Freitag, 11. Januar 2008

Die Lausitzer Kultur (etwa 1300-500 v. Chr.)

Als Berlin noch ein Dorf war

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Eine der wichtigsten Kulturen Mitteleuropas war von etwa 1300 bis 500 v. Chr. die Lausitzer Kultur. Sie entwickelte sich vermutlich aus der Vorlausitzer Kultur und existierte während der mittleren und jüngeren Bronzezeit sowie in der frühen Eisenzeit. In diesem Kapitel werden lediglich die bronzezeitlichen Abschnitte von etwa 1300 bis 800 v. Chr. behandelt, die ungefähr der Lebensdauer der süddeutschen Urnenfelder-Kultur entsprechen.
Das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur reichte im Westen bis an die Saale in Mitteldeutschland, während es im Süden Nordböhmen, Nordmähren und die nordwestliche Slowakei umfaßte. Im Nordwesten gehörte das südliche Brandenburg dazu, und im Osten bildete die heutige polnische Provinz Posen (Poznan) die Grenze. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen einer Ost-, West-, schlesisch-mährischen, oberschlesisch-polnischen, mittelschlesischen und einer Lausitz-sächsischen Gruppe.
Zur Westgruppe rechnet man die einst vor allem in der Lausitz im südlichen Brandenburg und in Sachsen ansässige Lausitz-sächsische Gruppe. Dazu gehörten im Norden die Spindlersfelder Gruppe, im Osten die Niederlausitzer Gruppe, Neißemündungs-Gruppe, Oberlausitzer Gruppe, Aurither Gruppe sowie im Westen die Fläming-Gruppe, Schliebener Gruppe, Elbe-Mulde-Gruppe, Elbe-Elster-Gruppe, Dresdener Gruppe und Osterländische Gruppe. Letztere hatte sich überwiegend östlich der Saale in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie geringfügig auch in der Umgebung westlich der Saale niedergelassen.
Den Begriff Lausitzer Kultur hat 1880 der damals an der Universität Berlin wirkende Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) geprägt. Virchow erkannte bei Besuchen des Gräberfeldes von Zaborow bei Priment (Provinz Posen) in den 1870er und 1880er Jahren, daß ein Teil der dortigen Funde von einer selbständigen Kultur stammt. Denn bestimmte Tongefäße lagen tiefer als die slawische Keramik und unterschieden sich durch ihr feineres Tonmaterial, ihre Form und Verzierungen deutlich von dieser.
Pflanzenfunde aus der Siedlung von Berlin-Lichterfelde verraten, daß in dieser Gegend Brandenburgs eine steppenähnliche Vegetation wuchs. Nach Auffassung des Ausgräbers Adrian von Müller ist das Dorf Berlin-Lichterfelde von den Bewohnern verlassen worden, als der Brunnen während einer Dürreperiode austrocknete.
Wie groß die Menschen jener Zeit waren, ergaben Untersuchungen von Knochenresten aus dem jungbronzezeitlichen Gräberfeld Saalhausen 2 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg, wo man die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt hatte. Demnach erreichten die dortigen Männer eine Körperhöhe von 1,67 bis 1,76 Metern, während es die Frauen auf 1,58 bis 1,67 Meter brachten.
Die damaligen Menschen hatten eine niedrige Lebenserwartung. Im ehemaligen Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) entfielen 26,5 Prozent der Todesfälle auf Kleinkinder im Alter bis zu einem Jahr. Insgesamt starben im Kindesalter etwa 40 Prozent. Die durchschnittliche Lebensdauer betrug 17,8 Jahre. Nur 48,8 Prozent der Verstorbenen in Tornow hatten das Erwachsenenalter erreicht. Die Gemarkung Tornow wurde durch den Abbau von Braunkohle beseitigt.
Komplikationen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Kindbett führten dazu, daß mehr Frauen als Männer im jugendlichen und erwachsenen Alter starben. Das ließ sich ebenfalls in den Gräbern von Saalhausen 2 nachweisen, wo häufig Doppelbestattungen von Frauen mit Kleinstkindern erfolgt sind.
Die Dresdener Anthropologin Birgit Dalitz ermittelte bei Untersuchungen der Knochenreste aus Saalhausen 2 zahlreiche Spuren von Krankheiten. Sie stellte Zahnwurzelmißbildungen, durch schwere Erkrankungen mit Stoffwechselveränderungen verursachte Schmelzstörungen der Zahnkronen von Kleinkindern, Kieferveränderungen aufgrund nicht ausgebildeter Zähne, Zahnverluste und Veränderungen an Wirbeln der Wirbelsäule fest.
Im Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur lebten auf einer Fläche von einem Quadratkilometer drei bis vier Personen. Heute liegt die Bevölkerungsdichte in Ostdeutschland bei mehr als 150 Personen pro Quadratkilometer, also gut vierzigmal höher. Es gab weilerartige Gehöftanwesen und unbefestigte dorfähnliche Siedlungen im Flachland sowie befestigte Höhensiedlungen mit Wällen, Gräben und Toren.
Die auf einer Anhöhe am Rand der Pankeniederung gegründete Siedlung von Berlin-Buch (Brandenburg) umfaßte 33 Häuser. Der Ausgräber Albert Kiekebusch (1870-1935) aus Berlin hatte irrtümlich geglaubt, mehr als hundert von einstmals tausend oder noch mehr Häusern entdeckt zu haben. Außer Pfostenlöchern und Herdstellen von kleinen ein- und größeren zweiräumigen Wohnhäusern wurden in Berlin-Buch auch Steinsitze, Vorratsgruben, in den Hausboden eingegrabene Vorratsgefäße, Webstuhl- und Abfallgruben, Reste von Zäunen, Keramik, Werkzeuge und Waffen geborgen.
Aus mindestens fünf rechteckigen Wohnhäusern bestand die Siedlung von Berlin-Lichterfelde im Bäketal. Sie waren 8,50 bis 12,50 Meter lang, sechs bis neun Meter breit und hatten einen Raum mit Herdstelle. Das Dorf wurde von einem 1,50 Meter breiten und 60 Zentimeter tiefen Graben sowie einem Zaun aus Gestrüpp umgeben. Durchlässe gab es im Nordwesten und Südosten. Zwei Brunnen stammen aus unterschiedlicher Zeit. Der Brunnen 1 ist aus zwei Hälften eines Eichenstammes hergestellt worden. Zehn Meter nördlich davon befand sich neben einem Pfahl der Brunnen 2 aus einem etwa 1,60 Meter hohen, ausgehöhlten Eichenstamm, der zuvor möglicherweise als Bienenstock gedient hatte.
Auf der 1,50 Meter hohen Erhebung namens »Lütjenberg« im ehemaligen Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg sind zwei Hauskomplexe nachgewiesen worden. Der ältere Hauskomplex I bestand aus zwei Pfostenhäusern (zwölf mal sechs und zwölf mal fünf Meter, vier Pfostenspeicherbauten und einem Grubenkomplex. Der jüngere Hauskomplex II umfaßte zwei Grundrisse mit den Maßen 15 mal neun und neun mal fünf Metern.
Die Siedlung auf dem Taubenhügel am Rande der Neißeniederung von Nieder-Neundorf (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) in Sachsen setzte sich aus neun Häusern mit einer Länge von 3,80 bis 7,20 Metern und einer Breite von drei bis 6,80 Metern sowie einer Fläche von 38,50 bis 49 Quadratmetern zusammen. In einem der Gebäude hat man einen Herd freigelegt.
Neben solchen unbefestigten Ortschaften wurden zahlreiche befestigte Siedlungen (»Burgen«) im Flachland und auf Anhöhen errichtet. Solche wehrhaften Anlagen waren meistens einen halben bis sechs Hektar groß und nahmen nur ausnahmsweise eine Fläche von fast 20 Hektar ein. Für die Befestigungen im Flachland wählte man Sümpfe, sandige Kuppen in sumpfigem Gelände, Seeinseln, Halbinseln oder Bach- beziehungsweise Flußschleifen als Standorte. Sie wurden lediglich durch ringförmige Erdwälle geschützt.
Bei Burg (Kreis Spree-Neiße) in Brandenburg errichtete man in der jüngeren Bronzezeit auf einer Talsandinsel namens Schloßberg in der Spreeniederung zunächst eine unbefestigte Siedlung. Später wurde das Areal in der jüngsten Bronzezeit und zur Zeit der folgenden Billendorfer Gruppe mit einem Wall in Holzschalenbauweise befestigt. Als die Anlage einem Brand zum Opfer fiel, errichtete man einen Wall in Rostkonstruktion, der allmählich zerfiel. Heute ist der Wall noch bis zu zwei Meter hoch. Er umschließt eine Fläche mit einem Durchmesser von mindestens 80 bis maximal 110 Metern.
Die Siedlung von Bollersdorf (Kreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg befand sich am Westufer des Scharmützelsees auf einer in den See ragenden Halbinsel. Vermutlich trennte und schützte ein von Menschenhand ausgehobener Graben die Halbinsel vom Festland. Auf der zum See gerichteten Seite verlief ein Palisadenzaun.
Die befestigten Höhensiedlungen variierten in ihren Anlagen. Ein Teil der Befestigungen lag auf Geländespornen, die durch einen Wall und Graben vom Hinterland abgetrennt wurden. Häufig waren solche »Burgen« mit mächtigen Wällen und teilweise in die Steilabhänge eingeschnittenen Gräben gesichert. Andere Befestigungen thronten über Steilufern von Gewässern und wurden durch einen sichelartigen Wall geschützt. Daneben gab es Sperrwälle, die Zugänge in einmündende Seitentäler abriegelten.
Zu den befestigten Höhensiedlungen in Sachsen gehörten die Fundorte Dresden-Coschütz, der Eisenberg bei Pöhl, der Göhrischfelsen bei Niederlommatzsch, die Goldkuppe-Heinrichsburg bei Diesbar, der Burgberg von Löbsal bei Diesbar, der Berg Oybin bei Oybin unweit von Zittau, der Pfaffenstein bei Pfaffendorf, der Schafberg bei Löbau, Sörnewitz bei Bosel und der Staupen bei Westewitz.
Als bedeutendste befestigte Höhensiedlungen im sächsischen Elbegebiet gelten drei Anlagen an der Rauhen Furt bei Diesbar-Seußlitz. Davon liegen die »Burgen« Goldkuppe-Heinrichsburg und Burgberg-Löbsal hoch über dem rechten Elbeufer im Kreis Riesa-Großenhain, die »Burg« auf dem Göhrischfelsen dagegen befindet sich im Kreis Meißen-Radebeul.
Von diesen drei Wallburgen ist die befestigte Höhensiedlung zwischen der Goldkuppe und der Heinrichsburg die größte und vermutlich auch die älteste. Sie erstreckte sich auf einem langovalen Plateau von etwa einem Kilometer Länge und kaum mehr als 300 Meter Breite und wurde einst von einer ringförmigen Wallanlage umgeben. Der mächtige Hauptwall wurde durch Steinbrüche an der Elbseite sowie Weinberge im Süden und Südwesten teilweise zerstört.
Die Befestigung Goldkuppe-Heinrichsburg war besonders wehrhaft. Steilhänge zum Elbetal im Südwesten, zum Laubachtal im Nordosten und an der Spitze des Geländesporns über dem Schloß Seußlitz boten natürlichen Schutz. Am Rand des hoch über der Elbe gelegenen Plateaus verliefen ein Vorwall und etwa 50 Meter dahinter der mächtige Hauptwall. An der gefährdetsten Stelle der Anlage im Osten beträgt der Höhenunterschied zwischen der Krone des Hauptwalles und der Sohle des Grabens davor heute noch 18 Meter.
An der Nordostseite der Befestigung hat man eine breite Quellmulde durch den an dieser Stelle bis zu elf Meter hohen Wall abgeriegelt. Dadurch entstand eine gestaute Wasserfläche von maximal 80 mal 90 Metern. Dieses Reservoir garantierte die Wasserversorgung der Menschen und Haustiere jener Wallburg.
Kleiner als Goldkuppe-Heinrichsburg war die Befestigung auf dem Burgberg-Löbsal. Ihre Länge betrug etwa 240 Meter, die Breite ungefähr 150 Meter. An der bei Angriffen schwächsten Seite erreichte der Schutzwall eine Höhe von elf Metern. Im Norden der Anlage sind heute noch Reste der Randbefestigung zu erkennen. Den Steilabfall zur Elbe sicherte möglicherweise ein auf einem niedrigen Lehmwall errichteter Palisadenzaun.
Die Befestigung auf dem Göhrischfelsen lag etwa 45 Meter über dem Elbetal und hatte eine Ausdehnung von etwa 250 mal 200 Meter. An den Steilabfällen der Elbeseite im Osten und Westen sind heute noch niedrige Wallreste vorhanden. Vom Hinterland wurde die Befestigung durch einen bis zu 12,50 Meter hohen Sperrwall aus Holz und Erde abgetrennt.
Ebenfalls am Elbeufer war die befestigte Höhensiedlung von Sörnewitz (Kreis Meißen-Radebeul) errichtet worden. Sie lag etwa 90 Meter hoch über dem Fluß auf einem Felsvorsprung und wurde teilweise durch Steilhänge sowie durch einen Graben und einen etwa 300 Meter langen Wall geschützt, der gegenwärtig noch fünf Meter hoch ist.
Auf dem Schafberg im Sächsischen Oberlausitzkreis umgab ein 1610 Meter langer Wall mit Holzrahmen und einer Füllung aus Erde, Lehm und Steinen das dichtbebaute, etwa 5,2 Hektar große Gipfelplateau. Das Tor öffnete sich vermutlich zur östlichen Ecke, wo eine Terrasse durch zwingerartig vorspringende Felspartien auf das Plateau hinaufführt. Mehrere Quellen am Plateaurand und eine von Menschenhand errichtete Zisterne innerhalb der Befestigung sicherten die Wasserversorgung. Die Bewohner dieser Wallburg lebten in einräumigen Häusern.
Auf dem Bergsporn Heidenschanze von Dresden-Coschütz über dem Tal der Weißeritz bestand von etwa 1200 bis fast 1000 v. Chr. eine unbefestigte Siedlung. Danach hat man eine fünf Meter breite Mauer aus Holz, Steinen und Erde errichtet, die noch vor 1000 v. Chr. abbrannte. Später wurde etwa 20 Meter davor eine neue vier Meter hohe und acht Meter breite Mauer erbaut.
Von den ehemaligen Häusern der Befestigung auf der Heidenschanze blieben Pfostenlöcher, Lehmfußböden und Hüttenlehm mit Abdrücken verkohlter Balken erhalten. Die Hauswände wurden innen mehrfach mit einem Kalküberzug erneuert. Bei Grabungen hat man Herde, einen Töpferofen, Bronzeschmelzstätten und zahlreiche tönerne Gußformen entdeckt.
Am Berg Oybin (Kreis Löbau-Zittau) und am Pfaffenstein (Kreis Sächsische Schweiz) schützten Sperrwälle sogenannte Paßburgen. Dabei handelte es sich um Wälle an den Zugängen zu Höhensiedlungen. Der Sperrwall im Hausgrund am Berg Oybin war mindestens vier Meter hoch und sechs Meter breit. Vorder- und Innenfront bestanden aus besonders großen Steinblöcken, während als Füllmaterial kleinere Steinbrocken Verwendung fanden. Am auf fast allen Seiten von Steilhängen umgebenen Pfaffenstein wurde der einzige natürliche Aufgang durch einen 200 Meter langen Graben mit Wall dahinter abgesichert.
In Brandenburg existierten ebenfalls befestigte Höhensiedlungen. Hier sind vor allem die »Burgen« auf der »Schwedenschanze« von Frankfurt/Oder-Lossow und von der »Römerschanze« bei Potsdam-Sacrow am Hochufer des Lehnitzsees erwähnenswert.
Die Befestigung auf der »Schwedenschanze« an der Steilen Wand von Lossow war etwa 240 Meter lang und 200 Meter breit. Sie wurde im Süden und Osten durch Steilhänge geschützt. An der Nord- und Westseite sicherte ein vier bis sechs Meter hoher Wall die »Burg«. Der Kern des Walles ist in Kastenbauweise errichtet. Dabei stellte man mehrere viereckige Kästen aus Holzbohlen oder Rutengeflecht von 1,20 bis 1,60 Meter Breite in Reihen hintereinander und füllte sie mit Erde und Steinen. Darüber wurde Erdreich aufgeschüttet.
Der Wall von Lossow ist um 1000 v. Chr. geschaffen worden. Das ergab eine C-14-Probe von Holz aus dem Wallkern. Zwei Reihen von Pfostenlöchern darunter dürften von einer älteren Holz-Erde-Mauer stammen.
Die Befestigung auf dem Bergplateau »Römerschanze« zwischen Jungfern- und Lehnitzsee bei Potsdam-Sacrow umfaßte eine Fläche von etwa 175 Meter Länge und 125 Meter Breite. Dort ermittelte der Berliner Prähistoriker Carl von Schuchhardt (1859-1943) drei jungbronzezeitliche Bauabschnitte. In der ältesten Phase schützte ein etwa sechs Meter hoher und 3,30 Meter breiter Holz-Erde-Wall diese Höhensiedlung.
Als typisches Gebäude jener Zeit gilt das Vorhallenhaus, bei dem nicht sicher ist, ob es eine geschlossene oder eine offene Vorhalle besaß. Die Vorhallenhäuser waren teilweise beachtlich groß, wie an einem 15,10 Meter langen und 6,20 Meter breiten Grundriß von Taucha bei Leipzig ersichtlich wird. Das Gebäude stand am Rand einer Hochfläche über der Flußaue der Partke und des Quellbachs.
Viele Reste und Abdrücke von Getreidekörnern, Relikte von Hülsenfrüchten und Ackerunkräutern beweisen, daß Getreide ausgesät und geerntet sowie Hülsenfrüchte angebaut wurden. Auf Ackerbau deuten außerdem der Fund eines Holzpfluges, steinerne und bronzene Sicheln für die Getreideernte und Mahlsteine zum Zerquetschen der Getreidekörner hin.
Aus Dobeneck bei Taltitz (Kreis Vogtlandkreis) in Sachsen ist der Anbau der Getreidearten Einkorn (Triticum monococcum), Emmer (Triticum dicoccon), Dinkel (Triticum spelta), Gerste (Hordeum vulgare) und Saathafer (Avena sativa) sowie der Hülsenfrüchte Erbse (Pisum sativum), Ackerbohne (Vivia faba) und Linse (Lens culinaris) nachgewiesen. Außerdem sind Saatweizen (Triticum aestivum) aus Dresden-Coschütz, Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum) aus Pöhl (Vogtlandkreis) und Rispenhirse (Panicum miliaceum) aus Burg (Kreis Spree-Neiße), Freiwalde (Kreis Dahme-Spreewald) und Schlieben, (Kreis Elbe-Elster) belegt.
Auf Ackerbau deuten indirekt Samen von Ackerunkräutern hin, die durch den Getreideanbau eingeschleppt worden waren und zusammen mit geernteten Körnern in die Siedlungen gelangten. Hierzu gehören Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Ampferknöterich (Polygonum lapathifolium), Vogelknöterich (Polygonum aviculare), Klettenlabkraut (Galium aparine), Uferwolfstrapp (Lycopus europaeus), Roggentrespe (Bromus secalinus), Kornrade (Agrostemma githago), Weißer Gänsefuß (Chenopodium album), Spießmelde (Atriplex hastata), Windenknöterich (Polygonum convolvulus) und Feldsalat (Valerianella locusta). Die jungbronzezeitlichen Vorkommen der Ackerbohne liegen allesamt östlich der Elbe und der Saale.
Auf dem Grund des Scharmützelsees bei Buckow (Kreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg wurde in etwa 9,50 Meter Tiefe der Rest eines Pfluges entdeckt, der aus der Astgabel einer Eiche hergestellt worden war. Der erhaltene Rest ist 1,02 Meter lang. Nach einer Altersdatierung mit der C14-Methode stammt der Pflug aus der Zeit zwischen etwa 900 und 800 v. Chr.
Das reife Getreide wurden meistens mit bronzenen Sicheln geschnitten. Drei unbenutzte Mahlsteine zum Zerquetschen von geernteten Getreidekörnern kamen in der Befestigung Goldkuppe-Heinrichsburg bei Diesbar zum Vorschein. Sie bestehen aus Zehrener Quarzporphyr, der etwa 2,5 Kilometer südlich vom Fundort am Südhang des Golkwaldes sowie südwestlich der Befestigung auf dem Göhrisch beschafft werden konnte. In Siedlungsgruben von Pegau-Zauschwitz (Kreis Leipziger Land) in Sachsen wurden ebenfalls Mahlsteine geborgen. Auch in einem Grab von Lüsse (Kreis Potsdam-Mittelmark) in Brandenburg hat ein Mahlstein gelegen.
In einer Siedlung bei Plauen (Vogtlandkreis) in Sachsen sind vermutlich Trauben von Wildem Wein (Vitis sylvestris) gegessen worden. Der dort gefundene Kern ist 4,2 Millimeter lang und drei Millimeter breit. Heute erreicht die Wildrebe in Mitteleuropa im südlichen Oberrheingebiet die Nordgrenze ihres Areals. Das größte Vorkommen in Deutschland befindet sich auf der Halbinsel Ketsch zwischen Mannheim und Speyer.
Nach den Tierknochen in Siedlungen, Gräbern und an Opferstätten zu schließen, hielten die Lausitzer Leute Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine und Hunde als Haustiere. Das Pferd ist unter anderem in der Siedlung von Lübbenau (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg nachgewiesen.
Besonders viele Relikte verbrannter Haustiere wurden im Hügelgräberfeld bei Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg entdeckt. In 34 Gräbern von dort lagen Reste von 32 Pferden, 25 Rindern, 24 Schafen oder Ziegen, neun Hunden und zwei Schweinen. Pferdereste fanden sich des weiteren in Gräbern von Wergzahna (Kreis Teltow-Fläming) und Saalhausen 2 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg.
Wenn es in Berlin-Lichterfelde tatsächlich – wie erwähnt – einen Bienenstock gegeben haben sollte, wurde auch die Imkerei betrieben. Der Honig diente vielleicht zum Süßen von Speisen und zu deren Konservierung oder als Heilmittel. Das Bienenwachs konnte zum Abdichten von Gefäßen und als Gußmodell in der Metallverarbeitung benutzt werden.
Trotz Ackerbau und Viehzucht wurde gelegentlich gefischt und gejagt. Der Fischfang läßt sich anhand bronzener Angelhaken aus Gohlis (Kreis Riesa-Großenhain), Pirna-Copitz (Kreis Sächsische Schweiz), Stöbnig (Kreis Mittweida) in Sachsen und aus Berlin-Buch in Brandenburg nachweisen.
Eine Siedlungsgrube von Pegau-Zauschwitz enthielt Kieferknochen vom Wildschwein (Sus scrofa) und von einem jungen Braunbären (Ursus arctos). Aus dem Hügelgräberfeld von Tornow liegen zwei Geweihbruchstücke und ein Knochenfragment vom Rothirsch (Cervus elaphus) vor.
Mit Getreidekörnern hat man Brot und Brei zubereitet. In Birkenrindenschachteln aus dem Hügelgräberfeld Falkenberg/Elster (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg fanden sich Reste von Weizenbrei. An einem Tongefäß aus einem der Gräber von Saalhausen 2 hafteten Reste von Hirsebrei.
Weitere Hinweise auf die damalige Nahrung geben die Reste von Getreide und Hülsenfrüchten. Eine Vorratsgrube in Zitz war 20 Zentimeter hoch mit verkohlten Ackerbohnen (Vicia faba) gefüllt, eine andere Grube enthielt eine mindestens zwölf Zentimeter hohe Schicht geschälter und verkohlter Eicheln (Quercus robur). In der Siedlung von Dobeneck barg man neben Getreidekörnern und Hülsenfrüchten auch eine Schlehe (Prunus spinosa).
Die Töpfer der Lausitzer Kultur formten in der mittleren Bronzezeit (Periode III) große Urnen mit von ovalen Feldern umgebenen Buckeln, eiförmige Gefäße, Kegelhalsgefäße mit Henkel und riefenbetonten flachen Buckeln. Man spricht hierbei auch von Buckelkeramik.
In der jüngeren Bronzezeit (Periode IV und V) kam die Buckelverzierung beziehungsweise Buckelkeramik aus der Mode. In der Periode IV erfolgte ein Stilwechsel zur gerillten und in der Periode V zur waagrecht gerieften Lausitzer Keramik. Statt großer Urnen modellierte man erstmals Amphoren mit zwei Henkeln, Krüge mit Zylinderhals und verzierten Schulterzonen sowie Schalen mit Innenornamentierung.
Zu den Tongefäßen gehörten auch Sauggefäße in Tiergestalt, mit denen man wohl meistens Kleinkinder gefüttert hat. Sauggefäße in Vogelgestalt wurden in Rötha-Geschweitz (Kreis Leipziger Land), Deschka (Niederschlesischer Oberlausitzkreis), Straßgräbchen (Kreis Westlausitz-Dresdner Land) in Sachsen und Krausnick (Kreis Dahme-Spreewald) in Brandenburg gefunden.
Die Keramik der Lausitzer Kultur wurde teilweise serienmäßig in Töpfereien hergestellt. Reste einer Töpferei kamen in Grünheide-Altbuchhorst unweit von Fürstenwalde (Kreis Oder-Spree) in Brandenburg zum Vorschein.
Zu den keramischen Erzeugnissen der Lausitzer Kultur zählten auch Siebgefäße und Trinkhörner. Bruchstücke von Siebgefäßen lagen in der Siedlung Berlin-Buch. Reste von Trinkhörnern barg man in Hahnefeld (Kreis Torgau-Oschatz) und Coswig-Kötitz (Kreis Meißen-Radebeul) in Sachsen. In Oschatz wurde der in zwei Teile zerbrochene Endbeschlag eines Trinkhorns mit zwei Klapperblechanhängern und Vogelaufsatz, in Coswig-Kötitz eine tönerne Trinkhornspitze gefunden.
Da im Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur keine Abbaumöglichkeit von Kupfer bestand, mußte dieses Erz für den Bronzeguß durch Tausch eingeführt werden. Im Erzgebirge und vielleicht auch in der Elbe (bei Dresden-Coschütz und der Rauhen Furt) wurden Zinnablagerungen (Zinnseifen) abgebaut.
In der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. ging der Import von Bronze in das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur offenbar deutlich zurück. Als Ersatz für das selten gewordene Metall fanden von da ab wieder vermehrt Stein, Knochen und Geweih als Materialien für die Anfertigung von Werkzeugen Verwendung.
Die eigene Herstellung von Bronzeerzeugnissen wird durch Schmelzstätten in Siedlungen, tönerne, steinerne und bronzene Gußformen, Werkzeuge von Bronzegießern (Steingeräte mit Rille, Steinhammer, Punzstifte), Bronzedepots mit Altmetall und Brucherzfunde belegt.
Eine Bronzeschmelzstätte jener Zeit war in der Befestigung auf der Heidenschanze bei Dresden-Coschütz tätig. Dort hatte man auf einer Lehmtenne eine große Schmelzgrube zur Erzverhüttung angelegt. Zahlreiche tönerne Gußformen verraten, daß es sich bei dieser Fundstelle um die bedeutendste Produktionsstätte der Westgruppe der Lausitzer Kultur handelte.
In Kmehlen-Gävernitz33 (Kreis Riesa-Großenhain) in Sachsen konnten drei Gußformen aus Gneis geborgen werden. Eine davon besteht aus der Unterschale einer zweiteiligen Gußform, mit der man zwei Sicheln und zwei Pfeilspitzen gießen konnte. Von einer anderen Form sind Ober- und Unterschale mit zwei Eingußöffnungen vorhanden; damit ließ sich eine Pfeilspitze anfertigen. Von einer dritten Gußform ist nur ein Rohstück erhalten.
In der Höhensiedlung Waldsieversdorf (Kreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg haben Metallhandwerker ein Depot mit fünf steinernen Gußformen hinterlassen. Von der Hügelkuppe Werder bei Buckow (Kreis Märkisch-Oderland) liegen zwei steinerne Gußformen für Sicheln vor. Auch eine Lanzenspitze mit Gußnaht, ein Punzstift und ein Steinhammer von dort dürften das Eigentum eines Bronzehandwerkers gewesen sein.
Drei Gußformen kennt man aus der Befestigung auf der Schwedenschanze bei Lossow in Brandenburg. Alle waren nur bruchstückhaft erhalten. Mit einer von zwei tönernen Gußformen konnte eine Knopfsichel gegossen werden, mit der anderen ein Tüllenbeil. Auch mit der später gefundenen steinernen Gußform ließ sich ein Tüllenbeil herstellen.
Das Vorhandensein bronzener Gußformen belegen Exemplare aus Berlin-Spindlersfeld und aus Polzen (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg. Die zweiteilige Form aus Berlin-Spindlersfeld war für den Guß einer Nadel mit großer Scheibe bestimmt, die Form aus Polzen für den Guß eines Absatzbeiles.
Zum Einschmelzen bestimmt waren die 76 Bronzeobjekte des Depots bei Pulsnitz-Friedersdorf (Kreis Westlausitz-Dresdner Land) in Sachsen. Dabei handelte es sich um zerhackte oder zerbrochene Schwerter, Sicheln, Beile, Armringe, Nadeln und rundliche Bronzebarren. Vermutlich hatte ein Bronzegießer dieses Altmetall gesammelt.
Das Depot von Weißig (Kreis Riesa-Großenhain) in Sachsen lag in einem tönernen Topf. Zu diesem Brucherzfund zählten unter anderem etwa 30 bronzene Knopfsicheln, Schwerter und Ringe.
38 Bronzeobjekte enthielt das Depot von Berlin-Spindlersfeld. Zu ihm gehörten die erwähnte zweiteilige bronzene Gußform für eine Nadel mit großer Scheibe, Kopf und Schaft einer Nadel mit großer Scheibe, drei Zierscheiben mit Öse auf der Rückseite, eine gelochte Zierscheibe, eine Brillenspirale, je zwei rad-, lanzett- und herzförmige Anhänger, drei stilisierte menschengestaltige Anhänger, vier Spiralröllchen, drei Armringe, eine kleine Spiralplattenfibel mit gedrehtem Bügel, zwei kleine Spiralplattenfibeln mit weidenblattförmigem Bügel und Sanduhrmuster (sogenannte Spindlersfelder Fibel), ein Tutulus, ein Gußzapfen und drei nicht identifizierbare Bruchstücke.
Neben Werkzeugen aus Bronze wußte man weiterhin Geräte aus Stein und Geweih zu schätzen. Ein Steinhammer aus der Gegend von Bautzen in Sachsen trug eine seltene Verzierung mit je einem Kreuz auf den Flanken seitwärts des Schaftloches und in geringer Entfernung nackenwärts je ein Radkreuz.
Ein typisches Werkzeug der Lausitzer Kultur war das bronzene Tüllenbeil mit Öhr. Seine Breitseiten sind mit einer Verzierung aus Rippen oder Riefen versehen. In die Tülle wurde der hölzerne Schaft gesteckt.
In einem der Grabhügel von Beyern-Löhsten (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg – früher Staatsforst Annaburg-Rosenfeld – lag eine 21,4 Zentimeter lange und 2,1 Zentimeter bronzene Säge, die auf einer Längsseite gezähnt ist. Sie wurde an jedem Ende durchbohrt. Aus Elsterwerda (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg sind Bruchstücke kleiner bronzener Sägen bekannt.
Die bronzenen Messer dienten wohl meistens als Schneidegeräte und nicht als Stichwaffen. Ihr Griff wurde teilweise mitgegossen oder aus Holz oder Knochen hinzugefügt. Manche bronzenen Messergriffe enden mit einem Ring.
Schutz- und Angriffswaffen kamen häufig in Bronzedepots zum Vorschein. Manche Krieger der Lausitzer Kultur konnten sich sogar einen bronzenen Helm leisten. Reste einer solchen metallenen Kopfbedeckung wurden in Weißig (Kreis Riesa-Großenhain) in Sachsen gefunden. Dabei handelte es sich um Wangenklappen mit vier Befestigungslöchern. Ein anderer Helm aus Beitzsch im heutigen Polen wurde 1847 entdeckt.
Im Grabritus der Lausitzer Kultur war es nicht üblich, die toten Krieger mit bronzenen Schwertern auszustatten. Auch als Einzel- oder Depotfunde sind kaum Schwerter überliefert. Zum Moorfund von Berlin-Spandau gehören zwei bronzene Lanzenspitzen.
Bronzene Eimer, Kessel, Tassen und Schalen wurden aus Westungarn importiert. Bronzetassen des Typs Fuchsstadt und bestimmte Goldgefäße hat man aus Süddeutschland eingeführt. Aus Norddeutschland stammen Hängebecken, Bronzetassen und bestimmte Goldgefäße. Dagegen gelten Bronzetassen des Typs Dresden-Osternienburg als einheimische Erzeugnisse der Lausitzer Kultur.
Besonders viele Bronzegefäße wurden in einer Sandgrube von Dresden-Dobritz entdeckt, nämlich ein Eimer vom Typ Kurd, 16 Tassen und Schalen sowie ein halbkugelförmiges Sieb. Der Eimer befand sich in einem großen Tongefäß. An ihn waren ringsum sechs Tassen und Schalen angelehnt, weitere neun Tassen und Schalen standen unter ihm, eine Tasse lag obenauf. Die Tassen entsprechen dem erwähnten Typ Fuchsstadt aus Bayern und dem Typ Friedrichsruhe aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Sieb hatte man über den Gefäßsatz gestülpt.
Aus Riesa (Kreis Riesa-Großenhain) in Sachsen kennt man ein Bronzedepot mit einer Tasse vom Typ Jenisovice (früher Typ Kirkendrup), drei Becher vom Typ Biesenbrow und zwei gegossene Schalen. Der Typ Jenisovice ist nach einem Fundort in Mähren benannt, der Typ Biesenbrow nach einem Fundort in Brandenburg.
Eine Bronzetasse vom Typ Fuchsstadt kam auch bei Falkenberg/Elster (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg zum Vorschein. Zusammen mit ihr barg man ein Bronzesieb, Reste von Spanschachteln aus Birkenrinde und Holzbehältnisse aus Kernholz.
Die Lausitzer Leute verfügten sicherlich über ein hochentwickeltes Verkehrswesen mit Pferden als Reit- und Zugtieren. Darauf weisen nicht nur die zahlreichen Pferdereste aus Siedlungen und Gräbern, sondern auch Teile des Zaumzeuges (Trensen) sowie Tonräder von Miniaturwagen und kleine Deichselwagen hin, die Abbilder originalgroßer Gefährte gewesen sein dürften.
Am Fundort Saalhausen 2 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg hat man in zwei Gruben Teile von verzierten Knochenplatten geborgen, die als Bestandteile eines Pferdezaumzeuges gedeutet werden. Kleinere Teile davon sind mit Rillen und gezackten Einschnitten geschmückt. Das vollständigere, einst wohl rechteckige Exemplar ist durchlocht sowie mit einem Ringauge und rosettenartigem Muster verziert.
Ein weiteres Teil von einem Pferdezaumzeug fand sich in Berlin-Buch. Dabei handelte es sich um einen zwölf Zentimeter langen, aus Geweih geschnitzten Knebel.
Bruchstücke von drei tönernen Scheibenrädern eines Miniaturwagens lagen im Brandgrab eines Kindes von Saalhausen 2. Die Radfragmente fanden sich in einer Schale sowie in zwei der insgesamt fünf Beigefäße mit Knochenresten des verbrannten Kindes. Der Durchmesser der Tonräder beträgt 6,5, 6,7 und 7,7 Zentimeter. Alle Räder haben eine ebene Innenseite und eine nach der Mitte hin verstärkte Außenseite mit längerer Nabe. Die drei Räder könnten zu einem Wagen gehört haben, der als Kinderspielzeug oder als Kultobjekt diente.
Weitere Tonräder sind von Berlin-Tegel und Tornow in Brandenburg sowie von der Heidenschanze bei Dresden-Coschütz in Sachsen bekannt. Ähnliche Funde liegen aus dem Verbreitungsgebiet der nordischen jüngeren Bronzezeit vor.
In Brandenburg wurden mehrere kleine bronzene Wagen entdeckt, die eine rituelle Bedeutung hatten. Eine tönerne Urne mit dem Leichenbrand eines Kindes im Forst Schweinert bei Falkenberg (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg enthielt die Bronzeplastik eines Pferdes.
Die Lausitzer Leute betrieben Tauschgeschäfte in einem vorher nicht gekannten Ausmaß. Besonders umfangreich und weitreichend gestaltete sich der Handel mit Bronze. Partner hierbei waren Angehörige von Kulturen, denen Erzlagerstätten zur Verfügung standen. Der Fernhandel erfolgte vor allem über große Flüsse wie die Elbe, Oder und die Saale.
Schmuckstücke aus Bernstein dürften seltene und kostbare Tauschobjekte gewesen sein. Auf Einfuhr von baltischem Bernstein und Weiterverarbeitung dieses Rohstoffes zu Schmuck deuten Funde aus dem norddeutschen Flachland zwischen Brandenburg/Havel und der Oder hin. Drei importierte Rohbernsteinstücke aus dem Depot von Bischofswerda-Belmsdorf von Bischofswerda (Kreis Bautzen) in Sachsen haben ein Gesamtgewicht von etwa 400 Gramm. Einzeln wiegen sie 238, 150 und 15 Gramm.
Formschöne Lausitzer Tongefäße waren ebenfalls als Handelswaren gefragt. Dies belegten Reste von importierter Lausitzer Keramik aus Gräbern in Niedersachsen (beispielsweise Garlsdorf, Kreis Harburg) und in Schleswig-Holstein.
Eine wichtige Rolle bei der Abwicklung des Fernhandels spielte wohl Brandenburg/Havel. Dieses Gebiet war dicht besiedelt, und es gab dort viele Werkstätten, in denen versierte Kunsthandwerker begehrte Erzeugnisse anfertigten. Auffällig ist in Brandenburg die große Anzahl von Bronzeobjekten wie Fibeln, Armringen, Beilen, Messern, Wendelringen und Importstücken.
Männer und Frauen trugen Halsketten mit Ton-, Bernstein- und Glasperlen als Anhängern. Diese Perlen wurden auf dem Tauschweg erworben. Außerdem gab es goldene Lockenspiralen, Armspiralen, Fingerspiralen und Armringe (»Eidringe«).
Bernsteinperlen fand man in Brandgräbern von Canitz (Muldentalkreis) und Nieschütz (Kreis Meißen-Radebeul) in Sachsen. Die vier Bernsteinperlen aus Nieschütz haben einen Durchmesser von bis zu 2,8 Zentimetern. Glasperlen lagen in Brandgräbern von Puschwitz (Kreis Bautzen) und Leipzig-Thekla in Sachsen.
Ein hohler goldener »Eidring« konnte am erwähnten Fundort Meyenburg-Schabernack in Brandenburg geborgen werden. Jeweils in einem Tongefäß lagen eine goldene Lockenspirale aus Lindenau (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg und sechs goldene Lockenspiralen von Weinböhla (Kreis Meißen-Radebeul) in Sachsen. Diese Schmuckstücke wurden aus doppeltem Golddraht geschaffen.
In einem Frauengrab in Leipzig-Thekla wurde außer einer Bronzenadel und einer Glasperle ein fossiler Seeigel mit künstlichem Anschliff zutage gefördert. Dieser Seeigel gehört zur Gattung Ananchytus, die an der Nordseeküste und auf der Ostseeinsel Rügen besonders häufig vorkommt. Ein weiterer fossiler Seeigel lag in einer Urne von Zwenkau (Kreis Leipziger Land). Vermutlich hat man sich einst an der schönen Form der urzeitlichen Meerestiere erfreut.
Zu den Kunstwerken der Lausitzer Kultur gehören tönerne Schalen mit Vogelplastiken, tönerne Tierfiguren (Vogel, Salamander, Katze), eine kleine menschengestaltige Plastik aus Stein und die bereits erwähnte Bronzeplastik eines Pferdes bei Falkenberg/Elster. Sicherlich ist mit diesen wenigen Zufallsfunden nur ein kleiner Ausschnitt des Kunstschaffens erfaßt.
In einem Grab von Klein-Döbbern (Kreis Spree-Neiße) in Brandenburg fand sich eine Schale mit drei Vogelplastiken. Der Mündungsdurchmesser des Gefäßes mißt 14,4 Zentimeter. Auf seinem Boden hatte man drei Sockel in einer Reihe angebracht und darauf drei Schwimmvögel gesetzt. Die Vogelplastiken waren durch nicht mehr erhaltene Stifte mit den Sockeln verbunden und abnehmbar. Wenn die Schale mit Wasser gefüllt wurde, sah es so aus, als ob die Vögel darauf schwimmen würden.
Eine ähnliche Schale mit zwei Vogelplastiken liegt aus Burg (Kreis Spree-Neiße) in Brandenburg vor. Solche Schalen dienten vermutlich als Trinkgefäße und könnten eine unbekannte Kultfunktion erfüllt haben.
Aus einem der Grabhügel von Beyern-Löhsten (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg stammt eine rötlichbraune tönerne Katzenfigur, für die offenbar eine Wildkatze (Felis sylvestris) als Vorbild diente. Die Figur ist 9,5 Zentimeter lang, hat eine Rückenhöhe von 5,8 Zentimetern und eine maximale Rumpfbreite von 4,2 Zentimetern. Augen, Maul und After sind durch Eintiefungen markiert, Ohren, Beine, Schwanz und die männlichen Geschlechtsteile an den Kopf beziehungsweise Rumpf angesetzt.
In der Siedlung Berlin-Buch hat man tönerne Tierfiguren entdeckt, die nach Ansicht des Prähistorikers Albert Kiekebusch als Lampen dienten. Dargestellt wurden ein Vogel und ein langhalsiger Vierfüßler, der am ehesten einem Salamander (Salamandra salmandra) ähnelt.
Musiziert wurde mit tönernen Klappern, Flöten, Okarinas und Reiben. Die Klappern hat man offenbar bei Totenfeiern geschüttelt und danach mit ins Grab gelegt. Manche Prähistoriker betrachten sie als ein Mittel, mit dem böse Geister ferngehalten werden sollten. Zwei Klappern in Vogelgestalt und zwei weitere in Flaschenform konnten aus Brandgräbern von Belgern-Liebersee (Kreis Torgau-Oschatz) in Sachsen geborgen werden.
Im Grab eines alten Mannes von Przeczye bei Katowice in Polen hat man absichtlich neun Flötenrohre einer Panflöte (Syrinx) aus Schaf- und Ziegenknochen verstreut. Aus Komorowo in Polen ist eine Okarina und aus Jankowo eine Reibe bekannt.
Die Lausitzer Leute haben ihre Verstorbenen meistens auf Scheiterhaufen verbrannt. Mitunter befindet sich die Brandstelle direkt unter dem Grab. Daneben gab es langfristig benutzte Scheiterhaufen (Ustrinen). Die übriggebliebenen Knochenreste wurden häufig in tönerne Urnen geschüttet und oft in großen Urnenfeldern bestattet, was auch für die süddeutsche Urnenfelder-Kultur typisch war.
Bevorzugte Standorte für Friedhöfe waren Anhöhen und Gebiete mit sandigem Boden. Meistens wurden Flachgräber angelegt, seltener Hügelgräber, des weiteren Erdgräber ohne und mit Steinschutz. Für in der Ferne verstorbene, im Kampf gefallene oder verschollene Menschen hat man mitunter Scheingräber errichtet.
Die Urnen wurden in der Mehrzahl mit einer Schale abgedeckt und häufig mit Beigefäßen umstellt. In anderen Fällen hat man über den Leichenbrand, nachdem er in das Grab geschüttet worden war, ein Tongefäß gestülpt. Außer tönernen Urnen sind wohl vergängliche Behältnisse aus Holz, Leder oder Stoff mit Leichenbrand gefüllt worden.
Scherbenpflaster und Scherbenpackungen gelten als Hinterlassenschaften des Bestattungszeremoniells mit Totenschmaus und Zerschlagen von Töpfen. Die Beigaben der Toten wurden meistens mit auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Eines der größten Gräberfelder im Gebiet der Lausitz erstreckte sich auf der Kuppe des Schafberges und dessen Osthang bei Niederkaina (Kreis Bautzen) in Sachsen. Auf diesem Friedhof wurden im Laufe der Zeit mehr als 2000 Brandbestattungen vorgenommen.
Das Hügelgräberfeld unweit der Schwarzen Elster im Forst Schweinert bei Falkenberg/Elster (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg umfaßte mehr als 640 Gräber. Im Westteil waren große Hügel mit Erdbrücken aufgeschüttet worden, die kreuzförmig nach den Himmelsrichtungen orientiert sind. Im Ostteil lagen kleinere Hügel in Gruppen. Die großen Hügel enthielten Scheiterhaufen und darüber rechteckige Steinpflaster mit ausgeschüttetem Leichenbrand, Tongefäßen, bronzenen Nadeln, Ringen, Lanzenspitzen, Griffzungenmessern mit Ringende, Goldspiralen, Amuletten, tönernen Spinnwirteln und Resten verbrannter Tiere. Darüber hatte man Steinpackungen angehäuft. In den kleineren Hügeln wurden Gruben freigelegt.
Im Hügelgräberfeld beim ehemaligen Ort Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg wurden etwa 370 Menschen und über 90 Tiere bestattet. Die Tierreste stammen – wie erwähnt – von Pferden, Rindern, Schafen Ziegen, Hunden, Schweinen und von einem Rothirsch. Die teilweise beigesetzten Tiere waren wohl als Wegzehrung für Verstorbene gedacht und die vollständig beerdigten Vierbeiner als Haustiere für das Jenseits bestimmt.
Zu den größeren Friedhöfen in Brandenburg zählten die Gräberfelder in Berlin-Rahnsdorf (etwa 240 Gräber), in Diensdorf im Kreis Oder-Spree (154 Gräber) und in Saalhausen im Kreis Oberspreewald-Lausitz (drei Gräberfelder).
Der Friedhof Saalhausen 1 mit einer unbekannten Zahl früheisenzeitlicher Bestattungen wurde seit etwa 1970 durch Kiesabbau zerstört. Saalhausen 2 umfaßte etwa 200 meistens jungbronzezeitliche Gräber und Saalhausen 3 nahezu 600 spätbronzezeitliche und früheisenzeitliche Bestattungen.
In Saalhausen 3 beobachtete der in Potsdam tätige Ausgräber Eberhard Bönisch erstmals für die Niederlausitz zahlreiche rechteckige und quadratische Holzkistengräber. Sie wurden aus Kiefernholz in Gruben gezimmert, die etwa einen halben Meter tief, bis zu einem Meter breit und maximal 1,75 Meter lang waren. Die Holzkisten hatten innen eine Fläche von einem halben bis zu einem Quadratmeter.
In die Holzkistengräber wurden eine Urne oder mehrere mit den Knochenresten des verbrannten Toten sowie Tongefäße und andere Gebrauchsgegenstände gestellt. Danach deckte man die Grabkiste mit Brettern zu, füllte die Baugrube aus, entzündete die Grabkiste, schüttete das Grab mit Erdreich zu und löschte so das Feuer. Um das Grab sind ein Ringgraben und ein Steinkreis angelegt worden. Insgesamt umgab man etwa 100 Rechteck- und Holzkistengräber in Saalhausen 3 mit Steinkreisen von meistens 2,50 Meter Durchmesser.
Viele der Bestattungen in Saalhausen 3 sind von Grabräubern geplündert worden. Letztere gruben einen Schacht, durchstießen die Grabdecke an der Stelle, wo die Urne stand, hoben sie heraus, entnahmen die wertvollen metallenen Grabbeigaben, kippten den Leichenbrand zurück und verfüllten den Schacht mit feinem ortsfremdem Sand.
In Diensdorf wurden Reste von mehr als 500 Tongefäßen entdeckt. Ein Grab enthielt 19 Gefäße unterschiedlicher Größe sowie Nadeln und Ringe zum Feststecken der Kleidung.
Auf dem Gräberfeld in Berlin-Rudow hat man eine verbrannte Wildkatze (Felis sylvestris) in einem Tongefäß bestattet und ein Beigefäß dazugestellt. Angesichts der scheuen Lebensweise und Wildheit von Wildkatzen dürfte es sich kaum um ein gezähmtes Tier gehandelt haben.
Manche Funde aus Urnen mit Leichenbrand geben den Prähistorikern noch Rätsel auf. So enthielt ein Brandgrab von Nieschütz (Kreis Meißen-Radebeul) in Sachsen vier Stück Urnenharz, von denen zwei deutliche menschliche Bißspuren tragen. Da die Harzstücke keine Brandmerkmale aufweisen, konnten sie nicht zusammen mit dem Leichnam auf dem Scheiterhaufen gelegen haben.
Von Experten werden die Urnenharzstücke mit den Bißspuren unterschiedlich gedeutet. Vielleicht dienten sie als symbolischer Mundverschluß des Toten, der so am Sprechen gehindert werden sollte. Oder man wollte vermeiden, daß bei der Leichenstarre der Unterkiefer herunterklappte, und hat die Harzstücke vor der Übergabe ins Feuer entfernt. Es ist auch denkbar, daß die Bißspuren von Teilnehmern des Bestattungszeremoniells hinterlassen wurden, etwa um damit den Schmerz über den Verlust eines Menschen auszudrücken.
Die Lausitzer Leute praktizierten vermutlich einen Fruchtbarkeitskult, der auf Ackerbau und Viehzucht ausgerichtet war. Zu diesem Kult gehörten vielleicht Opfer an die Sonne, den Mond oder an Naturgewalten wie den Regen und den Sturm. Nachgewiesen sind Sachopfer, Opferfeuer, Kultobjekte, Tier- und Menschenopfer.
Die Opfergaben wurden an Quellen, Bächen, Flüssen, Mooren und Seen, an großen Findlingsblöcken und einzeln stehenden hohen Bäumen dargebracht. Bei den Opferzeremonien hat man Opferfeuer entzündet. Als Weiheobjekte dienten Bronzeobjekte, Geschirr, Tongefäße mit Speisen und Getränken, Pflanzen, Tiere und Menschen und Teile von solchen.
Zu allerlei Spekulationen geben tönerne Becher mit symbolhaften Zeichen Anlaß, die von manchen Prähistorikern für Opfergefäße gehalten werden. Solche Kultbecher kennt man aus Coswig (Kreis Meißen-Radebeul) in Sachsen und Schraden (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg.
Der Becher aus Coswig kam in einem Gräberfeld zum Vorschein. Er ist 10,8 Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von 6,5 Zentimetern und eine Wandstärke von 0,6 Zentimeter. Verziert ist er unter anderem mit drei Sonnenrädern aus je drei Kreisen, einem leiterartigen Motiv und verschiedenen Furchen. Das Leitermotiv wird aus zwei senkrechten Strichen gebildet, die neun unregelmäßig verlaufende Sprossen umrahmen, von denen die mittelste eine römische Fünf (V) bildet. Der Berliner Prähistoriker Otto-Friedrich Gandert (1898-1983) vermutete einen astronomischen oder kalendarischen Sinn.
Der Becher aus Schraden ist 9,1 Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von 7,3 Zentimetern und eine Wandstärke von 0,6 Zentimeter. Seine Verzierung besteht aus drei Wellenbändern mit je vier Linien und in jedem Mittelfeld ein stehendes Kreuz. Dieses Kreuzzeichen ist auch im Nackenteil von Lausitzer Steinhämmern eingraviert und hatte wohl symbolartigen Charakter.
Speiseopfer in besonders sorgfältig hergestellten und verzierten Tongefäßen wurden in Dresden-Dobritz in Sachsen sowie in Raddusch (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg entdeckt. Man hat sie möglicherweise einer Fruchtbarkeitsgottheit dargebracht, der damit nach der Ernte gedankt werden sollte.
Als Zeugnisse einer Opferhandlung deutet der Berliner Prähistoriker Alfred Kernd'l die Relikte von Tongefäßen, Haus- und Wildtieren, Holzkohlenreste und faustgroße Steine aus dem Groß-Glienicker See in Berlin-Spandau. Dabei handelte es sich um 15 Kannen, eine Zylinderhalsterrine, eine Amphore sowie um Knochen vom Rind, Schwein, Schaf, Pferd, Fuchs (Vulpes vulpes), Rothirsch (Cervus elaphus) und von der Ziege. Diese Funde wurden von Sporttauchern etwa 40 Meter vom Ufer entfernt in vier Meter Tiefe auf einer Fläche von fünf bis sechs Quadratmetern verteilt geborgen.
Nach Auffassung Kernd'ls ist am Ufer des Groß-Glienicker Sees ein Opfer vollzogen oder ein Opfermahl gehalten worden. Als das Ritual beendet war, hat man die bei der kultischen Handlung verwendeten Gefäße vom Boot oder Floß aus aufrecht und vorsichtig im See versenkt. Die nächstgelegene Siedlung lag etwa 150 Meter östlich auf dem Hochufer.
An einer Opferstelle im Gräberfeld von Drehna (Kreis Dahme-Spreewald) in Brandenburg lagen in einer 42 Zentimeter tiefen Grube mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern nicht nur Knochenreste vom Rind, die man als Speiseopfer interpretieren könnte. Dort fanden sich außerdem Scherben von zertrümmerten Tongefäßen und verkohlte pflanzliche Samen von Ackerbohnen, Linsen, Weizen, Unkräuter sowie Holzkohle von Kiefer und Fladenreste.
Offenbar wurde mit einem Opfer versucht, den in einem Frühjahr versiegten Brunnen 2 am Ufer der Bäke von Berlin-Lichterfelde wieder zum Sprudeln zu bringen. Zu diesem Zweck hat man etwa 100 Tongefäße mit Pflanzenopfern in das Brunnenrohr gepackt. Die Gefäße waren mit Honig, Getreide, Lindenblüten, Weidenkätzchen, Gewürzen (Beifuß, Liebstöckl), Wildgemüse (Melde) gefüllt. Die Gaben wurden mit Reisig und Schilf abgedeckt und mit Steinen beschwert. Neben dem Brunnen hat man einen zugespitzten Eichenpfahl in den Boden gerammt. Danach wurde in etwa ein bis zwei Kilometer Entfernung ein neues Dorf errichtet und der Opferplatz gelegentlich aufgesucht, wobei man weitere Gefäße darbrachte.
Als Kultobjekte lassen sich kleine bronzene Deichselwagen mit drei oder zwei Rädern auf einer Achse deuten, die in Brandenburg und im heutigen Polen gefunden wurden. Dreirädrige Kultwagen kennt man aus Potsdam-Eiche in Brandenburg, aus der Gegend zwischen Frankfurt/Oder und Drossen (Drecin/Polen) sowie aus Oberkehle (Kalowice) in Niederschlesien. Aus Burg (Kreis Spree-Neiße) liegen ein dreirädriger und ein zweirädriger Deichselwagen vor. In Görlitz (Niederschlesien) konnten ein Wagenrad und Wagenreste geborgen werden.
Der Miniaturwagen aus Potsdam-Eiche beispielsweise ist 15 Zentimeter hoch, 22 Zentimeter lang, hat eine 20 Zentimeter lange Achse und drei Räder mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern. Seine Deichsel wird von der Bronzeplastik eines Singschwans (Cygnus cygnus) verziert. Der Deichselwagen aus der Gegend zwischen Frankfurt/Oder und Drossen ist zwölf Zentimeter hoch, 21 Zentimeter lang und hat eine 15 Zentimeter lange Achse. Auch er wurde mit einem Steven in Höckerschwangestalt versehen, außerdem trägt er auf der Tülle Vogelplastiken mit Entenschnäbeln.
Nach den Funden zu schließen, dürften Pferde bevorzugte Opfertiere gewesen sein. Reste von geopferten Pferden wurden in Gräbern von Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) und Wergzahna (Kreis Teltow-Fläming) in Brandenburg gefunden. Außerdem mußten Rinder und andere Tiere aus kultischen Motiven ihr Leben lassen.
Auch vereinzelte Bestattungen menschlicher Schädel an etlichen Fundorten spielten vermutlich eine Rolle im Kult. Vielleicht betrachtete man den Kopf als wichtigsten Teil des Toten und hat ihn deswegen in manchen Fällen besonders behandelt. Separate Schädeldeponierungen sind aus Görzke (Kreis Potsdam-Mittelmark) und Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg bekannt. Im Hügel 1 von Lüsse (Kreis Potsdam-Mittelmark) wurden zwei Rinderschädelhälften im menschlichen Leichenbrand beigesetzt. Möglicherweise handelte es sich um Totemtiere.

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