Montag, 14. Januar 2008

Die Bronzezeit: Das "goldene Zeitalter" der Urgeschichte 2



Video: "Ur-Potsdamer entdeckt" von Youtube
http://www.youtube.com/watch?v=V5o880OVA2Q

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Für die Bauern, Handwerker und Krieger der Bronzezeit war die Jagd nicht mehr lebenswichtig, weil die Ernährung durch Ackerbau und Viehzucht weitgehend gesichert wurde. Dennoch dürfte gelegentlich der Speisezettel durch zur Strecke gebrachte Wildtiere oder Fische bereichert worden sein.
Verkohlte Getreidekörner aus Siedlungen, Gräbern und an Opferstellen sowie Getreidekörnerabdrücke auf Tongefäßen und Hüttenlehm belegen, welche Getreidearten in der Bronzezeit angebaut wurden. Wie in der Jungsteinzeit gab es weiterhin Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum), mehrzeilige Gerste (Hordeum vulgare), Saatweizen (Triticum aestivum), Emmer (Triticum dicoccon, früher auch Triticum dicoccum genannt) und seltener das ertragsarme Einkorn (Triticum monococcum). Hinzu kamen Rispenhirse (Panicum miliaceum), Dinkel beziehungsweise Spelt (Triticum spelta), der sogar in Gebieten mit niederschlagsreichem und rauhem Klima gedeiht, und im südlichen Mitteleuropa auch Kolbenhirse (Setaria italica).
Außerdem säte und erntete man allerlei Gemüse, wie Kohl (Brassica oleracea) und vielleicht auch Möhren (Daucus carota). Eiweißhaltige Hülsenfrüchte wie Linsen (Lens culinaris), Erbsen (Pisum sativum) und vor allem Ackerbohnen (Vicia faba), auch Pferde- oder Saubohnen genannt, wurden immer beliebter. Man verwendete sie vermutlich zur Herstellung von Brei.
Schlafmohn (Papaver somniferum) und Flachs (Linum usitatissimum) dienten – wie schon in der Jungsteinzeit – zur Gewinnung von pflanzlichem Öl. Der Flachs (Lein) wurde außerdem zur Herstellung von Fasern für Leinengewebe verwendet. Ab der Spätbronzezeit stellte man häufig aus Leindotter (Camelina sativa) Öl für technische und Speisezwecke her.
Als eßbare Sammelpflanzen sind Wildäpfel (Malus sylvestris), Wildbirnen (Pyrus pyraster), Schlehen (Prunus spinosa), Trauben von Wildem Wein (Vitis sylvestris), Kornelkirschen (Cornus mas), Himbeeren (Rubus idaeus), Brombeeren (Rubus fruticosus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Haselnüsse (Corylus avellana) und Eicheln (Quercus robur, Quercus petraea) bekannt.
Dicht bei den Einzelgehöften oder Dörfern dürften gartenartige Flächen gelegen haben, etwas weiter davon entfernt die Felder, auf denen Sommer- und Wintergetreide Hülsenfrüchte angebaut wurden. Zum Schutz der Saat und der Frucht auf den Äckern vor Wild- und Haustieren waren Zäune beziehungsweise dichte Hecken erforderlich.
Neben Feldhacken aus Holz oder Hirschgeweih wurden zum Auflockern des Ackerbodens auch hölzerne Pflüge mit Rindern und später auch Pferden als Zugtieren eingesetzt. Bronzezeitliche Hakenpflüge, welche die Erde aufrissen, aber noch nicht wendeten, sind aus Italien (Lavagnone) und eventuell auch aus Deutschland (Walle bei Aurich) bekannt. Außer den parallel gezogenen Pflugspuren unter Grabhügeln ist der Einsatz des Pfluges durch spätbronzezeitliche Felszeichnungen nachgewiesen.
Die Getreideernte erfolgte in der Frühbronzezeit wohl überwiegend mit Sichelschäften aus Holz oder Hirschgeweih, in die scharfkantige Feuersteinklingen eingeklemmt wurden. Schlagartig mit Beginn der Mittelbronzezeit setzte sich paneuropäisch die aus Bronze gegossene Sichel als Neuheit durch. Es fällt auf, daß dieses Erntegerät erst jetzt in Bronze ausgeführt wurde, obwohl der Werkstoff Bronze schon seit Generationen bekannt war. Sicheln sind fast ausschließlich in Depots (früher Horte genannt) gefunden worden. Sie lösten das frühbronzezeitliche Randleistenbeil als Hortungsgut ab.
Die mittelbronzezeitlichen Sicheln weisen als einziger Gegenstand im bronzezeitlichen Inventar ein komplexes Zeichensystem auf, die sogenannten Sichelmarken. Es spricht einiges dafür, daß diese Sichelmarken ein mit kalendarisch-vegetationszyklischen Begriffen verbundenes Mitteilungssystem beinhalten. Die mondförmige, heilige Gestalt der Sichel, ihr massives und plötzliches Auftreten in Depots, verbunden mit der Beobachtung, daß zwei Drittel aller Markensicheln nie benutzt wurden, lassen die Bronzesichel als Hortgut erscheinen.
Anfangs wurde die Sichel überwiegend als »Hortgeld« an numinöse Mächte für Bitten oder Danksagungen hergestellt und geopfert. Erst in der Jung- und Spätbronzezeit, als die Zusammenstellung der Depots mehr auf dem Materialwert anstatt auf dem Symbolwert der Opfergaben basierte, büßte die Bronzesichel ihre streng genormte Form und auch ihre Funktion als »Hortgeld« ein. Von nun an diente sie vor der Deponierung in der Regel als profanes Ernteschnittgerät.
Wie in der Jungsteinzeit wurden auch in der Bronzezeit die Getreidekörner mit steinernen Handmühlen zerquetscht. Das auf diese Weise gewonnene Mehl mischte man mit Wasser. Der Teig wurde dann in tönernen Backöfen zu Brot gebacken. Solche Backöfen gehörten zu jedem Haushalt.
Neben den schon in der Jungsteinzeit üblichen Haustieren – wie Hund (Canis), Rind (Bos), Ziege (Capra), Schaf (Ovis) und Schwein (Sus) – gewann in der Bronzezeit das Pferd (Equus) immer größere Bedeutung. In der Mittelbronzezeit kam der vom Pferd gezogene Streitwagen auf. Ab der Spätbronzezeit fand das Pferd vermehrt als Reittier von Kriegern Verwendung.
Die während der Bronzezeit gehaltenen Schafrassen trugen noch dicke Stichelhaaare in der Wolle. Sobald diese beim Spinnen zu Wollfäden zusammengedreht werden sollten, erwiesen sie sich als recht widerspenstig: Sie knickten und spreizten sich mit den Enden aus dem Faden heraus. Das kann man an bronzezeitlichen Kleidungsstücken gut beobachten.
Der wichtigste technische Fortschritt in der Bronzezeit war die Verwendung des neuen Metalls Bronze bei der Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck. Anders als bei Rohkupfer, das man bereits gegen Ende der Jungsteinzeit (auch Kupferzeit genannt) in Europa kannte, ist Bronze wesentlich leichter zu schmelzen, erweist sich dann aber beim Endprodukt als merklich härter. Aus Bronze ließen sich weitaus kompliziertere Geräte anfertigen als aus Stein.
Wo und ab wann Bronze zuerst bewußt hergestellt wurde, ist umstritten. Wahrscheinlich wurde diese neue Legierung aus den Metallen Kupfer und Zinn im Vorderen Orient entdeckt. Die ältesten Bronzegeräte sind aus Mesopotamien, Ägypten und von der Mittelmeerinsel Kreta bekannt. Anscheinend konnte dort der enorme Metallbedarf bald nicht mehr ausschließlich durch eigene Kupfer- und Zinnvorkommen gedeckt werden.
Dies führte offenbar bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend zu Expeditionen von Erzsuchern nach Mittel- und Westeuropa, die wohl überwiegend auf dem Seeweg entlang der Mittelmeerküste erfolgten. Möglicherweise sind bestimmte befestigte Hügelsiedlungen in Südspanien und Portugal von solchen Erzsuchern als Kolonien erbaut worden. Dieser Theorie zufolge haben Kontakte der Erzexpeditionen mit einheimischen Stämmen und das Abreißen der Verbindung zum fernen Mutterland vielerorts selbständige Kulturen der Frühbronzezeit entstehen lassen.
In Mitteleuropa zeigte sich zunächst nur die Bevölkerung weniger Regionen dem neuen Metall gegenüber aufgeschlossen, dessen Kenntnis wahrscheinlich von der Pyrenäenhalbinsel und von Südosteuropa aus durch Wanderhandwerker verbreitet wurde. Hier ist an erster Stelle die gebietsweise in Tschechien und der Slowakei, Mitteldeutschland und Niederösterreich heimische Aunjetitzer Kultur zu nennen. Es wird vermutet, daß von dieser das ideale Mischungsverhältnis von etwa 90 Prozent Kupfer und zehn Prozent Zinn für die Bronze herausgefunden wurde.
Andere frühbronzezeitliche Kulturen in Mitteleuropa waren am nördlichen Oberrhein die Adlerberg-Kultur, südlich der Donau in Bayern die Straubinger Kultur, in Teilen Baden-Württembergs die Singener Gruppe sowie im westschweizerischen und französischen Rhonegebiet die Rhone-Kultur. Um die Zinnvorkommen der Bretagne und Südwestenglands entstand die Wessex-Kultur.
In der Mittelbronzezeit setzte sich die Bronzeherstellung und -verarbeitung in weiteren Gebieten durch. Zum Beispiel war sie nun in der von Ostfrankreich bis nach Ungarn verbreiteten Hügelgräber-Kultur sowie gleichzeitig in der nordischen Bronzezeit Skandinaviens und Norddeutschlands üblich. Während der Spätbronzezeit haben bereits alle Kulturen Europas – beispielsweise Urnenfelder-Kultur, Lausitzer Kultur, nordische Bronzezeit – die Bronzegußtechnik beherrscht.
Der Abbau der Erze Kupfer und Zinn, der Guß von verschiedenen Geräten, die Weiterverarbeitung von Bronzebarren zu Werkzeugen und Waffen sowie der Handel mit Bronzeerzeugnissen ließen neue Berufe entstehen: zum Beispiel Bergleute, Gießer, Schmiede und Händler. Holzgeräte, Keramikgefäße, Textilien und Lederwaren sind wohl noch meistens von jeder Familie selbst angefertigt worden, wenngleich es mit zunehmendem Tauschhandel auch hier bald Spezialisten gegeben haben dürfte.
Der Handel in der Bronzezeit erfolgte – mit Ausnahme von Ägypten, Sumer, Babylon, Kreta, Phönikien und erst viel später auch in Griechenland – ohne die Kenntnis der Schrift. Da allgemein noch kein Geld gebräuchlich war, beschränkte man sich auf Tauschgeschäfte. Gehandelt wurde mit den Rohmetallen Kupfer, Zinn, Gold, Silber, außerdem mit Bronze, besonders kunstvoll gearbeiteten Werkzeugen, Waffen, Gefäßen und Schmuckstücken, Bernstein, Salz und mit Überschüssen aus der Landwirtschaft, wie Saatgut und Haustieren. Vielleicht waren gelegentlich auch Kriegsgefangene als Sklaven Tauschobjekte. Ein Teil der Versteckfunde könnte von wandernden Händlern als Depot angelegt worden sein.
Für den Transport größerer Handelsgüter fanden in der Bronzezeit zunehmend Wagen Verwendung, vor die man Rinder oder Pferde spannte, sowie Boote und Schiffe, die von Ruderern fortbewegt wurden. In dieses Zeitalter fällt auch der früheste Einsatz leichter zweirädriger, von Pferden gezogener Streitwagen, die beispielsweise von den um 1650 v. Chr. in Ägypten einfallenden Kriegern der Hyksôs und außerdem von der Mykenischen Kultur in Griechenland bekannt sind.
Seit etwa 1800 v. Chr. fertigte man in Europa die im Vergleich zu den vorher üblichen schweren Scheibenrädern viel leichteren Speichenräder an. Als einer der frühesten Belege dafür wird ein Fund aus Balkåkra in Schweden gedeutet, den manche Autoren als ein nach 1700 v. Chr. zu kultischen Zwecken gebautes Wagenmodell mit Vierspeichenrädern betrachteten. Das angebliche Wagenmodell soll eine 42 Zentimeter große, kreisrunde Bronzescheibe als Sonnensymbol getragen haben. Andere Experten deuteten denselben Fund als Trommel oder als Altarschmuck.
Ins 16. Jahrhundert v. Chr. werden Abdrücke originalgroßer zehnspeichiger Räder datiert, die in Gräbern (Kurgane genannt) der Andronovo-Kultur von Sintasta im südlichen Transuralien entdeckt wurden. Diese Abdrücke stammen von Speichenrädern, deren Durchmesser bis zu einen Meter aufwies und deren Holz zerfallen war. Darstellungen von Speichenradwagen fand man häufig auf Tongefäßen der jüngeren Ockergrab-Kultur nach 1500 v. Chr. in Rußland. So waren in ein Tongefäß aus einem Grab von Suchaja Saratovka im Transwolgagebiet ein zweirädriger Wagen mit Speichenrädern, Deichsel, Joch und zwei Zugpferden eingeritzt.
Besonders häufig finden sich Wagen mit Speichenrädern auf Felsbildern in Südskandinavien und in den Südalpen. Sie wurden zwischen etwa 1800 und 1100 v. Chr. geschaffen. Eine Felsbildgruppe von Frännarp in Schweden zeigt insgesamt etwa ein Dutzend zweirädriger Wagen, die in einer Reihe aufgefahren zu sein scheinen. Sechs davon sind fahrbereit, nämlich mit je zwei Pferden bespannt. Felsbilder von Tanum und aus dem Steinkistengrab von Kivik stellen Zweiradwagen dar, auf denen der Fahrer steht. Andere schwedische Felsbilder wie die von Rished und Langön lassen vierrädrige Wagen erkennen, die lenkbar waren. Zweirädrige Wagen mit Speichenrädern gehören außerdem zum Motivschatz der Felsbilder im norditalienischen Val Camonica, einem etwa 80 Kilometer langen Talabschnitt des Oglio zwischen Tonalepaß und Iseosee.
In der Spätbronzezeit ab etwa 1200 v. Chr. waren Wagen in der von Ungarn bis Frankreich verbreiteten Urnenfelder-Kultur im Einsatz, wie Reste hölzerner und bronzener Räder sowie von Wagenbeschlägen in Gräbern belegen. Auch im Leben der Skythen in Transkaukasien spielten Wagen eine große Rolle. Die Frauen und Kinder dieser kriegerischen Nomaden wohnten in von Rindern gezogenen Fahrzeugen mit ein bis drei Räumen und Wänden aus Filz, während die Männer meistens zu Pferde ritten. Tonmodelle solcher skythischer Nomadenwagen sind in Gräbern aus der Zeit nach 1000 v. Chr. gefunden worden, beispielsweise in Mengecaura am rechten Ufer des Flusses Kura.
Bei den hochentwickelten Kulturen im östlichen Mittelmeerraum, die zu Beginn der Bronzezeit auf dem Seeweg Expeditionen zur Erzsuche nach Westeuropa entsandten, nahm die Schiffahrt zweifellos eine wichtige Stellung ein. Ihre Seefahrer waren schließlich schon fähig, Schiffe mit großer Mannschaft auf einer küstennahen Route im Mittelmeer zu fernen Gestaden zu rudern.
Ähnlich tüchtige Seefahrer lebten offenbar ab etwa 1600 v. Chr. auch in Südskandinavien. Ohne ihre Aktivitäten sind die völlig übereinstimmenden Funde von Werkzeugen, Waffen und Schmuck beiderseits der Nord- und Ostsee nicht erklärbar. Die auf skandinavischen Felsbildern und bronzenen Rasiermessern jener Zeit dargestellten Schiffe trugen noch keine Segel, wurden also durch Ruder oder Paddel vorwärts bewegt. Mit ihren hochgezogenen, von Spiralen und Tierköpfen gekrönten Steven erinnern diese Gefährte an die sehr viel später konstruierten Drachenschiffe der Wikinger. Auf den ersten Blick ähneln die Darstellungen manchmal eher einem Schneeschlitten, doch Steuerruder und paddelnde Männer schließen eine solche Vermutung aus.
Im Binnenland Europas benutzte man, wie Funde aus Seeufersiedlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beweisen, Einbäume als Wasserfahrzeuge. Sie wurden durch das Aushöhlen von dicken Baumstämmen geschaffen.

Keine Kommentare: