Montag, 14. Januar 2008

Die Bronzezeit: Das "goldene Zeitalter" der Urgeschichte 1



Video "Countryside history - 2000 BC" von Youtube
http://www.youtube.com/watch?v=2U2K_sHJqCg

Rohfassung eines Textes für das Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Als Bronzezeit wird jenes Zeitalter der Menschheitsgeschichte bezeichnet, in dem erstmals in größerem Umfang aus einer Verbindung der Metalle Kupfer und Zinn – nämlich Bronze – Werkzeuge, Waffen und Schmuck angefertigt wurden. Nach der vorangegangenen, viel längeren Steinzeit ist die Bronzezeit in Europa mit ihrer verhältnismäßig geringen Dauer von maximal 1500 Jahren das zweitlängste Zeitalter der Urgeschichte.
Die Bronzezeit begann – nach den ältesten Bronzefunden zu schließen – in Mesopotamien, Ägypten, auf der Mittelmeerinsel Kreta, in Troja und Südosteuropa schon um 2500 v. Chr., nahm in manchen Teilen Mitteleuropas etwa 2300 v. Chr. ihren Anfang und setzte in Nordeuropa erst gegen 1600 v. Chr. ein. Die Bronzezeit endete mit dem Aufkommen des Eisens, also bei den Hethitern in Kleinasien schon 1300 v. Chr., in Griechenland etwa 1200 v. Chr., in Italien und auf dem Balkan um 1000 v. Chr., in Teilen Mitteleuropas ungefähr 800 v. Chr. und in Nordeuropa erst um 500 v. Chr. Bronzezeitliche Kulturen haben in Europa, Afrika und Asien existiert.
Der Begriff »Bronzezeit« wurde 1836 in einem Museumskatalog durch den dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788–l865) aus Kopenhagen eingeführt. Statt des Namens Bronzezeit schlug der Prähistoriker Christian Strahm aus Freiburg/Breisgau bei einem Vortrag im April 1991 den Ausdruck »Metallikum« vor, weil man erst seit diesem Abschnitt von einer weitverbreiteten Metallurgie sprechen könne. Strahm bezeichnete die ältere Frühbronzezeit in Mitteleuropa als »Aufbauphase« und die entwickelte Frühbronzezeit als »industrielle Phase« der Metallurgie.
Bis in die Bronzezeit reichen die Anfänge der Antike, also des klassischen oder griechisch-römischen Altertums, zurück. Die Historiker datieren den Beginn der Antike uneinheitlich. Sie lassen die Antike entweder schon mit der frühgriechischen Einwanderung in Hellas vor 1500 v. Chr. beginnen oder erst mit der eigentlichen griechischen Geschichte etwa 500 Jahre später. Auch bezüglich des Endes der Antike war man sich nicht einig. Es wird durch bestimmte historische Ereignisse – wie etwa den Beginn der Alleinregierung Konstantins 324 n. Chr. oder die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus durch den Söldnerführer Odoaker 476 n. Chr. – markiert.
Außer den archäologischen Funden geben auch zahlreiche schriftliche Quellen über das bronzezeitliche Leben Auskunft, weil in dieser Periode die Schrift in Ägypten, Sumer und Babylonien bereits bekannt war und auf Kreta, in Phönikien und Griechenland eingeführt wurde. So liegen beispielsweise für Ägypten aus der Zeit nach 2000 v. Chr. die Dauer der einzelnen Herrscherdynastien, die Regierungszeit der Pharaonen, deren Namen sowie Jahreszahlen wichtiger Ereignisse vor. Dieses Zahlengerüst liefert manchmal wertvolle Anhaltspunkte bei Datierungsfragen.
Die Menschen der Bronzezeit kannten vielleicht schon ein altes Maßsystem, das nach neueren Erkenntnissen bereits in der Steinzeit vorhanden war und bis in die Barockzeit galt. Es soll auf der Basis von 33,3 Zentimetern für eine Einheit beruhen. Über dieses »altgermanische Maßsystem« hatte der Archäologe und Numismatiker Robert Forrer (1866-1947) aus Straßburg schon 1907 geschrieben.
Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius (1843–1921) aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bronzeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit römischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus:

Periode I (frühe Bronzezeit):
etwa 1800 bis 1500 v. Chr.,
Periode II (ältere Bronzezeit):
etwa 1500 bis 1200 v. Chr.,
Periode III (mittlere Bronzezeit):
etwa 1200 bis 1100 v. Chr.,
Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit):
etwa 1100 bis 800 v. Chr.,
Periode VI (frühe Eisenzeit):
etwa 800 bis 500 v. Chr.

Für das südliche Mitteleuropa (Süddeutschland, Österreich und die Schweiz) ist weitgehend die Gliederung von 1902 des damals in Mainz arbeitenden Prähistorikers Paul Reinecke (1872–1958) maßgeblich, der später in München tätig war. Er teilte die süddeutsche Bronzezeit nach Fundkombinationen in vier Stufen von A bis D ein. Auch die folgende Hallstatt-Zeit gliederte er in vier Stufen von A bis D, die er der Eisenzeit zurechnete.
Erst später erkannte man, daß das Fundgut der Stufen Hallstatt A und B noch nicht zur Hallstatt-Kultur im eigentlichen Sinne gehört. Aus diesem Grund wurden diese Abschnitte unter dem Begriff Urnenfelder-Zeit zusammengefaßt. Die Stufen Hallstatt C und D gelten heute als eigentliche Hallstatt-Zeit beziehungsweise -Kultur im Sinne der frühen Eisenzeit. Bisweilen werden die Stufen A und B je nach Fundgut als früheste Eisenzeit bezeichnet.
Im südlichen Mitteleuropa gilt heute – etwas abweichend von Reineckes Schema – folgende Einteilung der Bronzezeit:
Die Stufe Bronzezeit A entspricht der Frühbronzezeit. Sie wurde zeitweilig nach der vorherrschenden Bestattungsart auch Hockergräber-Bronzezeit genannt (etwa 2300 bis 1600 v. Chr.).
Die Stufen Bronzezeit B und C werden als Mittelbronzezeit bezeichnet. Wegen der charakteristischen Bestattungsart heißt diese auch Hügelgräber-Bronzezeit (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.).
Die Stufe Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) markiert sowohl das Ende der Mittel- als auch den Beginn der Spätbronzezeit. An manchen Fundstellen weist sie noch Merkmale der Hügelgräber-Bronzezeit auf, an anderen bereits solche der Urnenfelder-Zeit, meistens aber beides. Diese Übergangszeit oder Zeit eines faßbaren Kulturwandels, die Bronzezeit D, wird heute häufig als ältester Teil der Urnenfelder-Kultur betrachtet. Die Hauptphasen der nach ihrer typischen Bestattungsart in weiten Gebieten als Urnenfelder-Kultur definierten Spätbronzezeit umfassen die Stufen Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.) nach der Terminologie von Reinecke.
Das Klima der Bronzezeit fiel weitgehend in die Späte Wärmezeit (auch Subboreal genannt), die schon in der Jungsteinzeit begonnen hatte und bis etwa 800 v. Chr. dauerte. Es war eine Zeit des Übergangs, in der in Europa gebietsweise Eichenmischwälder, aber auch Buchen-, Buchen-Tannen- oder reine Fichtenwälder wuchsen.
In den Wäldern Mitteleuropas lebten unter anderem Braunbären (Ursus arctos), Wölfe (Canis lupus), Rot- beziehungsweise Edelhirsche (Cervus elaphus), Auerochsen beziehungsweise Ure (Bos primigenius) und Wildschweine (Sus scrofa). Funde von Löwenknochen, in einem Fall sogar mit Schnittspuren, Darstellungen der Mykenischen Kultur sowie die Sage von Herakles (Herkules) und dem Nemeischen Löwen zeigen, daß im bronzezeitlichen Griechenland noch wildlebende Löwen (Panthera leo) gejagt und verzehrt wurden.
Im Mittelmeergebiet ereignete sich um 1500 v. Chr. eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Bronzezeit: Bei einem Vulkanausbruch wurde die griechische Kykladeninsel Thera (das heutige Santorin) so stark verwüstet, daß man dieses Ereignis sogar mit dem Untergang des sagenhaften Atlantis in Verbindung brachte.
Die Menschen der Bronzezeit waren im Durchschnitt etwas größer als diejenigen der Steinzeit. Bei den frühbronzezeitlichen Angehörigen der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei, in Mitteldeutschland und Niederösterreich erreichten die Männer eine Körperhöhe von 1,60 bis maximal 1,78 Metern, die Frauen von 1,55 bis 1,66 Metern. Die Männer der nordischen Bronzezeit in Skandinavien und Norddeutschland waren häufig mehr als 1,70 Meter groß, wie aus Skelettfunden in Baumsärgen ersichtlich wird.
Für Jungen und Mädchen endete die Kindheit wohl im Alter von etwa 14 bis 15 Jahren. Dieses Ereignis wurde mit einem großen Fest (Initiationsfeier) begangen, bei dem die Jugendlichen Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen fanden. Nach der Zeremonie, die möglicherweise vom Häuptling oder Priester durchgeführt wurde, galten Jungen als Männer, die Mädchen als Frauen und konnten nun heiraten. Bei der Feier erhielten die Jungen vermutlich eine Waffe und die Mädchen bronzene – oder sogar goldene – Schmuckstücke.
Um den Gesundheitszustand der bronzezeitlichen Bevölkerung war es meistens schlecht bestellt. In manchen Kulturen hatte mehr als die Hälfte der Menschen irgendwelche körperlichen Mißbildungen und Krankheiten.
Mehr als drei Viertel der Männner und Frauen litten unter Parodontose, über 25 Prozent an Karies. Auch Kiefererkrankungen waren recht häufig. Weniger als ein Fünftel der Männer wurde älter als 40 Jahre. Bei den Frauen, die häufig wegen mangelnder Hygiene nach einer Entbindung starben, überlebte nur jede zwanzigste das 40. Lebensjahr. Schädelverletzungen und -krankheiten versuchte man gelegentlich durch Operationen (sogenannte Trepanationen) zu heilen.
Die bronzezeitlichen Bauern, Handwerker und Krieger in Mitteleuropa lebten in Einzelgehöften, kleinen Dörfern und befestigten Siedlungen (»Burgen«). Letztere wurden auf Bergen mit zum Teil steil abfallenden Hängen errichtet sowie mit Gräben, Wällen und Palisaden befestigt, was unruhige Zeiten vermuten läßt.
In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gab es – wie zuvor in der Jungsteinzeit – auch Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«). Spuren von ihnen kennt man aus der Früh- und Spätbronzezeit. In der Mittelbronzezeit waren die Seeufer offenbar wegen ungünstiger klimatischer Verhältnisse und steigender Wasserspiegel kein idealer Platz für Siedlungen. Die Wände und Dächer der Wohnhäuser und Nebengebäude hatte man überwiegend in Holzbauweise errichtet.
In manchen Gebieten baute man sehr große Häuser, mehrheitlich viele kleinere. Aus Angelsloo-Emmerhout bei Emmen in der holländischen Provinz Drenthe sind Grundrisse einer Siedlung mit etwa 50 Lang- und Kurzbauten sowie Speichern bekannt. Die Langbauten hatten eine Breite zwischen fünf und sechs Metern sowie eine Länge bis zu 65, in einem Fall sogar bis zu 80 Metern. Die riesigen Häuser waren in je einen Wohn- und Stallteil gegliedert. In Elp, ebenfalls in der Provinz Drenthe, existierte eine Siedlung, die aus sechs Lang- und vier Kurzhäusern sowie drei Stallgebäuden bestand. Das größte Gebäude mit 40 Meter Länge konnte im Stallteil etwa 20 bis 30 Rinder aufnehmen. Die Wohnhütten der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei mit Grundrissen von sechs mal vier beziehungsweise neun mal sechs Metern gaben sich wesentlich bescheidener.
Auf Kreta, in Griechenland, auf Sardinien, den Balearen (Mallorca, Menorca), in Spanien, Frankreich und im Karpatenbecken (Ungarn) wurden in der Bronzezeit bereits steinerne Wohngebäude oder -anlagen mit teilweise kolossalen Ausmaßen errichtet.
Zu den erstaunlichsten Leistungen der bronzezeitlichen Baukunst zählten die prachtvollen Paläste von Herrschern der Minoischen Kultur auf Kreta. Hier sind vor allem die Anlagen von Knossos, Phaistos und Hagia Triada zu nennen. Deren Glanz steht in auffälligem Kontrast zu dem Elend der Hütten in weniger entwickelten, gleichzeitigen Kulturen Mitteleuropas.
Der Palast von Knossos aus dem 16. Jahrhundert v. Chr., der ältere Vorgänger hatte, umgab einen 28 mal 60 Meter großen zentralen Hof, der von zahlreichen mehrstöckigen Gebäuden mit vielen Räumen, Pfeilersälen und Lichthöfen umrahmt wurde, die durch enge Korridore und Treppen verbunden waren. Fresken mit Alltagsszenen schmückten viele Wände. Der Palast verfügte über Warmwasserheizung, Badezimmer mit Sitzwannen und Toilette mit Wasserspülung. Diesem Komplex schloß sich eine Stadt mit schätzungsweise 50 000 Einwohnern an.
Weniger prunkvoll fielen die wehrhaften Burgen der Mykenischen Kultur (1600 bis 1100 v. Chr.) auf dem griechischen Festland und einigen Mittelmeerinseln aus. Das berühmteste Beispiel dieses Baustils findet sich in Mykene (auch Mykenä oder Mykenai genannt), nach dem jene Kultur bezeichnet ist. In den Epen des griechischen Dichters Homer residierte Fürst Agamemnon auf Mykene. Besonders trutzig wirkte die auf einem Hügel thronende Burg in der zweiten Hälfte des l4. Jahrhunderts v. Chr., nachdem sie mit »kyklopischen« Mauern verstärkt worden war.
Auch andere Kulturen beziehungsweise Stämme errichteten in der Bronzezeit schon burgenähnliche Befestigungsanlagen mit steinernen Mauern und mitunter sogar Türmen. Derartige Bauwerke kennt man von der El-Argar-Kultur in Spanien, aus dem mediterranen Frankreich und aus dem Karpatenbecken (Ungarn).
In Mitteleuropa gab es überwiegend »Burgen« mit Mauern, deren Holzkonstruktionen man mit Erde und Steinen füllte. Solche Befestigungen sind häufig durch Brände, die durch ungeschicktes Hantieren mit offenem Feuer verursacht oder durch Angreifer gelegt wurden, zerstört worden.

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