandgrab geborgen werden konnte. Der damals in Würzburg tätige Prähistoriker Christian Pescheck glaubte, daß das Gefährt zu den Grabbeigaben eines Herrschers gehörte, der auch priesterliche Funktionen ausübte. Ihm hatte man außer dem Kultwagen 25 Tongefäße, Schweineknochen, eine Flußmuschel, zwei bronzene Lanzenspitzen und ein Rasiermesser ins Grab gelegt.
Der Kessel ist mit fünf gekerbten Wülsten und darüber Bändern von Tannenzweigen und Horizontallinien verziert. Oben und unten wird das Muster durch ein Band von Bogenriefen abgeschlossen. Das Ornament des Kessels ist typisch für den Balkan, wo der Kultwagen vermutlich angefertigt wurde.
Christian Pescheck zufolge dienten der Kessel von Acholshausen und danebenliegende Schallbecken vielleicht einem Gewitter- oder Regenzauber, wie er aus antiken Überlieferungen bekannt ist. Dabei hat man in Dürrezeiten den Kessel eines solchen Wagens zum Klingen gebracht und um Regen gefleht.
Als Teile eines mutmaßlichen kleinen Kultwagens werden auch zwei bronzene Tüllen aus Gammertingen (Kreis Sigmaringen) in Baden-Württemberg gedeutet. Sie lagen in einem 1971 entdeckten, 3,70 Meter langen und 2,50 Meter breiten Steinkammergrab, in dem die nach dem Verbrennen übriggebliebenen Knochenreste eines Mannes und einer jungen Frau an sechs Stellen ausgestreut waren. Eine dieser Tüllen stellt ein Mischwesen in Gestalt eines Wasservogel mit Rinderhörnern dar – einen sogenannten »Rindervogel«.
Die Bewohner der »Burg« auf dem Bullenheimer Berg haben nach Ansicht des Würzburger Prähistorikers Walter Janssen die Depots mit Bronze- und Goldobjekten ihren Gottheiten geweiht. In einem Fall fanden sich drei Depots unter einem hölzernen Kultbau, in einem anderen Fall hatte man ein Depot vor einem Wohnhaus vergraben.
Mit dem damaligen Kult werden auch ineinanderhängende ringförmige Klapperringe, flache Schallbleche (Tintinnabula) und Klappergeräte (Sistren) in Verbindung gebracht. Vermutlich ließ man solche Kultobjekte bei Umzügen ertönen.
Klapperringe liegen unter anderem aus Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf), vom Haimbach (Kreis Fulda) und von Gambach (Wetteraukreis) in Hessen vor. Die flachen Schallbleche stellten vielleicht Sonnensymbole dar und die daran befindlichen halbkreisförmigen Anhänger Mondsymbole oder Stierhörner. Möglicherweise brachte man solche Schallbleche nicht nur als Schmuck an Pferden und Wagen an, sondern ließ sie auch durch Priester erklingen.
Auf der Vorder- und Rückseite der meisten Schallbleche verläuft ein Steg mit nach oben abschließender Ringöse. Bei vielen Exemplaren ist zudem am unteren zur Scheibenmitte weisenden Stegende eine Ringöse vorhanden, an der mit einem Zwischenring zwei weitere kleine Anhänger in der Form der großen hängen. Die Schallbleche und kleineren Anhänger sind mit solch exakten Rillen und Linien verziert, daß die Vermutung naheliegt, sie seien mit einem Zirkel angebracht.
Schallbleche wurden im Saarland (Reinheim, Saar-Pfalz-Kreis, Wallerfangen, Kreis Saarlouis) und in Hessen (Frankfurt/Main-Höchst, Maintal-Hochstadt, Main-Kinzig-Kreis, Friedberg-Ockstadt, Wetteraukreis) entdeckt.
Aus Wallerfangen kennt man sogar zwei Funde von Schallblechen (Depot I und IV). Die Schallbleche des Depots I haben eine Gesamthöhe von 33,8 Zentimetern und eine Gesamtbreite von 28,5 Zentimetern. Weitere Funde sind aus Frankreich bekannt.
Ein Klappergerät (Sistrum) kam bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Friedhof von Hochborn (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz zum Vorschein. Dieser Fundort hieß früher Blödesheim, bevor er 1971 umbenannt wurde. Das Sistrum von dort ist insgesamt 33,5 Zentimeter lang. Es besteht aus einem 21 Zentimeter langen Griff sowie einem 12,5 Zentimeter langen und 11,5 Zentimeter breiten U-förmigen Oberteil, das mit Blechen, Scheiben und Anhängern versehen ist.
Das Oberteil trägt unterhalb der Enden einen herausnehmbaren Querriegel, der ehemals durch einen eingesteckten Stift auf einer Seite arretiert werden konnte. Unterhalb des Oberteils beiderseits des Griffes befindet sich je eine Öse, in die spatelförmige Anhänger – durch einen Ring miteinander verbunden – eingehängt waren. Zwei weitere durch einen Ring zusammengehaltene Anhänger hängen in der Öse des Querriegels.
Die Anhänger dieses Sistrums gaben beim Schütteln klappernde Töne von sich. Funde und Darstellungen von Sistren liegen häufig aus der Pharaonenzeit in Ägypten vor. Sie wurden vor allem im Götterkult zu Ehren von Hathor und Isis sowie bei Totenzeremonien benutzt.
Sonnensymbole sind auch auf tönernen und goldenen Sonnenscheiben sowie auf dünnwandigen Goldgefäßen angebracht. Letztere dienten vielleicht als Opfergaben für die Götter.
Eines der prächtigsten Kultobjekte der Urnenfelder-Kultur ist der sogenannte »goldene Hut« von Etzelsdorf in Bayern. Er wurde 1953 beim Baumroden in einem Privatwald am steilen Südhang des Brentenberges entdeckt. Genaugenommen liegt der Fundort in der Gemarkung Buch (Kreis Neumarkt) in der Oberpfalz, nur wenige Meter von der Grenze der Gemarkung des Dorfes Etzelsdorf (Kreis Nürnberger Land) in Mittelfranken entfernt.
Der Goldkegel wurde bei der Entdeckung durch Hacken und Spaten zertrümmert. Aus den Bruchstücken und der erhaltenen Spitze ließ sich ein 95 Zentimeter hohes Objekt rekonstruieren, dessen unteres, offenes Ende man durch einen bronzenen Ring stabilisierte.
Das 0,10 Millimeter dünne Goldblech ist flächendeckend in 108 horizontale Ornamentzonen eingeteilt und mit mindestens 25 verschiedenen Stempelmustern verziert. Die Stempel wurden von innen nach außen gedrückt. Die Mustern variieren zwischen Sonnensymbolen in Gestalt runder Buckel, konzentrischen Kreisen und achtspeichigen Rädern. Außerdem sind Zuckerhutsymbole sowie aneinandergereihte Körner oder Linsen abgebildet.
Der Goldkegel krönte vielleicht einen hölzernen Pfahl, eine steinerne Säule, einen Altar oder einen Kultwagen. Womöglich bildete er beim Sonnenkult den Mittelpunkt ei-nes Heiligtums. Wenn das Sonnenlicht auf dieses Sakralgerät fiel, reflektierte es sicherlich ein eindrucksvolles Glitzern und mystische Spiegelungen.
Je einen Goldkegel kennt man von Avanton bei Poitiers (Département Vienne) in Frankreich und von Schifferstadt (Kreis Ludwigshafen) in Rheinland-Pfalz. Letzteres Exemplar ist etwas älter als die Funde bei Etzelsdorf und Avanton.
In der erwähnten »Wasserburg« Bad Buchau kam eine aus Holz geschnitzte, 1,20 Meter lange Figur zum Vorschein. Das unvollständig erhaltene Kultobjekt ähnelt mit seiner einfachen und plumpen Gestalt den menschenähnlichen Holzfiguren aus norddeutschen Mooren. Von der Figur nimmt man an, sie sei das Abbild einer Gottheit.
Kultisch motiviert könnten des weiteren die Schädelbestattungen gewesen sein. Sie werden unterschiedlich als Zeugnisse der Ahnenverehrung, als Kampftrophäen, Requisiten für Fruchtbarkeitsriten oder andere Zeremonien gedeutet.
Mit Schädelbestattungen hängen vielleicht auch die Körperbeisetzungen ohne Kopf von Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg sowie Fridolfing (Kreis Traunstein) und Witzhofen-Wielenbach (Kreis Weilheim-Schongau) in Bayern zusammen. Vom Fundort Forst Mühlhardt bei Mauern und von Wildenroth an der Amper (beide Kreis Fürstenfeldbruck) in Bayern sind zerstückelte Skelette mit abgetrennten Köpfen bekannt.
Auf einen Kult bezogen waren womöglich gleichfalls die aus menschlichen Schädelknochen herausgetrennten Schädelamulette. Aus einem Brandgrab bei Wallersdorf (Kreis Dingolfing-Landau) konnte ein Schädelamulett mit neun Löchern geborgen werden, aus der Lupberghöhle bei Trondorf (Kreis Amberg-Sulzbach) in Bayern ein Exemplar mit 64 Löchern.
Die Urnenfelder-Leute scheuten sogar nicht davor zurück, ihren Göttern lebende Menschen zu opfern. Reste solcher Rituale wurden vor allem in Höhlen entdeckt. In Altdorf und Ergolding (Kreis Landshut) sowie Hadersbach (Kreis Straubing-Bogen) kamen auch Menschenopfer in Siedlungsgruben zum Vorschein.
Schauplatz blutiger Zeremonien waren etliche Höhlen in Nordbayern. Dazu gehören der Kleebergschacht bei Königstein (Kreis Amberg-Sulzbach), eine Felsspalte im Osthang des Ittlinger-Bach-Tales (Kreis Nürnberger Land) und das Felsenloch bei Plech (Kreis Bayreuth).
Im Kleebergschacht fand sich das zerstückelte Skelett eines jungen Mannes mit Brandspuren und zertrümmertem Schädel. Sein gebratenes Fleisch wurde vielleicht bei einer Kannibalenmahlzeit gegessen. Möglicherweise hatte man diesen bedauernswerten Menschen und einen im Schacht liegenden Hund, der ebenfalls im Kleebergschacht gefunden wurde, mit dem Geweihhammer erschlagen. Außerdem konnten Reste zertrümmerter Tongefäße geborgen werden, die man vermutlich während der makabren Zeremonie benutzt und danach unbrauchbar gemacht hatte.
In der 30 Meter langen sowie 90 Zentimeter breiten Felsspalte des Ittlinger-Bach-Tales bei Hormersdorf unweit von Schnaittach wurden Skelettreste von vier Menschen sowie Knochen von Feldhasen (Lepus europaeus) und Hausschweinen entdeckt. Die Tier- und Menschenknochen weisen Schnitt-, Hack- und gelegentlich Brandspuren auf. Wie die Menschen von dort gestorben sind, ist unbekannt.
Im Felsenloch auf dem kleinen Bergrücken am Rande des Veldensteiner Forstes lagen Skelettreste von 49 Männern, Frauen und Kindern, die wahrscheinlich überwiegend aus der Urnenfelder-Zeit stammen. An ihren Schädeln und Schädelteilen wurden Tötungs-, Brand- und Schnittspuren nachgewiesen. Auch ein als Schädelbecher zugerichtetes menschliches Schädeldach kam zum Vorschein. Schnittspuren sind zudem an Knochen vom Auerochsen (Bos primigenius), Hausrind, Wildschwein (Sus scrofa), Hausschwein, Rothirsch (Cervus elaphus), Rotfuchs (Vulpes vulpes) und Schaf sichtbar.
Unklar ist, wie die zehn oder zwölf Menschen gestorben sind, deren Skelettreste in der Höhle von Loch (Kreis Amberg-Sulzbach) etwa 90 bis 120 Meter weit vom Eingang entfernt aufgefunden wurden. Sie könnten an Ort und Stelle ums Leben gekommen oder erst nach dem Tod in die Höhle geschafft worden sein.
In der erwähnten Burghöhle von Dietfurt (Kreis Sigmaringen) wurde das Skelett einer jugendlichen Person gefunden, die als Menschenopfer auserkoren worden war. Zudem hatte man dort Speisen und Getränke versenkt oder deponiert und Versammlungen abgehalten. Höhlen waren demnach für die Urnenfelder-Leute nicht nur Heiligtümer und Opferplätze, sondern auch Versammlungsorte.

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