Dienstag, 8. Januar 2008

Die Hügelgräber-Kultur (etwa 1600-1300/1200 v. Chr.)

Der Kult der »goldenen Hüte«

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Etwa um 1600 v. Chr. änderten sich in weiten Teilen Europas die Bestattungssitten radikal: Statt die Toten wie in der Frühbronzezeit in Flachgräbern beizusetzen, schüttete man nun häufig über den Gräbern ein bis zwei Meter hohe Hügel auf und setzte dann nicht selten noch weitere Verstorbene darin bei. Auf diesem neuen Brauch beruht der Begriff »Hügelgräber-Kultur«, den 1902 der damals am Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Mainz, tätige Prähistoriker Paul Reinecke (1872–1958) geprägt hat. Bei der Namenswahl wurde er vermutlich durch die 1887 erschienene Publikation »Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee« des Münchener Historienmalers und Altertumsforschers Julius Naue (1832–1907) inspiriert.
Nach heutigem Kenntnisstand war die Hügelgräber-Kultur etwa ab 1600 bis 1300/1200 v. Chr. von Ostfrankreich (Elsaß) bis nach Ungarn (Karpatenbecken) verbreitet. Sie ist in diesem Raum mit der Mittelbronzezeit identisch und läßt sich in zahlreiche Lokalgruppen gliedern.
Zu den im Gebiet von Deutschland vertretenen Lokalgruppen gehören die Württembergische Gruppe, die Oberbayerische Gruppe, die Oberpfälzisch-böhmische Gruppe, die Rhein-Main-Gruppe, die Werra-Fulda-Gruppe und die Lüneburger Gruppe. Die Lokalgruppen unterscheiden sich durch die Keramik sowie bronzene Schmucktracht und Bewaffnung voneinander.
Die Angehörigen der süddeutschen Hügelgräber-Kultur stammen von den Menschen der Frühbronzezeit im selben Gebiet ab. Sie sind nicht eingewandert, wie der Marburger Prähistoriker Friedrich Holste (1908-1942) in einer 1953 posthum erschienenen Publikation meinte. Nach seiner Ansicht spiegelten angeblich die mittelbronzezeitlichen Fundstellen in einigen Gebieten Süddeutschlands eine andere Verbreitung als die frühbronzezeitlichen Fundorte wider. Doch später wurden viele der vermeintlichen Fundlücken durch neue Entdeckungen geschlossen.
Wie groß die damaligen Menschen waren, wird anhand von sieben Bestattungen bei Nersingen (Kreis Neu-Ulm) in Bayern ersichtlich, die durch den Münchener Anthropologen Peter Schröter untersucht wurden. Dort erreichten die Männer eine Größe zwischen 1,60 und 1,70 Metern und die Frauen zwischen 1,52 und 1,57 Metern. Ein sechsjähriges Kind brachte es auf eine Körperhöhe von etwa einem Meter. Als ungewöhnlich groß für jene Zeit gilt ein Mann von angeblich 1,93 Metern aus Gauingen-Hochberg (Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg. Diese Maßangabe beruht jedoch auf einer Messung des Ausgräbers bei der Grabung und nicht auf einer anthropologischen Körperhöhenschätzung.
Mit Prunk und Pomp vorgenommene Bestattungen deuten auf erhebliche gesellschaftliche Unterschiede in der Bevölkerung hin. Offenbar hat es Häuptlinge oder »Fürsten« gegeben, die großen Reichtum anhäufen konnten. Ein solcher Anführer war wohl der »Fürst« von Hagenau bei Regenstauf (Kreis Regensburg) in Bayern. Auch bei der übrigen Bevölkerung gab es merkliche Unterschiede zwischen arm und reich innerhalb einer Sippe sowie zwischen verschiedenen Gegenden.
Frauen wurden mit ihrem gesamten Schmuck beerdigt. Nur ihnen legte man wertvolle Bernstein- und Glasperlen mit ins Grab. Der Weimarer Prähistoriker Rudolf Feustel vertritt die Ansicht, daß die bronzenen Schmuckstücke die Frauen nicht nur schmücken, sondern vor allem den Reichtum ihrer Ehemänner demonstrieren und so deren gesellschaftliche Reputation und Macht erhöhen sollten.
Feustel hat nach Untersuchungen von Hügelgräbern in Thüringen zahlreiche interessante Schlüsse über die damalige Gesellschaft gezogen. Das ausgeglichene Verhältnis der Bestattungen von Männern und Frauen sowie vereinzelte Doppelbestattungen von Mann und Frau beispielsweise deuten nach seiner Auffassung auf Monogamie hin.
In der Gesellschaft hatten anscheinend die Männer das Sagen, vermutet Feustel. Denn anders ließe es sich kaum erklären, warum unter hohem Arbeitsaufwand und sicherlich als Gemeinschaftsunternehmen fast alle Grabhügel für jeweils einen Mann errichtet worden seien. Zudem lagen fast sämtliche Männer im Zentrum und auf dem Grund des Grabhügels, während die Frauen und Kinder meist am Rand bestattet wurden.
Fremde Schmuckformen in manchen Frauengräbern beweisen Einheirat von Frauen aus anderen Gegenden. So trug eine Frau, die in Neuenstein-Obergeis (Kreis Hersfeld-Rotenburg) in Hessen bestattet wurde, eine Radnadel und eine Fibel, die für die Lüneburger Gruppe in Niedersachsen typisch ist. Im Grab eines Mädchens von Hünfeld-Molzbach (Kreis Fulda) lagen einige Schmuckstücke aus dem Maingebiet. Nach Erkenntnissen des Prähistorikers Albrecht Jockenhövel aus Münster/Westfalen dürften Frauen selten weiter als in ihre direkte Nachbargruppe eingeheiratet haben.
Mitunter sind ältere Männer nach weiblichem Ritus beigesetzt worden. Der Prähistoriker Alexander Häusler aus Halle/Saale deutete 1966 diese Bestattungen als solche von Homosexuellen und Transvestiten.
Die Hügelgräber-Leute sind meistens nicht sehr alt geworden. Unter den 16 Verstorbenen von Wixhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) in Hessen wurde kein einziger älter als 60 Jahre und nur einer überschritt das 40. Lebensjahr. Von den neun Erwachsenen in Wixhausen waren zwei Männer und sieben Frauen. Auch die beiden Jugendlichen von dort sind weiblich, der Rest starb bereits im Kindesalter.
Auf ungünstige Lebensbedingungen deuten auch die bei Jüchsen (Kreis Schmalkalden-Meiningen) in Thüringen entdeckten Bestattungen hin. Von sieben Männern sind fünf (71 Prozent) schon im Alter von 20 bis 35 Jahren gestorben, ein Mann wurde um die 40 Jahre alt und ein weiterer mindestens 40 bis maximal 60 Jahre.
Untersuchungen der Gebisse aus Nersingen zeigten, daß es um die Zähne häufig schlecht bestellt war. Der Mann in Grab 2 hatte alle Zähne des Oberkiefers sowie die Mahlzähne und den rechten zweiten Vormahlzahn des Unterkiefers verloren. Die wenigen noch vorhandenen Zähne waren stark abgeschliffen, und der linke erste Vorbackenzahn war von Karies befallen. Bei der Frau aus Grab 3 sind die Zähne auf der rechten Seite des Ober- und Unterkiefers stärker abgekaut als links. Ihre oberen ersten Backenzähne sind von Karies geschädigt, und an etlichen Zähnen im Ober- und Unterkiefer haften Zahnsteinreste. Beim Mann aus Grab 6 ist der untere zweite Vormahlzahn ausgefallen, die Schneidezähne sind relativ stark abgeschliffen, und es konnte geringer Zahnsteinbefall festgestellt werden.
Ein mindestens 14jähriger Jugendlicher von Wilsingen (Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg hat nach einer Entzündung im Oberkiefer den rechten ersten Vormahlzahn verloren. Im Unterkiefer war sein linker zweiter Vormahlzahn ungewöhnlich klein und bildete nur einen Lückenfüller zwischen dem ersten Vormahlzahn und Mahlzahn. Eine Frau aus Wixhausen hatte Überbiß.
Auch an den Skeletten sind mancherlei Krankheiten ablesbar. So litt der erwähnte Mann aus Grab 2 von Nersingen unter degenerativen Gelenk- und Wirbelschäden. Ein mehr als 40 Jahre alter Mann aus Wilsingen hatte in der Hals- und Brustwirbelsäule eine Spondylitis (Wirbelentzündung). Und der ebenfalls erwähnte 40 bis 60 Jahre alte Mann aus Jüchsen muß große Arthroseprobleme gehabt haben.
Sogar Opfer von Gewalttaten sind aus einigen Hügelgräbern in Bayern und Thüringen bekannt. Es handelt es sich hierbei um Menschen, die durch Pfeilschüsse ums Leben gekommen sind. So steckte einem Toten in der Gegend des unterfränkischen Ortes Stetten (Kreis Main-Spessart) die eingeschossene bronzene Pfeilspitze noch in einem seiner Oberarmknochen. Ob dieser Mensch an seiner Verwundung starb, ist unbekannt, weil weitere Skelettreste fehlen. Wahrscheinlich hat er diese Verletzung nicht lange überlebt.
Auf eine Tragödie lassen auch die Funde in der Grabkammer eines Hügels bei Jüchsen schließen. Dort hatte man drei männliche Tote gleichzeitig bestattet. Obwohl die Grabkammer genügend Platz bot, bettete man zwei der Männer nicht nebeneinander, sondern in entgegengesetzter Richtung übereinander. Zwischen den Skelettknochen dieser beiden Männer lagen insgesamt acht Pfeilspitzen, die ihnen wahrscheinlich den Tod gebracht haben. In einigem Abstand war in extremer Hockstellung – möglicherweise gefesselt – ein dritter Mann niedergelegt worden.
Nach Ansicht des erwähnten Prähistorikers Rudolf Feustel kann man darüber spekulieren, ob alle drei Männer hingerichtet worden waren, oder ob der dritte, gefesselte Mann die beiden anderen erschossen hatte. War letzterer vielleicht wegen der Bluttat zum Tode verurteilt und aus Vergeltung lebend zu seinen Opfern ins Grab gelegt worden? Zumindest sollte seine Wiederkehr aus dem Jenseits verhindert werden.
Als weiteres Zeugnis dafür, daß Pfeil und Bogen nicht nur als Jagdwaffen, sondern auch bei Konflikten eingesetzt wurden, gilt eine Bestattung aus Klings/Rhön (Wartburgkreis) in Thüringen. In diesem Fall steckte eine Pfeilspitze in einem menschlichen Rückenwirbel. Eine Schußverletzung in Saalfeld (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) in Thüringen war offenbar nicht tödlich, weil die Pfeilspitze von Knochenwucherungen umgeben ist.
Ein anderer seltener Fund beweist, daß es auch im Verbreitungsgebiet der Hügelgräber-Kultur Medizinmänner gab, die Schädeloperationen (Trepanationen) vornahmen. Der entsprechende Nachweis – ein Schädel mit rundlicher Öffnung – gelang in einem der Hügelgräber von Lochham (Kreis München). Die Bronzeobjekte aus den Hügelgräbern von Lochham wurden 1938 durch den Prähistoriker Friedrich Holste als älteste Funde der Hügelgräber-Kultur bezeichnet und dem sogenannten Lochham-Horizont zugerechnet.
Die Haltung von Schafen und Funde von tönernen Spinnwirteln zum Spinnen von Wolle deuten darauf hin, daß die damalige Kleidung aus Schafwolle angefertigt wurde. Spinnwirtel kennt man aus Gräbern von Holzalfingen bei Lichtenstein und Hundersingen bei Münsingen (beide Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg. Die Kleidung war vielleicht teilweise mit ähnlichen Mustern verziert, wie sie auf der Oberfläche mancher Tongefäße zu sehen sind.
Das Gewand der Männer wurde durch eine bronzene Nadel zusammengehalten. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen Kolbenkopf-, Lochhals- und Trompetenkopfnadeln. Bei diesen Nadeln gab es einen Trend zu bombastischen Formen, der in Häuptlings- beziehungsweise »Fürstengräbern« besonders drastisch zum Ausdruck kommt. Zur Garderobe der Männer gehörte ein Gürtel aus Wolle oder Leder, der manchmal mit einem bronzenen Gürtelhaken oder -blech versehen war.
Als Gürtelhaken bezeichnet man jenen Teil des Gürtels, der beim Verschließen zum Einhängen in ein anderes Teil diente. Er besteht aus einem Haken oder Dorn und einer Vorrichtung zur Befestigung am Gürtel. Beliebt waren Gürtelhaken aus Bronzedraht mit Spiralscheiben an beiden Enden. Man fand kleine Exemplare von nur zwei Zentimeter Länge, wie in Wilsingen (Kreis Reutlingen), aber auch große von 24 Zentimeter Länge, wie in Mehrstetten (Kreis Reutlingen). Von den Gürtelhaken unterscheiden sich die nach dem gleichen Prinzip angefertigten Gürtelbleche, die ebenfalls Teil eines Gürtels aus organischem Material waren.
Im Gegensatz zum Gewand der Männer wurde das Kleid der Frauen an beiden Schultern durch je eine bronzene Radnadel zusammengehalten, oder man hatte damit den Schulterumhang festgesteckt. Im östlichen Teil Süddeutschlands trugen die Frauen ein lang herabfallendes, schürzenartiges Kleidungsstück, das mit kleinen Bronzehütchen besetzt und verziert war. Die Füße blieben entweder nackt oder steckten in offenen Sandalen. Manche Zehen wurden mit bronzenen Ringen verschönert.
Bei den Frauen in Südthüringen waren schleierartige Kopf- und Schultertücher aus feinen Wollfäden, ärmellose oder langärmelige Blusen sowie knöchellange Röcke aus dichtem, gewalktem Wolltuch in Mode. Wie ein Fund aus der Gegend bei Schwarza (Kreis Schmalkalden-Meiningen) in Thüringen zeigt, gehörten zur weiblichen Ausstattung auch kleine Beutel aus Schafleder.
Daß die Frauen der Werra-Fulda-Gruppe in Südthüringen und in Osthessen sich in lange Röcke hüllten, schloß der Prähistoriker Rudolf Feustel aus der Tatsache, daß in diesen Gebieten kaum Knöchelbänder oder sonstiger Beinschmuck gefunden wurde. Dagegen haben die Frauen der Rhein-Main-Gruppe ihre Beine häufig mit Bronzeschmuck versehen und deswegen wohl kurze Röcke bevorzugt.
Manche Frauen in Süddeutschland besaßen wertvolle bronzene Gürtel aus einem Blechband mit einem Haken am einen und einer Einhängevorrichtung (meistens einfache Löcher) am anderen Ende. Besonders dekorative Blechgürtel kamen in Großen-Linden (Kreis Gießen) und Hünfeld-Molzbach (Kreis Fulda) in Hessen zum Vorschein. An dem 80,6 Zentimeter langen Blechgürtel von Großen-Linden hafteten sogar noch Lederreste. Er ist an einem Ende mit eingepunzten Buckeln verziert.
Das fragmentarisch erhaltene, 49,3 Zentimeter lange Gürtelblech aus dem Mädchengrab von Hünfeld-Molzbach (Flur Bomberg) ist an einem Ende zur Vorderseite hin spiralförmig eingerollt. Sechs kleine Durchbohrungen am anderen Ende könnten von einer Reparatur stammen. Dieses Gürtelblech trägt auf der Schauseite ein Dekor aus getriebenen Perlbuckeln. Die beiden Längsseiten werden von doppelten Perlreihen gesäumt. Das große unverzierte Mittelfeld wird auf beiden Enden von je einer senkrechten Reihe größerer Schrägkreuze zwischen dreifachen Perlreihen begrenzt.
Ab der Hügelgräber-Kultur stutzten sich die Männer in Mitteleuropa mit bronzenen Rasiermessern die Kopf- und Barthaare und zupften sich mit bronzenen Pinzetten lästige Haare aus. Solche Toilettegegenstände hatte es zuvor schon bei der Mykenischen Kultur in Griechenland gegeben. Sie wurden vermutlich durch Kontakte mit dieser Kultur bekannt und verbreitet. Die Rasiermesser der Mittelbronzezeit sind allesamt zweischneidig und häufig mit einen Ring an einem Ende versehen.
Experimente mit bronzenen Rasiermessern ergaben, daß man sich damit nicht täglich rasieren konnte. Manche Autoren nehmen an, die Rasur sei nur bei festlichen oder kultischen Anlässen vorgenommen worden. Um die Schneiden zu schützen, hat man die Rasiermesser in Schutzhüllen aus Holz, Leder, Stoff oder Bronzeblech aufbewahrt. An einem Rasiermesser von Muckenwinkling bei Agendorf (Kreis Straubing-Bogen) wurden auf einer Seite Reste von Haaren und auf der anderen Lederreste vom einstigen Futteral festgestellt. Die Klingen der Rasiermesser sind zuweilen durch Dengeln oder Schleifen geschärft worden.
Mit den bronzenen Pinzetten ließen sich Kopf- oder Barthaare entfernen, die dem Rasiermesser widerstanden hatten. Als erster vermutete dies 1916 der damals in Berlin tätige Prähistoriker Max Ebert (1879–1929). Der bereits erwähnte Münchner Historienmaler Julius Naue dagegen vertrat 1894 die Ansicht, man habe mit den Pinzetten Fäden durchgezogen.
Unterschiedlich gedeutet wurden auch bronzene Pfrieme. Der dänische Prähistoriker Sophus Müller (1846–1934) bezeichnete diese Metallgeräte schon 1897 als Tätowiernadeln. Seine Erklärung findet heute noch die meisten Anhänger. Im Gegensatz dazu stieß die phantasievolle Deutung des Hamburger Prähistorikers Gustav Schwantes (1881-1960), es handle sich um Dornauszieher, in der Fachwelt auf wenig Gegenliebe.
Die Lage der Goldringe im Grab des erwähnten »Fürsten« von Hagenau läßt darauf schließen, daß dieser bedeutende Mann sein Haar zu einem hüftlangen Zopf geflochten hatte. Wenn dies zuträfe und es sich tatsächlich um einen mächtigen Herrscher handelt, wäre der Zopf wohl nicht vom Fürsten selbst, sondern von einem Familienmitglied oder Untergebenen kunstvoll geflochten worden.
Die Siedlungen der Hügelgräber-Leute lagen im Flachland an Quellen, Bächen, Flüssen und Seen, welche die Wasserversorgung sicherten, sowie auf Bergen mit mehr oder minder steilen Hängen. Die auf Bergen errichteten Höhensiedlungen konnten sowohl unbefestigt als auch stark geschützt sein. Die besonders wehrhaften Höhensiedlungen mit Erdwällen oder Steinmauern gelten als Sitze von Häuptlingen oder »Fürsten«, die deren Macht demonstrierten.
Eine kleine Flachlandsiedlung wurde am Rabenhof bei Freystadt-Thannhausen (Kreis Neumarkt) in Bayern entdeckt. Sie setzte sich aus drei in einer Reihe angeordneten kleinen Pfostenbauten von etwa sechs Meter Länge und vier Meter Breite zusammen. Die Behausungen waren entlang einer Umzäunung und in gleichmäßigen Abständen voneinander errichtet. Als tragendes Element der Hauskonstruktion dienten vier Reihen von jeweils drei Pfosten, die man im Abstand von zwei Metern in den Boden eingegraben hatte. Die Außenwände bestanden aus Flechtwerk mit Lehmbewurf. Abdrücke des Flechtwerks waren häufig in Lehmbrocken zu sehen, die durch einen Brand verziegelt wurden.
Die Behausungen sind offenbar häufig bei Bränden zerstört worden, wie Funde von Hüttenlehm, Mahlsteinen und Tongefäßen mit starken Feuerspuren verraten. Derartige Zeugnisse für eine Brandkatastrophe wurden am Fundort Riedwiesen von Frankfurt/Main-Schwanheim entdeckt, einer Siedlung, die nach dem Unglück von den Bewohnern aufgegeben worden war. Ob das Feuer durch unachtsamen Umgang entstand oder durch Angreifer gelegt wurde, ist in diesem Fall nicht zu klären.
Hüttenlehm mit Abdrücken von Flechtwerk hat man auch in Bubenheim (Kreis Mainz-Bingen) in Rheinland-Pfalz entdeckt. Der Lehm für die Hauswände und für die Keramik
wurde aus Gruben entnommen, die man in Nähe der Baustelle ausgehoben hatte. In den Häusern gab es mit Steinen gepflasterte Herde und teilweise in den Fußboden eingelassene tönerne Vorratsgefäße.
Seeufer waren zur Zeit der süddeutschen Hügelgräber-Kultur keine idealen Siedlungsplätze mehr, weil sich das Klima rapide verschlechterte. Seeufersiedlungen aus jenem Abschnitt kennt man in Bodman-Schachen am Bodensee (Kreis Konstanz) und am Federsee bei Bad Buchau (Kreis Biberach) in Baden-Württemberg.
Am Federsee wurde um 1500 v. Chr. erneut ein Dorf errichtet, das noch etwas größer als die frühbronzezeitliche »Siedlung Forschner« war. Doch spätestens um 1450 v. Chr. mußte das durch einen Palisadenring befestigte Dorf wegen einer Überschwemmung schon wieder aufgegeben werden.
Den letzten Bewohnern der »Siedlung Forschner« könnte bereits das Bau- und Brennholz knapp geworden sein, weil sie den umliegenden Laubwald aus Buchen, Eschen und Eichen unterschiedlichen Alters planlos abholzten. Allein auf der ausgegrabenen Fläche der Siedlung wurden 5035 Pfosten und 2772 Hölzer gefunden. Zur jüngsten Siedlung am Übergang zur Mittelbronzezeit führte von Südosten ein etwa 60 Meter langer hölzerner Bohlenweg. In diesem Dorf stand eine unbekannte Zahl von Blockhäusern.
Nach den Siedlungsresten auf süddeutschen Bergen zu urteilen, existierten zur Zeit der Hügelgräber-Kultur zahlreiche Höhensiedlungen. Teilweise wirkten diese aufgrund steiler Felswände in ihrer Umgebung wie natürliche Bergfestungen, in anderen Fällen wurden zusätzlich mächtige Erdwälle oder Steinmauern errichtet, wodurch regelrechte »Burgen« entstanden. So war es schon vorher in der Frühbronzezeit gewesen.
Unbefestigte Höhensiedlungen der Hügelgräber-Kultur waren in Bayern auf dem Frauenberg bei Weltenburg (Kreis Kelheim), dem Schloßberg von Kallmünz (Kreis Schwandorf), dem Schlüpfelberg bei Sulzbürg (Kreis Neumarkt), der Gelben Bürg bei Dittenheim (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen) und dem Hesselberg bei Wassertrüdingen (Kreis Ansbach) zu finden.
Zu den mittelbronzezeitlichen »Burgen« in Baden-Württemberg gehören die Heuneburg bei Hundersingen an der Donau (Kreis Sigmaringen) und der Runde Berg bei Urach (Kreis Reutlingen). In Bayern sind gut geschützte Höhensiedlungen im »Rauhen Forst« bei Bergheim (Kreis Augsburg), auf dem Stätteberg bei Unterhausen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen), der Großen Birg bei Kochel (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und dem Bogenberg bei Bogen (Kreis Straubing-Bogen) bekannt.
Eine besonders wehrhafte Anlage in Süddeutschland ist die Heuneburg bei Hundersingen. Der Bergsporn, der während der Hügelgräber-Kultur erstmals besiedelt wurde, fällt auf drei Seiten steil zur Donau ab. Das etwa 275 mal 175 Meter große Plateau wurde an der Kante des Berges mit einer 2,50 bis 3,20 Meter breiten Mauer abgesichert. Diese bestand aus einem in Blockbautechnik gezimmerten Kastenwerk mit Erdfüllung. An der Nordspitze setzten die Erbauer der Befestigung zusätzlich einen sechs Meter tiefen und 14 Meter breiten Graben vor die Mauer. Im Südwesten schüttete man auf einer Länge von 110 Metern einen 3,60 Meter hohen, an der Basis bis zu 20 Meter breiten Wall auf, dessen Krone zwei knapp drei Meter breite Kastenmauern bildeten. Im Inneren der Befestigung wurden Reste von Pfostenhäusern mit Herden sowie ein sieben Meter breiter und vier Meter tiefer Graben entdeckt, der das Plateau quer durchzog. Vor wem sich die Bewohner dieser imposanten mittelbronzezeitlichen Burg fürchteten, weiß man nicht.
Von steilen Hängen gesäumt war auch die mit mehreren Wällen umgebene Befestigung auf der Großen Birg bei Kochel in Bayern. Sie thronte auf der in den Kochelsee hineinragenden Felskuppe.
In höhlenreichen Gegenden wurden die natürlichen Refugien vorübergehend von umherziehenden Hirten aufgesucht. Als Unterschlupf dienten unter anderen die Burghöhle bei Dietfurt und die Göpfelsteinhöhle bei Veringenstadt (beide Kreis Sigmaringen), die Höhle Lautereck bei Lautrach und die Bärenhöhle bei Erpfingen (Alb-Donau-Kreis), eine mittlerweile zerstörte Höhle bei Gächingen (Kreis Reutlingen) und die Kühlstellenhöhle bei Winterlingen (Zollernalbkreis).
Die Hügelgräber-Leute galten lange Zeit als Bauern, die sich vorwiegend als Viehzüchter betätigten. Der Prähistoriker Friedrich Holste meinte, die Funde der Hügelgräber-Kultur hätten sich auf Gebiete konzentriert, die sich wenig für Ackerbau eigneten. Doch dieser Irrtum wurde allmählich aufgrund neuer Entdeckungen und Beobachtungen korrigiert. Außerdem hatte es geheißen, die Hügelgräber seien häufig aus Plaggen von Heideflächen errichtet worden, die nur bei intensiver Weidewirtschaft entstehen können.
Funde von Getreidekörnern und deren Abdrücke auf Tongefäßen, Pollenanalysen, bronzene Sicheln und Mahlsteine beweisen heute eindeutig auch Ackerbau. So sind Getreidekörner aus Butzbach (Wetteraukreis) in Hessen Indizien für den Anbau von Einkorn (Triticum monococcum) und Dinkel (Triticum spelta) und der Abdruck eines Getreidekorns der Beweis für die Kultivierung von Zwergweizen (Triticum aestivum ssp. compactum). Auf Getreideanbau in Nähe der Siedlung von Frankfurt/Main (Riedwiesen) deuten Abdrücke von Getreidekörnern auf Tongefäßen, Mahlsteine und die Ergebnisse der Pollenanalyse hin.
Zur Getreideernte wurden Sicheln aus Bronze verwendet. Mit den Metallsicheln ließen sich die Ähren schneller und müheloser als mit den zuvor üblichen Steinsicheln abschneiden. Experimente ergaben eine Leistungssteigerung von etwa 40 Prozent. Bronzene Sicheln waren bei den damaligen Ackerbauern sehr begehrt. Allein zu einem Depotfund von Penkhof (Kreis Amberg-Sulzbach) in Bayern gehören 159 bronzene Sicheln beziehungsweise deren Fragmente.
Tierknochenreste in den Siedlungen von Gauting (Kreis Starnberg), Straßkirchen (Kreis Straubing-Bogen) und Frankfurt am Main-Schwanheim (Riedwiesen) belegen die Haltung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Die Tierknochen aus Gauting mit Feuerspuren und die von Straßkirchen gelten als Mahlzeitreste. In Straßkirchen hat man sogar Hundefleisch gegessen. Reste von zwei Hunden kamen im Brunnerschacht bei Vorra (Kreis Nürnberger Land) zusammen mit Schaf- und Ziegenknochen zum Vorschein. In Südthüringen züchtete man vor allem Schafe, deren Fell eine vorzügliche grannenfreie Wolle ergab.
Auch die als Wegzehrung für die Toten gedachten Speisebeigaben in Gräbern lieferten Hinweise auf die Viehzucht. So barg man in Gräbern von Nersingen (Kreis Neu-Ulm) Schaf- oder Ziegen- sowie Rinderknochen. In Gräbern von Deggendorf-Fischerndorf (Kreis Deggendorf) stieß man auf verbrannte Reste vom Rind, Schwein und Hund. Daß Hunde damals nicht selten waren, verraten durchbohrte Eckzähne als Anhänger von Halsketten in Gräbern von Wilsingen (Baden-Württemberg), Nersingen, Tremmersdorf
(Bayern) und Mutterstadt (Rheinland-Pfalz).
In einem Grab von Appenstetten bei Schwimmbach (Kreis Roth) in Bayern lag neben mehreren Rinderzähnen auch der Oberkieferzahn eines jüngeren Pferdes. Reste von Pferden aus der Zeit der Hügelgräber-Kultur sind bisher sehr selten entdeckt worden.
Der Fischfang wird unter anderem durch Fischreste in der Höhle Lautereck bei Lautrach (Alb-Donau-Kreis) und durch einen durchlochten Fischwirbel am Fundort Schwaigersche Kiesgrube in Straubing dokumentiert. Bei Lautrach hatte vielleicht ein kleiner Fischer- und Jägerposten bestanden. In Gräbern von Pörndorf (Kreis Landshut) und Unterbrunnham bei Tacherting (Kreis Traunstein) fand man jeweils einen bronzenen Angelhaken.
Auf gelegentliche Jagd deuten durchbohrte Bären- und Eberzähne aus Gräbern hin, die als Anhänger für Halsketten bestimmt waren. In einer der Höhlen des Kyffhäusers (Kyffhäuser-Kreis) in Thüringen wurden drei Hasenknochen geborgen, die vielleicht von einem Opferfest stammen, bei dem es Hasenbraten gab.
Die Gegend bei Schwarza (Kreis Schmalkalden-Meiningen) in Thüringen war damals von Mischwäldern bedeckt, in denen neben Eichen (Quercus) auch Linden (Tilia) und Haselnußsträucher (Corylus) vorherrschten. Außerdem bestimmten Buchen (Fagus), Erlen (Alnus), Birken (Betula), Eschen (Fraxinus), Tannen (Abies) und Kiefern (Pinus) das Landschaftsbild. Dagegen fehlten offenbar die dort heute überwiegenden Fichten (Picea).
Zum Backen von fladenartigem Brot diente eine quadratische tönerne Herdplatte aus Rückersdorf30 (Kreis Nürnberger Land). Sie hat einen Durchmesser von etwa 60 Zentimetern und ist ein bis drei Zentimeter dick. Die Platte wurde in feuchtem Zustand über einer mit Steinen umstellten rechteckigen Grube angebracht und von Brettern gestützt, bis sich der Ton durch Trocknen oder Feuer verfestigt hatte. Die Bretter haben an der Unterseite der Herdplatte Rillen hinterlassen. Auf der Oberseite sind Stärkereste enthalten, die von Emmer stammen sollen. Als Brennstoff wurde Eichen- und Tannenholz verwendet.
Als Belag auf fladenartigem Brot aß man vielleicht Käse aus Rinder-, Schaf- oder Ziegenmilch. Diese Vermutung basiert darauf, daß in manchen Siedlungen tönerne Scherben von Siebgefäßen gefunden wurden.
Die Hügelgräber-Leute haben möglicherweise schon Hanf (Cannabis sativa) oder Schlafmohn (Papaver somniferum) in Pfeifen mit tönernem Kopf und hölzernem Saugrohr geraucht. Darauf deutet ein Fund von 1993 aus Bad Abbach-Heidfeld (Kreis Kelheim) in Bayern hin, den der Prähistoriker Michael M. Rind aus Kelheim als Tonpfeifenkopf betrachtet. Dieser ist fast vier Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 4,5 Zentimetern. Vom schräg nach unten verlaufenden Saugrohr mit einem Innendurchmesser von zwei Millimetern sind nur noch 1,5 Zentimeter erhalten. Am Fundort des mutmaßlichen Pfeifenkopfes kam auch das eventuelle »Feuerzeug« zum Vorschein, nämlich ein Schlagstein aus Feuerstein mit zahlreichen Benutzungsspuren. Sollte sich diese Annahme bewahrheiten, wäre es die älteste Pfeife der Welt.
Unter den Keramiken der Hügelgräber-Kultur gab es Schüsseln, Schalen, Teller, Krüge, Tassen, große eimerartige Gefäße, Siebgefäße und Tonlöffel. Ein Tonlöffel wurde in Nabburg (Kreis Schwandorf) zutage gefördert. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen Feinkeramik, mittelfeiner Ware und Grobkeramik (Wirtschaftsware).
Die zur Feinkeramik gehörenden Krüge und Tassen sind dünnwandig, gut geglättet, poliert, mit bandförmigen Henkeln versehen und reich dekoriert. Man hat die Verzierungen meistens vor dem Brennen im Töpferofen eingeritzt, aber auch eingeschnitten (Kerbschnitt) und – deutlich seltener – eingestempelt. Als Ornamente dienten waagrecht umlaufende Bänder mit Rillen, Leiterband, Schrägstichgruppen, Kornstich, Punktstich und Kreisaugen. Sie sind häufig mit weißer Paste gefüllt, wie sich unter anderem an einer Scherbe aus Zangenstein bei Schwarzhofen (Kreis Schwandorf) in Bayern feststellen ließ.
Die mittelfeine Ware – vor allem Schalen und Teller - besitzt stärkere Wände als die Feinkeramik und verdickte Ränder. Auf ihr wurden in Ritz- und Stempeltechnik flächendeckende Muster angebracht. Eine beliebte Verzierung in Ritztechnik war das Besenstrichmuster. Außerdem wurden diese Tongefäße mit Fingertupfeneindrücken sowie halb- und vollplastischen Tupfen- und Kerbleisten verschönert.
In den Siedlungen überwog die meistens dickwandige Grobkeramik (eimerartige Großgefäße), die man aus grob gemagertem Ton modellierte. Die Magerung in Form kleiner Steinchen, die man dem Ton beimengte, bewahrte diese Gefäße beim Trocknen vor Rissen. Die Grobkeramik wurde häufig im unteren Teil mit Schlick beworfen und nur in der Halszone geglättet. Als Verzierungen hierauf gab es aufgeklebte waagrechte Fingertupfenleisten.
Daß auch aus Holz geschnitzte Gefäße angefertigt wurden, verrät ein Fund aus einem Grab bei Schwarza (Kreis Schmalkalden-Meiningen) in Thüringen. Es ist ein aus Eschenholz hergestellter Teller.
Zur Zeit der Hügelgräber-Kultur erreichte die Bronzeverarbeitung ihren Höhepunkt. Sie löste die bis dahin vielerorts noch bestehende Kupferverbeitung ab. Die damaligen Metallhandwerker beherrschten den Bronzeguß in ein- oder mehrteiliger sowie in »verlorener Form«, bei der jedesmal eine neue Form angefertigt werden mußte. Infolge von Experimenten der entstanden neue Werkzeuge, Waffen und Schmuckstücke. Zu diesen Neuerungen gehörten bronzene Sicheln und Schwerter.
Die Bronzeerzeugnisse wurden durch Händler weit verbreitet. Der Fernhandel dürfte von Häuptlingen und »Fürsten« kontrolliert worden sein, die auf diese Weise beträchtlichen Reichtum anhäuften. Das neue Metall Bronze spielte im Leben der Hügelgräber-Leute eine wichtige Rolle als »Geld«, Tauschware, Statussymbol, Trachtzubehör, Schmuck und bei den Waffen.
Bronzegießer erfreuten sich wahrscheinlich großer Wertschätzung. Manchmal wurden sie sogar mit einem Teil ihrer Ausrüstung beerdigt. So befanden sich im Grab eines Bronzegießers von Sachsenburg (Kyffhäuser-Kreis) in Thüringen etwa 300 kleine, drei bis vier Zentimeter lange Tondüsen. Dabei handelt es sich um Endstücke von hölzernen Blasrohren, die vermutlich zum Anblasen von Schmelz- oder Gußtiegeln dienten.
Was die damaligen Bronzegießer erzeugten, führen vor allem umfangreiche Depotfunde mit Metallobjekten vor Augen, die von den Prähistorikern unterschiedlich gedeutet werden. Solche Depots mit bronzenen Werkzeugen, Waffen und Schmuck gelten als Altmetallsammlung, Verstecke von Bronzegießern und Händlern oder als Opfergaben für Götter. Zu den größten Depots der Hügelgräber-Kultur gehören die Funde von Ackenbach, Bühl und Penkhof in Süddeutschland.
Das auf einem Acker in Nähe des Ackenbachhofes bei Homberg (Bodenseekreis) in Baden-Württemberg entdeckte Depot befand sich in einem Tongefäß. Dieses enthielt – komplett oder fragmentarisch erhalten – 13 bronzene Sicheln, neun Beile, sieben Lanzenspitzen, zwei Dolche, ein Schwertfragment, zwei Blechfragmente von einem »Diadem«, vier Stachelscheiben, zwei Armbänder, ein oder zwei Beinbergen (Knöchelbänder) aus Blech, verschiedene Draht- und Blechstücke und 14 Gußklumpen. Über die Stückzahlen werden unterschiedliche Angaben gemacht. Das Gesamtgewicht des Depots beträgt 5,766 Kilogramm.
Auch das in einer Kiesgrube von Bühl (Kreis Donau-Ries) in Bayern geborgene Depot wurde in einem Tongefäß (Krug) aufbewahrt. Dazu gehören – in unterschiedlicher Erhaltung – neun bronzene Randleistenbeile, 17 Sicheln, fünf Lanzenspitzen, eine Pfeilspitze, ein Dolch, eine Schwertspitze, vier Blechbänder von einem »Diadem«, eine Stachelscheibe, eine Nadel mit durchlochtem Kopf, zwei Armspiralen, drei Blechstücke, 238 Blechtutuli und 44 Gußklumpen. Diese Funde wiegen insgesamt 6,196 Kilogramm.
Dagegen ruhte das am Hang des Wendelinsberges von Penkhof (Kreis Amberg-Sulzbach) in Bayern zum Vorschein gekommene Depot etwa einen halben Meter tief im Boden unter einer Kalksteinplatte. Dabei handelt es sich um 159 Sicheln, eine verbogene Schwertklinge, zwei Beile, neun Beilfragmente, eine Lanzenspitze, Reste von Armschmuck und Nadeln sowie 21 Gußklumpen.
Da zu diesen süddeutschen Metalldepots neben vollständigen Bronzeerzeugnissen auch fragmentarisch erhaltene Objekte sowie Gußklumpen gehörten, könnte es sich hier jeweils um von Bronzegießern oder Händlern zusammengetragene Altmetallsammlungen gehandelt haben, die eingeschmolzen werden sollten. Auf diese Weise hätte man Rohstoff für neue Bronzewaren gewinnen können, ohne frisches Kupfer und Zinn beschaffen zu müssen.
Unter den bronzenen Werkzeugen überwogen die für die Getreideernte – und vielleicht für das Schneiden von Gras – bestimmten Sicheln. Möglicherweise dienten schwere Beile nicht als Waffen, sondern als Werkzeuge. Ebenso dürften viele Dolche eher als zweischneidige Messer genutzt worden sein. Seltenheiten waren bronzene Sägen wie das 12,9 Zentimeter lange Exemplar von Onstmettingen bei Albstadt (Zollernalbkreis). Neben metallenen Werkzeugen waren Feuersteinklingen und -messer, Wetzsteine, Knochenpfrieme und Hacken aus Hirschgeweih in Gebrauch.
Die Krieger der Hügelgräber-Kultur trugen mit Vorliebe metallene Waffen. Es gab bronzene Schwerter, die erstmals ab dieser Zeit in Süddeutschland nachweisbar sind, sowie bronzene Dolche, Randleistenbeile, Absatzbeile, frühe Lappenbeile, Lanzen- und Pfeilspitzen. Eine weitere Neuheit waren Holzschilde als Schutzwaffen. Der bereits erwähnte »Fürst« von Hagenau in Bayern wurde schwer bewaffnet mit Pfeil und Bogen, bronzenem Langschwert, Kurzschwert, Beil und Dolch ins Grab gelegt. Vielleicht sollte er sogar im Jenseits für den Kampf ge-rüstet sein.
Viele Schwerter aus jener Zeit hat man unbeschädigt in Männergräbern, Depots oder in Mooren, Quellen, Teichen, Seen und Flüssen entdeckt. Die Funde in Gewässern waren wohl als Opfergaben für Götter gedacht, was auch bei einem Teil der Metalldepots der Fall gewesen sein dürfte.
Bei den Schwertern der Hügelgräber-Kultur gab es Typen, die überregional von Ungarn bis Skandinavien die gleiche Form aufwiesen. Sie waren teilweise mit Griffen aus Holz oder Knochen versehen und werden als Griffplatten-, Griffzungen- und Griffangelschwerter bezeichnet.
Andere Schwerter dagegen besaßen einen bronzenen Griff und werden daher Vollgriffschwerter genannt. Diese Waffen steckten in hölzernen Scheiden, die – wie Funde der Stader Gruppe aus Niedersachsen belegen – mit Leder gefüttert waren.
Die Klinge und der Griff eines Vollgriffschwertes wurden getrennt hergestellt und am Heft miteinander verbunden. Über dem Heft der Klinge brachte man eine etwa faustgroße Griffstange an, die von einer Knaufplatte abgeschlossen wurde. Die älteren Vollgriffschwerter wurden nach dem Gußvorgang verziert, bei den jüngeren goß man die Verzierungen mit.
Als charakteristische Schwerter der Hügelgräber-Kultur gelten die Griffplattenschwerter und die Vollgriffschwerter vom Typ Spatzenhausen und die ebenfalls zu den Vollgriffschwertern gehörenden Achtkantschwerter.
Die Spatzenhausener Schwerter wurden nach dem Fundort Spatzenhausen (Kreis Weilheim-Schongau) in Bayern benannt. Typisch für sie sind vier trapezförmig angeordnete, verzierte Nieten und eingepunzte Bogenreihen auf dem Griff und der Knaufplatte. Die Herstellung der Schwerter vom Typ Spatzenhausen erfolgte in der frühen Stufe der Hügelgräber-Kultur (Bronzezeit B 2).
Dagegen kamen die Achtkantschwerter erst in der späten Stufe der Hügelgräber-Kultur (Bronzezeit C) auf. Sie haben einen Griff mit achtkantigem Querschnitt und eine elliptische Knaufplatte.
In der Stufe Bronzezeit C wurden in Südwestdeutschland und in der Nordschweiz auch bronzene Dolche mit metallenen Vollgriffen angefertigt. Am Fundort Forsthaus Bayerseich bei Darmstadt-Arheiligen in Hessen sowie bei Dietzhausen und bei Schwarza unweit von Suhl in Thüringen hat man Reste hölzerner Dolchscheiden entdeckt.
Die bronzenen Beilklingen können in Absatz-, Randleisten- und frühe Lappenbeile unterteilt werden. Sie dienten allesamt als Werkzeuge und Hiebwaffen. Die Männer der Fulda-Gruppe waren überwiegend mit Randleistenbeilen bewaffnet, die der Rhein-Main-Gruppe dagegen mit Absatzbeilen. Zum Depot von Tünsdorf (Kreis Merzig-Wadern) im Saarland gehören 14 Absatzbeile, zum erwähnten Depot von Bühl in Bayern unter anderem neun Randleistenbeile.
Die bronzenen Lanzenspitzen waren am unteren Ende mit einer Tülle zur Aufnahme des langen Holzschaftes versehen. Lanzenspitzen wurden seltener gefunden als Bronzeschwerter.
Bei den bronzenen Pfeilspitzen lassen sich zwei Formen unterscheiden: nämlich Tüllenpfeilspitzen mit Widerhaken und Dornpfeilspitzen mit einfachem Schäftungsdorn. Die metallenen Pfeilspitzen vermochten die bis dahin üblichen Pfeilspitzen aus Feuerstein aber nicht völlig als Waffen für die Jagd und den Kampf zu verdrängen.
Ein seltener Fund aus einem Hügelgrab von Mehrstetten (Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg belegt, daß die Hügelgräber-Leute sich vermutlich bereits mit Holzschilden vor Angreifern schützten. Anlaß zu dieser Annahme sind insgesamt 13 kleine Ziernägel von 1,7 Zentimeter Durchmesser und fünf Zierscheiben von 3,3 Zentimeter Durchmesser mit rückwärtigem Dorn, die auf einem 80 Zentimeter großen Holzschild gesessen haben sollen. Auch 15 Besatznägel aus Singenbach-Weilerau (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) in Bayern könnten Bestandteile eines Holzschildes gewesen sein.
Außer Bronze haben die Metallhandwerker der Hügelgräber-Kultur auch Gold verarbeitet. Das für Schmuckstücke verwendete Edelmetall ist stark silberhaltig und häufig messinggelb. Man hat das Gold in kaltem Zustand gehämmert und gebogen. Goldene Schmuckstücke sind vor allem aus Gräbern geborgen worden.
Die Bewohner der erwähnten mittelbronzezeitlichen »Siedlung Forschner« bei Bad Buchau am Federsee haben Einbäume als Wasserfahrzeuge verwendet. Zwei in der Umgebung ihres Dorfes gefundene Einbäume sind von ihnen benutzt worden.
Im Agathazeller Moor östlich von Immenstadt (Kreis Ostallgäu) in Bayern zeugt ein mehr als 400 Meter langer Knüppeldamm vom damaligen Wegebau. Auf jeweils fünf Längsbalken von fünf bis 16 Zentimeter Durchmesser lagen dicht beieinander Querbalken von 3,20 Meter Länge und meistens von weniger als 20 Zentimeter Dicke. Darüber befand sich eine zweite Lage von Stämmen der gleichen Länge und Dicke mit starken Abnutzungsspuren. Die Längsbalken stammen von Fichten und Erlen, die Querbalken von Kiefern und Erlen. Nach Altersdatierungen mit der C14-Methode in Heidelberg ist das Bauholz um 1360 v. Chr. geschlagen worden.
Bei Ergolding (Kreis Landshut) in Bayern kam zusammen mit Keramikresten eine knöcherne Trense mit zahlreichen Durchbohrungen, die zu einem Pferdegeschirr gehörte, zum Vorschein. Nach der Form und Verzierung der Tongefäße von dort zu schließen, dürfte die Trense um 1400 v. Chr. angefertigt worden sein. Sie ähnelt einem Fund aus Füzesabony in Ungarn aus der Zeit um 1500 v. Chr. Manche Prähistoriker betrachten das Ergolding Exemplar als Beweis für das Reitvermögen der Hügelgräber-Leute.
Eine tönerne Amphore mit zwei Henkeln vom slowakischen Fundort Vel'ke Raskovce aus einem Brandgrab der Pilinyer Kultur40 verrät, daß in der Mittelbronzezeit bereits Pferde vor Wagen gespannt wurden. Auf dem Tongefäß sind vier symmetrisch verteilte, schematisch dargestellte zweirädrige Wagen mit vierspeichigen Rädern zu sehen, die jeweils von zwei Pferden gezogen werden. Hinter jedem Gefährt steht eine menschliche Gestalt.
Die Hügelgräber-Leute haben mit Angehörigen vieler gleichzeitiger Kulturen rege Tauschgeschäfte betrieben. So importierten sie beispielsweise bronzene Beilklingen, Bernstein von der Ostsee und Gold aus Siebenbürgen. Nach Berechnungen des Prähistorikers Albrecht Jockenhövel in Münster betrug die Reichweite der persönlichen Mobilität bis zu etwa 250 Kilometer.
Manche Frauen der Hügelgräber-Kultur trugen bronzene Gewandnadeln von bis zu 60 Zentimeter Länge, bronzene Halskragen und Anhänger, Bernsteinperlen und -schieber, Glasperlen, Radscheiben, Stachelscheiben, Armbergen, Armspiralen, Armringe, Gürtelschmuckstücke, Beinbergen (Knöchelbänder) und Beinspiralen. Merklich weniger Schmuck lag in Männergräbern. Darin fand man bronzene Gewandnadeln von bis zu 52 Zentimeter Länge, Armringe und Gürtelschließen.
Offenbar bevorzugte jede Gruppe der Hügelgräber-Kultur eine bestimmte Schmuckmode. So wurden – nach Funden in Gräbern zu schließen – von den Frauen der Werra-Fulda- und Rhein-Main-Gruppe-Gruppe bronzene Radnadeln bevorzugt. Dagegen schätzten die Frauen der Oberpfälzischen, der Bayerischen und der Württembergischen Gruppe bronzene Scheibenkopfnadeln mit geripptem Schaft. Ähnliche Unterscheide gab es beim weiblichen Hals-, Arm- und Beinschmuck.
In Frauengräbern lagen die Nadeln immer in der Brust- oder Schulter-Gegend der Toten. Bronzene Bein- und Armbergen dagegen befanden sich sowohl an den Waden als auch an den Oberarmen. Als Berge bezeichnet man ein Schmuckstück aus Bronzeblech oder -draht mit einem oder zwei spiralig aufgedrehten Enden. In keinem Frauengrab der Rhein-Main-Gruppe kamen an einer Schnur um den Hals getragene Scheibenanhänger und in der Beckengegend befindliche Brillenspiralen zusammen vor. Nach Ansicht der Prähistorikerin Ulrike Wels-Weyrauch aus Frankfurt/Main deutet dies vielleicht auf unterschiedliche Schmuckausstattungen für Mädchen, verheiratete Frauen, Witwen, Kinder und Mütter hin.
Zu den Schmuckausstattungen der Frauen im Rhein-Main-Gebiet gehörten bis zu zwei Nadeln (meistens Radnadeln), maximal acht Scheibenanhänger oder bis zu sieben Brillenspiralen, bis zu zwei Armspiralen, maximal vier Armringe, bis zu zwei Beinbergen und bis zu zwei Beinspiralen. Hinzu kamen gelegentlich Spiralröllchen, Bernsteinperlen, Fingerringe, Tutuli (kegelförmige Bronzeblechhütchen) und Zierscheiben.
Im Gebiet der Werra-Fulda-Gruppe erfreuten sich bei den Frauen gerippte Halskragen aus Bronzeblech als beliebtester Halsschmuck. Außerdem waren dort die im Rhein-Main-Gebiet verbreiteten Scheibenanhänger üblich. Scheibenanhänger, Brillenanhänger und Halskragen kamen aber nur ganz selten zusammen in einem Grab vor. Brillennadeln gehörten in Südthüringen zur Kopftracht, in Osthessen dagegen befestigte man damit das Gewand. In Osthessen überwogen Schmuckausstattungen mit einer, in Südthüringen dagegen mit zwei Radnadeln. Die erwähnten Bergen wurden in Osthessen und Thüringen vor allem am Oberarm getragen.
Zu den Schmuckausstattungen der Frauen in Osthessen und Südthüringen zählten ein Halskragen, maximal 14 Scheibenanhänger, bis zu vier Brillenspiralen, bis zu zwei Radnadeln, dazu manchmal eine weitere Nadel (Brillennadel), bis zu zwei Armspiralen, bis zu zwei Armringe, bis zu zwei Armbänder und bis zu zwei Bergen. Auch in Osthessen und Südthüringen trug man gelegentlich Spiralröllchen, Bernsteinperlen, Fingerringe, Tutuli und Zierscheiben.
Als Anhänger von Halsketten dienten durchlochte Fischwirbel, Eber-, Hunde- und Bärenzähne, Bernsteinperlen und -schieber, Glas- und Fayenceperlen, bronzene Pfeilspitzen und Goldblechröhrchen.
Ein durchlochter Fischwirbel wurde in einem Kindergrab der Schwaigerschen Kiesgrube in Straubing gefunden. Durchbohrte Eberzähne kamen in Gräbern der Schwäbischen Alb zum Vorschein. Es handelte sich jeweils nur um einen Zahn, der wohl als Amulett an einer Schnur hing. Ein Hunde- oder Wolfszahn lag in einem Kindergrab von Pörndorf (Kreis Landshut). Durchbohrte Bärenzähne kennt man aus Wilsingen (Kreis Reutlingen) und Ladenburg (Kreis Mannheim).
Wertvollen Bernstein legte man nur Frauen und Kindern ins Grab. So hatte eine Frau von Hundersingen-Weidenhang (Kreis Reutlingen) in Baden-Württemberg, die Schulter an Schulter mit einem Mann bestattet war, eine Kette von sage und schreibe 1000 Bernsteinperlen. Ein etwa fünf Jahre altes Kind in Ebingen bei Albstadt (Zollernalbkreis) war mit einer Halskette geschmückt, die aus 160 kleinen und zwei großen Bernsteinperlen sowie vier Bernsteinschiebern bestand. In einem Grab von Offenbach-Hainbachskopf in Hessen fand man 42 Bernsteinperlen, in einem Grab von Wixhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) etwa drei Dutzend und in einem Grab am Forsthaus Bayerseich bei Darmstadt-Arheiligen.
Kostbare Glasperlen waren ebenfalls nur Frauen vorbehalten. Früher hat man die Glasperlen für Importe aus Ägypten gehalten, heute wird eine Herstellung in Mitteleuropa nicht mehr ausgeschlossen. Die Glasperlen waren meistens blau getönt, seltener grün gefärbt. Blaue Exemplare wurden in Baden-Württemberg, Südbayern und Hessen entdeckt. Von Pörndorf (Kreis Landshut) ist außer einer blauen Glasperle auch eine graublaue Fayenceperle bekannt.
In Mehrstetten (Kreis Reutlingen) wurde sogar eine bronzene Pfeilspitze als Anhänger verwendet. Sie ist 2,2 Zentimeter lang und mit einem ösenartig umgebogenen Dorn versehen. Sie wurde am Hals eines Toten gefunden.
Mitunter prangten an Halsketten neben Bernsteinperlen auch goldene Anhänger. Das war in Nieder-Olm (Kreis Mainz-Bingen) der Fall, wo neben vier Bernsteinperlen auch neun Goldblechröhrchen an einer Kette hingen. In Dormettingen (Zollernalbkreis) kam ebenfalls eine Kombination aus Bernsteinperlen und Goldblechstücken ans Tageslicht.
Die in Osthessen beliebten massiven Halskragen aus Bronzeblech wurden nach Vorbildern der in Niedersachsen heimischen Lüneburger Gruppe angefertigt und mit Rippen verziert. Auf einen derartigen Fund stieß man beispielsweise in einem Hügelgrab von Ringgau-Netra (Werra-Meißner-Kreis) in Osthessen.
Schmuck aus Gold konnte nur in wenigen Gräbern geborgen werden. Aus Gold wurden Lockenspiralen, Gewandnadeln und Fingerringe angefertigt. Ein Toter von Nehren (Kreis Tübingen) hatte außer einem Schwert, Dolch und Beil auch zwei goldene Fingerringe (an jeder Hand einen) und eine 20,3 Zentimeter lange goldbelegte Gewandnadel bei sich. Eine Frau vom selben Fundort trug drei Lockenspiralen aus Golddraht.
Frauengräber von Deggendorf-Fischerdorf in Bayern enthielten neben Bronze- und Keramikbeigaben zwei goldene Noppenringe, eine Goldspirale und Reste einer Goldscheibe. In Gensingen (Kreis Mainz-Bingen) fand man einen Goldarmring mit Petschaftsenden von 7,1 Zentimeter Durchmesser und mit einem Gewicht von 70 Gramm. Aus dem Rhein oder Main in der Gegend von Mainz – der genaue Fundort ist nicht mehr zu eruieren – wurde ein goldenes Armband mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern geborgen.
Wie reich manche Mädchen und Frauen geschmückt waren, demonstrieren Bestattungen aus Pflaumheim (Bayern), Hünfeld-Molzbach (Hessen) und bei Schwarza (Thüringen). Aber auch bedeutende männliche Persönlichkeiten wie der »Fürst« von Hagenau in Bayern wurden zusammen mit auffällig viel Schmuck ins Grab beerdigt.
Allein die Kopfbedeckung der sogenannten »Dame von Pflaumheim« im Kreis Aschaffenburg – also aus dem Gebiet der Rhein-Main-Gruppe – war mit etwa 60 spitzkegeligen, durchlochten Hütchen aus Bronzeblech (Tutuli) besetzt. Zu ihrem Schmuck gehörten außerdem eine Halskette mit 16 Bernsteinperlen, fünf bronzene Brillenspiralen, die wohl ein Kleid zierten, zwei Armspiralen, drei Nadeln (eine davon ist 23 Zentimeter lang) und kleine Spiralröllchen.
Als das ergiebigste Frauengrab in Osthessen gilt das des zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchens von Hünfeld-Molzbach (Kreis Fulda). Die junge Frau war nach damaliger Sitte wohl schon heiratsfähig. Sie trug einen bandförmigen Halsring mit Endspiralen, zwei Radnadeln, rechts eine Armberge, einen mit Buckeln verzierten Blechgürtel, Armspiralen und links eine Beinberge. Ihr Kleid wurde unterhalb des Gürtels durch bronzene Blechhütchen geschmückt.
Ebenfalls mit ungewöhnlich viel Schmuck wurde eine Frau bei Schwarza unweit von Suhl in Südthüringen beerdigt. Am Hals trug sie einen massiven bronzenen Halskragen und eine Halskette, an der Spiralröllchen, eine blaue Glasperle, kleine Bernsteinperlen und ein Bernsteinschieber hingen. In Höhe ihrer Schlüsselbeine fand man zwei bronzene Radnadeln. Den rechten Oberarm zierte eine Armberge, während beide Unterarme in je einer Armspirale und einem Armring steckten. Die Armbergen waren mit Schafleder und die Armspiralen mit Hornplättchen gefüttert. Auf der Brust lag ein großes Kollier.
Der »Fürst von Hagenau« (Kreis Regensburg) in der Oberpfalz war mit einer 52 Zentimeter langen bronzenen Prunknadel geschmückt. Diese dürfte zwar unpraktisch gewesen sein, aber vermutlich Betrachter enorm beeindruckt haben. Außerdem besaß der »Fürst« zwei Armringpaare und – wie erwähnt – zwei Golddrahtringe sowie ein bronzenes Rasiermesser und bronzene Tätowiernadeln.
Zwei fragmentarisch erhaltene tönerne Tierfiguren aus einer Siedlungsgrube von Frankfurt/Main-Schwanheim sind bisher die einzigen Kunstwerke aus der Zeit der Hügelgräber-Kultur. Eine ist 3,4 Zentimeter lang und 2,1 Zentimeter hoch, die andere 4,9 Zentimeter lang und 3,4 Zentimeter hoch. Der früher in Frankfurt/Main tätige Prähistoriker Albrecht Jockenhövel deutet diese vierfüßigen und geschwänzten Gebilde als Rinder. Solche Schöpfungen wurden von Prähistorikern sehr unterschiedlich als Kinderspielzeug, Amulette, Ersatz für Tieropfer oder sonstige kultische Zwecke interpretiert.
Die Hügelgräber-Leute bestatteten ihre Toten meistens unverbrannt in Rückenlage. Der Verstorbene wurde in einem Baumsarg, auf einem Totenbrett oder in einer aus Brettern gezimmerten Holzkiste beerdigt. Das erste Grab (auch Zentralgrab genannt) hat man in der Mitte des geplanten Grabhügels meistens auf der Erdoberfläche (selten darunter) angelegt. Der Untergrund ist manchmal mit Steinen gepflastert oder mit einem Lehmestrich versehen worden.
Über dem Grab wurde ein nicht sehr hoher Hügel aus Erde, Sand, Rasenplaggen oder Steinen – oder aus einer Kombination dieser Materialien – aufgeschüttet. Später sind auf gleichem Niveau wie das Zentralgrab oder höher im Hügel weitere Tote beigesetzt worden. Dabei wurde der Hügel manchmal durch Anbauten erweitert. Ob die Grabhügel bepflanzt wurden, ist unbekannt.
Es gab aber auch Flachgräber über der Erdoberfläche mit geringer Erdbedeckung und leicht in den Boden eingetiefte Bestattungen ohne Grabhügel und sogar Brandbestattungen. In Frankfurt/Main-Oberrad (Eichlehen) war das Zentralgrab eine Brandbestattung. Gelegentlich krönte eine Stele aus Stein – wie in Kubach-Edelsberg in Hessen – oder vielleicht aus nicht erhalten gebliebenem Holz die Spitze des Hügels.
Bei Ausgrabungen von fünf Grabhügeln nahe Weinbach-Edelsberg (Kreis Limburg-Weilburg) in Hessen wurde festgestellt, daß vier der Hügel durch einen Ring aus Holzpfosten umgeben waren. Man hatte die mehr als dreieinhalb Meter langen Pfosten bis zu 60 Zentimeter tief im Erdreich versenkt und in den Hügel eingebaut. Ob die Pfosten über dem Hügel sichtbar waren, entzieht sich unserer Kenntnis. Zum Gräberfeld von Weinberg-Edelsberg gehören insgesamt elf Hügel, deren größter einen Durchmesser von 22 Metern aufweist.
Von vier in Giershofen (Kreis Neuwied) in Rheinland-Pfalz untersuchten Grabhügeln hatten zwei einen Pfostenring. Ein Grabhügel am Forsthaus Bayerseich bei Darmstadt-Arheiligen in Hessen wurde von zwei Pfostenringen begrenzt, die man zunächst irrtümlicherweise als Grundriß eines Rundhauses deutete. Andernorts – wie in Gießen-Trieb (Hessen) – umrundete ein Kreisgraben den Grabhügel.
Im Gräberfeld von Deggendorf-Fischerdorf in Bayern praktizierte man Brand- und Körperbestattungen, wobei erstere überwiegen. In den dortigen Grabhügeln erfolgten drei bis 20 Beisetzungen, die teilweise in den Boden eingetieft waren oder höher im Hügel lagen. Unter den Brandbestattungen lassen sich Urnengräber, Brandgrubengräber und beigabenlose Leichenbranddeponierungen unterscheiden.
Die Toten von Deggendorf-Fischerdorf wurden offenbar überwiegend am Ort der Bestattung verbrannt, weil verziegelte und mit Holzkohle durchsetzte Flächen zum Vorschein kamen. Bei den Totenfeiern hat man aus rituellen Gründen mehrere Tongefäße zertrümmert. Auf Fleischbeigaben für das Jenseits deuten verbrannte Reste vom Rind, Eber und Hund hin.
Auch einem Mann, der in Ödenwaldstetten bei Hohenstein (Kreis Reutlingen) beerdigt wurde, legte man Schweinefleisch als Wegzehrung mit ins Grab. Links bei seinen Füßen wurden ein Eberskelett und eine Lanzenspitze entdeckt.
Bedeutende Tote erhielten besonders arbeitsaufwendige und imposante Gräber. Dies war bei dem Paar, das in Hundersingen-Weidenhang (Kreis Reutlingen) Schulter an Schulter bestattet wurde, der Fall. Das Grab der beiden Verstorbenen, bei denen es sich wohl um Eheleute handelte, wurde von einem Steinkreis mit fünf Meter Durchmesser umgeben.
Am Ortsrand von Untermeitingen (Kreis Augsburg) in Bayern kam im April 1989 die aufwendige Grabstätte eines bedeutenden Mannes zum Vorschein. Das Skelett des Toten lag im nördlichen Teil einer 5,80 Meter langen, vier Meter breiten und einen Meter tiefen steinernen Grabkammer. Deren Wände wurden aus Tuffplatten errichtet, der Boden und die Decke bestanden vermutlich aus Holz. Die Grabkammer befand sich inmitten eines Kreisgrabens von 36 Metern Durchmesser. Mit dem Aushub der Grabkammer und des Grabens dürfte ein Hügel über der Grabkammer aufgeschüttet worden sein.
Die Steine der Grabkammer wurden später als Baumaterial ausgebeutet und das Grab von Grabräubern heimgesucht, die einige Gegenstände übersahen. Von den Beigaben, mit denen man den prominenten Toten für das Jenseits ausgestattet hatte, blieben ein Dolchknauf, ein Dolch, ein Randleistenbeil mit den Resten einer Drahtumwicklung, eine Tatauiernadel, ein Bronzering, zwei gerippte Bronzeringe und die Scherben eines Tongefäßes erhalten.
Der Graben um die Grabkammer war 0,70 bis 1,20 Meter breit, noch maximal 50 Zentimeter tief, hatte im Süden einen Eingang von 1,60 Breite und barg 14 Meter westlich des Eingangs das Brandgrab eines Mannes. Südöstlich des Grabens lagen zwei weitere Gräber. In einem davon befanden sich der Leichenbrand eines Kindes, im anderen die Leichenbrandreste von zwei Frauen und eines Kindes. 16 Meter südöstlich des Kreisgrabens stieß man auf eine Grube ohne Funde, die vielleicht mit noch unbekannten Praktiken des Totenkults in Zusammenhang stand.
Ein weiterer Kreisgraben in Untermeitingen besaß einen Durchmesser von 11,60 Metern und hatte noch eine Breite von 30 bis 70 Zentimetern sowie eine Tiefe von vier bis 22 Zentimetern. Die im Süden dieses Grabens freigelegte Unterbrechung war 3,20 Meter breit, wurde aber durch zwei Pfostendreierreihen etwa auf eine Durchgangsbreite von einem Meter eingeengt. Diese Pfostenstellung wird als hölzerner Eingangsbau mit einem Durchgang in Richtung auf das Zentrum des Kreisgrabens gedeutet. Noch vor der Mitte des Kreisgrabens hatte man eine ovale Grube von 1,60 bis zwei Meter Durchmesser ausgehoben, die keine Funde enthielt. 11,50 Meter südlich des Kreisgrabens erstreckte sich eine weitere Grube ohne Funde.
Mit manchen Toten ging man nicht sehr liebevoll um. So hat man eine in Upflamör bei Zwiefalten (Kreis Reutlingen) bestattete Frau mit einer Beinfessel ins Grab gelegt. Ihre beiden Beinbergen (Knöchelbänder) waren durch eine aus drei Gliedern bestehende Kette miteinander verbunden. Sollte sie etwa am Verlassen des Grabes gehindert werden, weil man die Wiederkehr dieser zu Lebzeiten unbeliebten Person fürchtete? Kurze isolierte Kettenstücke befanden sich an Knöchelbändern von Mehrstetten (Kreis Reutlingen) und Dietersheim (Kreis Freising).
Die Menschen der Hügelgräber-Kultur haben vermutlich die Sonne angebetet, weil diese auf Abbildungen (Felsbilder in verschiedenen Gegenden Europas), Symbolen (Radnadeln) und Kultobjekten (Goldkegel) jener Zeit dargestellt ist.
Auch die Ausrichtung der Toten mit dem Kopf im Westen, den Beinen im Osten und dem Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne deutet auf einen Sonnenkult hin. Nach Ansicht mancher Prähistoriker wurde vielleicht die Sonne als höchste Gottheit betrachtet. Zur damaligen Religion gehörten Sach-, Tier- und Menschenopfer, komplizierte Bestattungen und der rätselhafte »goldene Hut« von Etzelsdorf in Bayern.
Nach Erkenntnissen des Prähistorikers Günter Wegner aus Hannover stieg in der Mittelbronzezeit die Zahl der Flußfunde deutlich an. Sie gelangten unabsichtlich durch Überschwemmungen oder Verluste bei Flußüberquerungen oder absichtlich als Sühne- und Versöhnungsopfer sowie als Weihe- und Opfergaben ins Wasser.
Zahlreiche Funde von bronzenen Nadeln und Waffen (Beil, Dolch, Schwert) in Flüssen – vor allem im Rhein bei Mainz, aber auch im Main bei Frankfurt – zeugen vermutlich von kultisch motivierten Opfern für Gottheiten. Die Opfer könnten von Reisenden zum Dank für geglückte Flußüberquerungen dargebracht worden sein.
Als Weihegabe für eine Gottheit wurde auch ein Depot von Griesheim (Kreis Darmstadt-Dieburg) mit acht Randleistenbeilen und drei Bruchstücken von solchen nahe des Kinzig-Flusses interpretiert. Vermutlich sind derartige Flußopfer viel häufiger erfolgt, als es die bisherigen Zufallsfunde andeuten.
Ab der späten Hügelgräber-Kultur wurden in Süddeutschland viele Brandopferplätze auf Bergen und anderswo angelegt. Solche Ritualorte kennt man vom Eisenbühl und vom Langackertal bei Bad Reichenhall, vom Wasserfeldbühel bei Oberaudorf, vom Stätteberg bei Unterhausen, vom Weiherberg bei Christgarten und vom Rollenberg bei Hoppingen. All diese Fundorte liegen in Bayern.
Auf dem Eisenbühl bei Bad Reichenhall (Kreis Berchtesgadener Land) wurde eine Holzkohlenschicht von 18 Meter Länge entdeckt. Sie enthielt Knochen zahlreicher Haustiere sowie Reste Hunderter von Gefäßen und einige Bronzeobjekte. Unweit davon lag auf einem Hügel im Langackertal ein anderer Brandopferplatz. Dort sind Tausende von Haustieren, mehr als 700 Tongefäße sowie etliche Bronzegegenstände geopfert worden. Einige Menschenknochen waren ebenfalls unter den Fundstücken.
Als Brandopferplatz diente auch der 15 Meter hohe Hügel Wasserfeldbühel bei Oberaudorf (Kreis Rosenheim). Seine Kuppe war mit einer 40 Zentimeter dicken tiefschwarzen Schicht bedeckt, die kalzinierte Tierknochen und Scherben von Tongefäßen aus der Zeit der Hügelgräber-Kultur enthielt. Tierknochen von Rindern und Schafen sowie einige Zentner Tonscherben wurden außerdem auf dem Stätteberg am Südufer der Donau bei Unterhausen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) in Bayern geborgen. Sowohl die Tierknochen als auch die Tonscherben und etliche Kalksteine tragen Feuerspuren. Sie lagen in einer mit Holzkohle durchsetzten Schicht.
Auf der höchsten Felskuppe des Weiherberges bei Christgarten unweit von Ederheim (Kreis Donau-Ries) in Bayern lagen sogar zwei Opferplätze von je 2,50 Meter Ausdehnung. Einer davon bestand aus zahlreichen unverbrannten Tierknochen und massenhaft Scherben, der andere aus einer 25 Zentimeter dicken Schicht mit angebrannten Tierknochen von Rindern und Schweinen. An den Resten einiger Tongefäße haftete verkohlter Emmerbrei, der von unblutigen Speiseopfern stammen könnte.
Ein Brandopferplatz im Umfang von vier Metern mit vielen Tierknochen und Tonscherben wurde vom Apotheker und Heimatforscher Ernst Frickhinger (1876–1940) aus Nördlingen auf dem Rollenberg bei Hoppingen (Kreis Donau-Ries) entdeckt. Er erkannte aber nicht, daß es sich um eine Kultstätte handelte. Dies blieb späteren Forschern vorbehalten.
Andere Brandopferplätze waren nicht auf Hügeln, sondern zu ebener Erde angelegt worden. Zu dieser Kategorie gehört der Kultplatz von Icking-Irschenhausen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), wo angebrannte Tierknochen und Keramikreste mit Feuerspuren zum Vorschein kamen.
Zum dunkelsten Kapitel der Hügelgräber-Kultur gehören Menschenopfer, die aus rituellen Motiven praktiziert wurden. Die diesbezüglich eindeutigsten Beweise stammen aus dem Brunnerschacht bei Vorra in Bayern und aus den Schachthöhlen im Kyffhäuser bei Bad Frankenhausen in Thüringen. Möglicherweise hat man auch Witwen gezwungen, ihren früher gestorbenen Männern ins Grab zu folgen.
Im Brunnerschacht bei Vorra (Kreis Nürnberger Land) wurden die Skelettreste von mindestens sechs Menschen entdeckt, die zu Ehren einer Gottheit ihr Leben lassen mußten. Dabei handelte es sich um einen mindestens dreißigjährigen Mann sowie um vier Kinder im Alter von sieben bis dreizehn Jahren und um ein Neugeborenes. Daß diese Menschen erschlagen wurden, zeigt der Schädel eines zwölf- bis dreizehnjährigen Kindes am deutlichsten: Er weist einen Lochbruch auf, der von einem Schlag mit einem dumpfen Gegenstand stammt.
Auf besonders eindrucksvolle Zeugnisse von Menschenopfern aus der späten Hügelgräber-Kultur und der darauffolgenden Saalemündungs-Gruppe ist der Weimarer Prähistoriker Günter Behm-Blancke (1912–1994) im Kyffhäuser bei Bad Frankenhausen (Kyffhäuser-Kreis) in Thüringen gestoßen. Nach seinen Erkenntnissen wurden auf dem Berg Kultmahlzeiten eingenommen und Menschen geopfert. Die Mahlzeitreste und Teile der Getöteten hat man zusammen mit zertrümmerten Tongefäßen, Kleidungszubehör, Bronzeschmuck, Bernsteinperlen, gerösteten Getreidekörnern und Feuerbränden in eine tiefe Schachthöhle geworfen und die einzelnen Opferschichten mit Steinen bedeckt.
Die auf einigen Schädeln sichtbaren Schlagverletzungen stammen vermutlich von stumpfen Werkzeugen und Beilen. Zu den Werkzeugen gehörten wahrscheinlich auch eine Steinkeule und ein durchbohrter Knochenhammer, die inmitten der Skelettreste lagen. Die aus der Schachthöhle geborgenen Skelette waren mehr oder minder zerstückelt. Schnittspuren an den ersten beiden Halswirbeln deuten darauf hin, daß der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Außer den Menschen wurden noch Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Hunde getötet.
Mit Menschenopfern werden zudem manche Beisetzungen aus der Zeit der Hügelgräber-Kultur in Zusammenhang gebracht. Dies ist bei einer seltsamen Doppelbestattung von Dietfurt (Kreis Neumarkt) in Bayern der Fall. Dort wurde ein mindestens 50 Jahre alter Mann unverbrannt beerdigt. Neben seinem rechten Oberarm lagen die auf die Erde gestreuten verbrannten Knochen einer 16 bis 20 Jahre alten Person, von welcher der Ausgräber vermutet, sie sei die Witwe des Toten.
Vielleicht hat auch ein in der Flur Scherbes im Fuldaer Land (Hessen) unverbrannt beerdigter 18- bis 20jähriger Mann seinem unter einer Steinpackung bestatteten Herrn ins Grab folgen müssen. Das Skelett des jungen Mannes befand sich in einer Schicht aus Asche und Holzkohle mit zahlreichen Tonscherben sowie Knochen vom Rind und Schwein. Sein vom Hals getrennter Schädel lag mit dem Gesicht nach unten zwischen den unteren Rippen des Brustkorbes.
Warum man im Forst Köschingen bei Kasing (Kreis Eichstätt) und in Staufersbuch (Kreis Neumarkt), beide in Bayern, jeweils einem Toten den Kopf abtrennte und in dessen Schoß legte, darüber läßt sich nur spekulieren. Allzu beliebt scheinen diese Verstorbenen zu Lebzeiten nicht gewesen sein.
Mit dem Kult werden von manchen Autoren auch sogenannte tönerne »Brotlaib-Idole« in Verbindung gebracht. Solche rätselhaften Funde sind unter anderem aus Niederösterreich, Mitteldeutschland und Oberitalien bekannt. Im Bad Nauheim-Steinfurth (Wetteraukreis) in Hessen wurde das Bruchstück eines derartigen »Brotlaib-Idols« entdeckt.
Eine unbekannte Rolle im Sonnenkult der Hügelgräber-Kultur spielte der am 29. April 1835 auf einem Acker gefundene »goldene Hut« von Schifferstadt (Kreis Ludwigshafen) in Rheinland-Pfalz. Auf ihn war der Tagelöhner Jakob Geimer bei der Arbeit mit einem Spaten gestoßen. Bei der Bergung half ihm der Besitzer des Ackers, der Landwirt und Glaser Joseph Eckrich, der den Fund am 30. April 1835 in Speyer bei der Regierung ablieferte.
Der Goldkegel stand in etwa 60 Zentimeter Tiefe auf gebranntem Lehm mit der Spitze nach oben. An ihm lehnten ringsum drei Beile, von denen nur die bronzenen Klingen erhalten blieben.
Der erste, der diesen Prachtfund als Kopfbedeckung deutete, war der »Königlich-Bayerische General-Commissär« des Rheinkreises, Karl von Stengel (1784–1865), der wenige Tage nach der Entdeckung eine Nachuntersuchung am Fundort durchführte. Er betrachtete das Objekt aus Goldblech in seinem anschließenden Bericht vom 6. Mai 1835 an den Staatsminister des Innern als morgenländische Kopfbedeckung und turbanartigen Kopfputz.
Dieser Interpretation widersprach 1858 der Mainzer Altertumsforscher Ludwig Lindenschmit der Ältere (1809–1893) in der Publikation »Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit«. Nach seinem Dafürhalten konnte es sich wegen der engen Öffnung und der Form des unteren Randes um keine Kopfbedeckung handeln. Ungeachtet dieser Zweifel behauptete sich die Auffassung, der Fund sei ein »goldener Hut«, bis in die Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Nach der 1977 vorgetragenen Hypothese des damals in Mainz tätigen Prähistorikers Peter Schauer sind die Goldblechkegel in Europa aus vorderasiatischem Religions- und Symbolgut abgeleitet. Dieses habe vom hethitischen Kleinasien aus über den unteren Donauraum auf Zentral-, West- und Nordeuropa eingewirkt. Hethitischen Vorstellungen zufolge war der Kegel nicht nur Symbol oder Attribut der Gottheit, sondern stellte diese als abstraktes Bild auch selbst dar.
Der Prähistoriker Lothar Sperber vom Historischen Museum der Pfalz in Speyer, wo der Schifferstadter Goldkegel aufbewahrt wird, deutete diesen 1983 als Bekrönung oder Umkleidung eines hölzernen Menhirs oder Kultbildes, vor dem Rituale abgehalten wurden. Dabei könnte der im Sonnenlicht glänzende Goldkegel als göttliches Sinnbild verehrt worden sein.
Das kegelförmige goldene Kultobjekt von Schifferstadt wurde von einem Meister seines Faches geschaffen. Es war ursprünglich 30,6 Zentimeter hoch und wog zur Zeit der Entdeckung 353 Gramm. Heute hat der Goldkegel ein Gewicht von 350,5 Gramm, weil nach der Bergung ein Stück aus der Krempe geschnitten wurde, das verschollen ist. Die Wandstärke des dünnen Goldblechs beträgt 0,25 Millimeter und an der Krempe 0,1 Millimeter. Die Muster der Verzierungen und die plastischen Linienbänder wurden eingepunzt.
Anhand der mitgefundenen Absatzbeil-Klingen wird der Goldkegel von Schifferstadt in die ausgehende Mittelbronzezeit (Bronzezeit C) und somit in das 14. Jahrhundert v. Chr. datiert. Aufgrund seiner ornamentalen und technologischen Merkmale soll der Goldkegel um 1300 v. Chr. entstanden sein. Es wäre aber auch eine Herstellungszeit während der Übergangsphase von der Mittel- zur Spätbronzezeit (Bronzezeit C/D) denkbar und sogar noch in der Spätbronzezeit (Bronzezeit D).
Der Goldkegel von Schifferstadt hat in Europa nur wenige Gegenstücke aus späteren Abschnitten der Bronzezeit. Es sind dies der Goldkegel von Avanton im Departément Vién-ne in Frankreich und der Goldkegel von Etzelsdorf (Kreis Nürnberger Land) in Bayern. Die Prähistoriker datieren den Fund von Avanton in die Zeit um 1300/1200 v. Chr. und jenen von Etzelsdorf in die Zeit um 1100/1000 v. Chr. Dabei spiegeln die jüngeren Goldkegel die zunehmende Kunstfertigkeit der Goldschmiedekunst wider.

Keine Kommentare: