Montag, 7. Januar 2008

Die Arbon-Kultur (etwa 1800-1600 v. Chr.)

»Brotlaib-Idole« am Bodensee

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

In der jüngeren Frühbronzezeit von etwa 1800 bis 1600 v. Chr. war gebietsweise im südlichen Baden-Württemberg und in Bayern die Arbon-Kultur verbreitet. Den Begriff »Arbon-Kultur« hat 1987 der am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Breisgau lehrende Prähistoriker Christian Strahm erstmals in einer Tabelle verwendet.
Dagegen sprach 1992 der Freiburger Prähistoriker Joachim Köninger von der »Arboner Gruppe«, die er anhand des Inventars aus Schicht C der Seeufersiedlung Bodmann-Schachen I am Bodensee umriß. Charakteristisch ist vor allem die in geometrischen Mustern reich ritz- und stichverzierte Keramik. Die Namen »Arbon-Kultur«, »Arboner Gruppe« oder »Arboner Kultur« beschreiben wohl die gleiche prähistorische Erscheinung der jüngeren Frühbronzezeit in Süddeutschland und der Nordschweiz.
Die Arbon-Kultur ist nach den Seeufersiedlungen von Arbon-Bleiche 2 am Bodensee im schweizerischen Kanton Thurgau benannt. Ihr werden in Baden-Württemberg Siedlungen am Bodensee, auf Flußterrassen, in Hanglage sowie auf Höhen zugerechnet. Auch in den Tälern der bayerischen Flüsse Lech und Isar hat es Höhensiedlungen jener Kultur gegeben.
Fundschichten der Arbon-Kultur sind aus Bodman-Schachen I (Kreis Konstanz) am Bodensee bekannt. Dort haben bereits in der älteren Frühbronzezeit Seeufersiedlungen existiert. Die Fundschichten der jüngeren Frühbronzezeit aus der zweiten Hälfte des 17. vorchristlichen Jahrhunderts repräsentieren Reste von Dörfern mit fünf bis neun Häusern, die Flächen zwischen 25 und 30 Quadratmetern hatten. Ein Jahrhundert später baute man die Häuser schon merklich größer. Sie waren nun dreischiffig und verfügten über einen Grundriß von etwa 42 Quadratmeter Fläche.
In Bodman-Schachen I wurden Getreidereste entdeckt, die von Emmer (Triticum dicoccon), Einkorn (Triticum mono-coccum), Gerste (Hordeum vulgare) und Dinkel (Triticum spelta) stammen. Aufgrund der nachgewiesenen Ackerbeikräuter dürfte es sich um Wintergetreide handeln. Das Getreide wurde vermutlich außerhalb des Dorfes gedroschen, weil die sonst häufig in den Siedlungsschichten vorkommenden Druschreste so gut wie fehlen. Die Äcker waren am nahen Hangfuß der Stockacher Berge angelegt worden. Dabei dürfte es sich um größere Nutzflächen gehandelt haben, was die Nutzung des Pflugs nahelegt.
Unter der pflanzlichen Nahrung hatten wildwachsende Früchte eine nicht geringzuschätzende Bedeutung. Gesammelt wurden Brombeeren (Rubus fruticosus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Haselnüsse (Corylus avellana), Schlehen (Prunus spinosa), Wildäpfel (Malus sylvestris) und Walderdbeeren (Fragaria vesca). An ölhaltigen Pflanzen kamen Flachs (Linum usitatissimum) und Schlafmohn (Papaver somniferum) vor.
Die Wälder in der Ufersiedlung Bodman-Schachen I waren stark gelichtet. Das geht aus hohen Wildgras-Anteilen sowie Belegen von Pflanzen trockener Rasen in Pollenspektren ebenso hervor wie aus Funden von Makroresten in Siedlungsablagerungen. Demnach ist eine extensive Weidewirtschaft anzunehmen.
Entlang der Stockacher Ach standen in der Flußniederung Eschen (Alnus) und Pappeln (Populus). Am Rand der Niederung, in der sogenannten Hartholzaue, könnten Eichen- und Ulmenwälder gediehen sein. Auf dem umliegenden Bergland dürften Buchen (Fagus) dominiert haben.
An Haustieren sind in Bodman-Schachen I Schwein, Schaf oder Ziege und Rind belegt. Bei den wenigen Funden von Pferdeknochen ist unklar, ob diese von Wild- oder Haustieren stammen. Aufgrund der Kulturpflanzen und Haustierreste ist anzunehmen, daß die Bewohner Feldbau betrieben und Vieh hielten.
Auch die Jagd war für diese Bauern wichtig. Der Gewichtsanteil der Wildsäugetierrelikte an den insgesamt gefundenen Knochen lag dort in der jüngeren Frühbronzezeit nur wenig unter 50 Prozent. Es wurde also annähernd soviel Fleisch von Wild- wie von Haustieren gegessen.
Der Arbon-Kultur sind aufgrund der typischen in geometrischen Musterzonen verzierten Keramik hauptsächlich Seeufersiedlungen am Bodensee und Höhensiedlungen zuzurechnen. Inwiefern Einzelfunde vom flachen Land und Höhlenfunde regelrechte Siedlungen repräsentieren, konnte bislang nicht ermittelt werden.
Wie in der namengebenden Seeufersiedlung Arbon-Bleiche 2 in der Schweiz sind auch in Bodman-Schachen I am Bodensee viele üppig ritz- und stichverzierte Tongefäße zum Vorschein gekommen. Diese prächtige Keramik ist vor allem im 16. Jahrhundert v. Chr. modelliert worden und war schon etwa 100 Jahre später nicht mehr in Mode.
Zum keramischen Fundgut von Bodman-Schachen I zählten einige nur wenige Zentimeter lange und maximal zwei Zentimeter breite, stempelartige, gemusterte Tonobjekte. Solche Gegenstände, deren Zweck umstritten ist, bezeichnet man als »Brotlaib-Idole«. Sie wurden außer in Deutschland auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien, Oberitalien und Polen gefunden.
Die besten Vergleichsstücke für die »Brotlaib-Idole« von Bodman-Schachen I stammen aus Bayern, Niederösterreich und Tschechien. Ihre Hauptverbreitung liegt in Mittel- und Osteuropa sowie in Italien. Von wo aus die »Brotlaib-Idole« nach Süddeutschland gelangten, ist nicht sicher zu ermitteln. Kontakte über die Alpen hinweg nach Oberitalien, die durch Gußtiegel und verzierte Webgewichte in Bodman-Schachen I belegt sind, machen ihre Herkunft eher von dort wahrscheinlich.
Die »Brotlaib-Idole« aus Bodman-Schachen I sind nicht so hart wie Keramik, sondern lediglich schwach gebrannt oder nur an der Luft getrocknet worden. Deswegen eigneten sich die bruchgefährdeten Objekte nicht zum Transport über größere Entfernungen hinweg. Vermutlich hat der Austausch einer Idee zur Herstellung der »Brotlaib-Idole« in Südwestdeutschland geführt.
Aus diesem Grund muß nach Ansicht von Experten mit engen Verbindungen zwischen den Kulturgruppen nördlich und südlich der Alpen gerechnet werden. Während der ganzen Frühbronzezeit scheint das süddeutsche Gebiet in ein europaweites Beziehungsgeflecht eingebunden gewesen zu sein.
Nur 20 Kilometer von Bodman-Schachen I entfernt lag in der östlichen Bucht der Bodenseeinsel Mainau die Seeufersiedlung Egg-Obere Güll (Kreis Konstanz), die um 1620 v. Chr. erbaut worden ist. Sie wurde von einer massiven Wand aus dicht nebeneinanderstehenden 35 bis 45 Zentimeter breiten Eichenholzbohlen geschützt. Die Wand konnte bei den bisherigen Ausgrabungen auf einer Länge von etwa 40 Metern nachgewiesen werden. Sie verläuft geradlinig und knickt an beiden Enden im flachen Winkel zum Ufer hin ab.
Im Gegensatz dazu sind aus – dendrochronologisch nachgewiesenen – zeitgleichen Ufersiedlungen des Bodenseegebietes und der Schweiz nur offene oder von einfachen Pa-lisaden umgebene Siedlungen bekannt. Hierin sehen Prähistoriker die besondere historische Bedeutung der Entdeckung in der Oberen Güll. Sie verrät, daß es am Bodensee außer einfachen bäuerlichen Ortschaften erstmals auch stark befestigte Anlagen gab. Somit dürften dort ab dem 17. Jahrhundert v. Chr. früheste lokale Machtzentren entstanden sein.
Siedlungen des vergleichbaren Typs existierten im Bereich der frühbronzezeitlichen Kulturen der Slowakei und in Ungarn sowie in Mitteldeutschland und Tschechien. In der Slowakei und in Ungarn spiegeln sie sich durch stark befestigte Höhensiedlungen wider, in Mitteldeutschland und in Tschechien durch »Fürstengräber« der Aunjetitzer Kultur.
In Oberschwaben scheint es bereits früher als am Bodensee ein Machtzentrum gegeben zu haben. Denn die befestigte »Siedlung Forschner« am Federsee (Kreis Biberach) hat – dendrochronologischen Untersuchungen zufolge – schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts v. Chr. bestanden. Diesen Siedlungsplatz umgab man 1767/66 mit einer Palisade. Nach dem Bau eines Hauses um 1760 v. Chr. wurde die Siedlung durch eine zweischalige Holzmauer eingefaßt, deren Zwischenraum man mit Erde füllte. Der Innenraum war mit etwa 50 meistens haufenartig angeordneten Häusern bebaut.
Der wehrhafte Charakter des etwa 8 000 Quadratmeter großen Komplexes im Moor, insbesondere seine Bebauungsfolge, spricht nach Ansicht des Stuttgarter Prähistorikers Erwin Keefer für ein starkes Sicherheits- und Schutzbedürfnis der Erbauer. Um 1737 v. Chr. ersetzte man in den Häusern, der Mauer und den Palisaden einzelne Pfosten. Danach brach die nachweisbare Bautätigkeit ab. Wann und warum die Siedlung verlassen wurde, ist nicht geklärt. Dabei könnte der Anstieg des Federseepegels eine Rolle gespielt haben. Etwa 250 Jahre später wurde in der Mittelbronzezeit an der gleichen Stelle eine Siedlung errichtet.
Im Fundgut der frühbronzezeitlichen »Siedlung Forschner« sind häufig Scherben und Gefäßfragmente vertreten, die den Aunjetitzer Formen ähneln. Die Aunjetitzer Kultur war in der Slowakei, in Tschechien und in Mitteldeutschland beheimatet. Möglicherweise standen die Bewohner dieses Dorfes in Konkurrenz zur Bevölkerung der Arbon-Kultur, die sich längs der Donau und im Bodenseegebiet niedergelassen hatte. Die vereinzelt in Spülsäumen am Rand der »Siedlung Forschner« vorkommenden, typisch reich ritz- und stichverzierten Scherben der Arbon-Kultur gelten als Belege für Kontakte.
Wie die »Siedlung Forschner« läßt sich auch die frühbronzezeitliche Höhensiedlung auf dem Veitsberg bei Ravensburg (Kreis Ravensburg) nicht der Arbon-Kultur zuordnen. Vielleicht gehörten die Bewohner dieser beiden ungleichen Siedlungen zur selben Kultur. Unter den Tonscherben auf dem Veitsberg fanden sich Bruchstücke einer importierten Unterwölblinger Tasse der Unterwölblinger Gruppe aus Niederösterreich.
Unsicher ist die Zugehörigkeit der Siedlung von Neuhausen auf den Fildern (Kreis Esslingen) zur Arbon-Kultur. Bei den dortigen Funden aus der jüngeren Frühbronzezeit handelt es sich ausnahmslos um Keramikreste, die von Sammlern in der Lehmgrube auf der Flur »Egelsee« aufgelesen wurden. Daß nicht nur die Seeufer und Höhen besiedelt waren, belegen zahlreiche Fundstellen in Hang- und Tallage.
Hauptsächlich entlang der Donau, aber auch am Neckar, am Lech, im Tal der Isar und am Nordabhang der Schwäbischen Alb waren zahlreiche Höhensiedlungen der Arbon-Kultur gegründet worden. Die für sie charakteristische Keramik mit den üppigen Ornamenten wurde auf dem Kirchberg bei Ammerbuch-Reusten (Kreis Tübingen), auf dem Lochenstein (Kreis Balingen) und auf dem Schloßberg von Ulm/Ehrenstein (Alb-Donau-Kreis) in Baden-Württemberg sowie auf dem Schloßberg von Landsberg am Lech und auf dem Domberg von Freising in Bayern gefunden. Über die Bebauung der Höhensiedlungen weiß man wenig. Spuren von Hausgrundrissen fehlen weitgehend.
Die ehemals vorhandenen Befestigungswerke sind bei Anlagen der Arbon-Kultur ebenfalls kaum erhalten geblieben. Tönernes Geschirr mit deutlichen Brandeinwirkungen auf dem Schloßberg von Landsberg am Lech bezeugt, daß die Bewohner dieser Höhensiedlung in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt waren.
Keramikreste aus der jüngeren Frühbronzezeit in etlichen Höhlen bezeugen ebenfalls die Anwesenheit von Angehörigen der Arbon-Kultur. Zu diesen Fundorten gehören die Höhle Haus bei Heubach (Ostalbkreis) und die Burghöhle von Dietfurt (Kreis Sigmaringen) an der Donau. Ob die Höhlen regelrecht besiedelt wurden, ist zweifelhaft. Vielmehr dürften sie als vorübergehende Aufenthaltsorte gedient haben.
Die Arbon-Kultur und die östlich benachbarte Straubinger Kultur traten nicht flächendeckend auf. Ihre Siedlungen lagen an den Hauptverkehrswegen der damaligen Zeit. Da beide Kulturen bis hin zu den Kupfererzlagerstätten der Alpen durch Funde nachweisbar sind, dürfte ihr Verbreitungsbild in engem Zusammenhang mit dem Bronzehandel zu sehen sein.
Werkzeuge und Schmuckstücke wurden von den Metallhandwerkern der Arbon-Kultur im Gußverfahren hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt muß die Technik des Bronzegießens schon eine längere Tradition gehabt haben. Auch kleinere Objekte wie Schmucknadeln hat man hohl auf einem Tonkern gegossen, was auf ein hohes Können der Bronzegießer schließen läßt. Nach heutigem Kenntnisstand tauchten gegossene Objekte in Südwestdeutschland erstmals um 1800 v. Chr. auf.
Während in der älteren Frühbronzezeit noch Salez-Beile und Ösenringbarren als Rohmetallformen dienten, scheinen in der jüngeren Frühbronzezeit vor allem spangenförmig gebogene Barren (Spangenbarren) üblich gewesen zu sein. In Bermatingen (Bodenseekreis) kam ein Depot mit 66 Spangenbarren im Gesamtgewicht von 5,4 Kilogramm zum Vorschein. Diese Barren sind jeweils etwa 29 Zentimeter lang sowie maximal 1,5 Zentimeter breit und maximal einen Zentimeter dick. Eine typische Beilform der jüngeren Frühbronzezeit waren die Langquaid-Beile mit halbkreisförmiger Schneide.
Eine bemerkenswerte Fundlandschaft aus der jüngeren Frühbronzezeit konzentriert sich – so schrieb 1988 der Stuttgarter Prähistoriker Rüdiger Krause – auf das Neckargebiet zwischen Reutlingen und Rottenburg. Dort sind Einflüsse und Importe aus dem Bereich der erwähnten Aunjetitzer Kultur und aus den Alpen feststellbar.
Aus dem Verbreitungsbereich der Aunjetitzer Kultur stammen eine gegossene bronzene Armstulpe aus Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen) und eine Stabdolchklinge aus Rottenburg-Kiebingen (Kreis Tübingen). Die beiden verzierten Objekte sind Einzelfunde. Die Armstulpe ist 9,5 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von sieben Zentimetern, und ihr Blech ist zwei bis drei Millimeter dick. Die Stabdolchklinge mißt 22,6 Zentimeter. Stabdolche dienten – wie erwähnt – nicht als Waffen, sondern eher als Herrschafts- und Würdezeichen.
Als Funde alpiner Herkunft gelten ein 22,5 Zentimeter langes Randleistenbeil sowie ein 17,5 Zentimeter langer Dolch mit sechsnietiger Griffplatte und 6,2 Prozent Zinnanteil aus Rottenburg (Kreis Tübingen). Letzteres Objekt wurde zusammen mit zwei Ösenhalsringen und einem Beilfragment entdeckt und hat die besten Vergleichsstücke im südwestschweizerischen Alpenraum und am Genfer See.
Einmalig nördlich der Alpen ist der imposante Statuenmenhir aus Tübingen-Weilheim. Auf dem ehemals 4,50 Meter großen Block aus Sandstein sind auf der Vorderseite die mit einem spitzen Werkzeug herausgearbeiteten Reliefs von fünf frühbronzezeitlichen Stabdolchen und eine ovale Scheibe mit einem maximalen Durchmesser von 40 Zentimetern zu sehen. Die übereinandergestellten Stabdolche nehmen eine Fläche von 1,75 Metern ein. Die gesamte Rückseite des Pfeilers ist mit näpfchenartigen Vertiefungen und Rillen verziert.
Der pfeilerartige Stein – ein Findling – von Tübingen-Weilheim dürfte vom südlich der Fundstelle gelegenen Höhenzug »Rammert« geholt worden sein. Der Pfeiler wurde einst etwa einen Meter tief in den Boden eingegraben und ragte demnach 3,50 Meter über die Erdoberfläche. Die besonders dekorative Vorderseite mit den Stabdolchen und der Scheibe war nach Westen gerichtet.
Das geheimnisvolle Kunstwerk von Tübingen-Weilheim ähnelt den Statuenmenhiren aus Südtirol und Darstellungen auf Felsbildern in Oberitalien. So gleichen die Stabdolche von Tübingen-Weilheim Darstellungen auf den Südtiroler Menhiren von Algund, Lengstein und Tötschling sowie jenen auf einem Felsbild von Montecchio im Valcamonica, einem Alpental nördlich des Iseo-Sees in Oberitalien.
Gruppenweise angeordnete Stabdolche gehören auch zu den Motiven bronzezeitlicher Felsbilder am Monte Bégo in den Alpes Maritimes an der italienisch-französischen Grenze. In dieser einsamen Bergregion war in mehr als 2 000 Meter Höhe eine Kultstätte angelegt worden. Auf den Felsbildern des Monte Bégo tragen Menschen bei rituellen Handlungen überdimensionale Stabdolche an langen Stangen. Und auf Felsblöcken im Valcamonica und im Veltlin werden Stabdolche häufig zusammen mit Sonnensymbolen dargestellt, die auf einen Sonnenkult schließen lassen.
Der Tübinger Prähistoriker Hartmann Reim, der den Statuenmenhir von Tübingen-Weilheim untersucht hat, nimmt an, daß diesem Fund eine Funktion im Bereich des Kultisch-Religiösen zukam. Zumindest aber belegt er Kontakte des Neckarraumes um Tübingen mit der Alpenregion und Oberitalien. Eine Replik des Menhirs steht heute etwa
50 Meter von der Fundstelle entfernt.
Frühbronzezeitliches Alter vermutet Hartmann Reim auch für das mutmaßliche Fragment eines Menhirs aus Rottenburg-Lindele (Kreis Reutlingen). Das Bruchstück ist
99 Zentimeter lang, 67 Zentimeter breit, 33 Zentimeter dick und zeigt in flachem Relief zwei mit schmalen Stegen verbundene Ringe. Reim deutet dieses Motiv als Teil der abstrakten Darstellung eines zwei- oder vierrädrigen Wagens ähnlich jenen auf Felsbildern im Valcamonica. Der Menhir wurde in 270 Meter Entfernung von einem Friedhof der älteren Frühbronzezeit in Rottenburg-Herderstraße13 geborgen.
Aus ganz Südwestdeutschland sind bisher nur wenige Bestattungen der jüngeren Frühbronzezeit bekannt. Eine davon lag bei Reutlingen am Fuß der Schwäbischen Alb, andere befanden sich in Bodman-Ludwigshafen (Kreis Konstanz) am Bodensee. Die Gräber waren – mit wenigen Ausnahmen – leer.
Bei Reutlingen hatte man das Skelett eines Menschen gefunden, der in Hockerstellung mit zum Körper hin angezogenen Beinen bestattet worden war. Zu seinen Grabbeigaben gehörten ein 14,7 Zentimeter langer Dolch des Schweizer Typs oder Alpinen Typs mit durchbrochenem Griff für organische Einlagen, ein Ösenhalsring und eine kleine Spirale, die als Finger-, Haar- oder Kappenschmuck diente. Alle Objekte sind verschollen.
In Bodman wurden bei Bauarbeiten mindestens vier Gräber eines Friedhofs unbekannter Größe aus der Früh- und Mittelbronzezeit zerstört. Augenzeugenberichten zufolge waren diese Toten auf der Seite ruhend in Hockerstellung beerdigt. Über den Skeletten lagen offenbar große Steinbrocken, die entweder den Sarg oder die Grabgrube bedeckten. Im Konstanzer Rosgarten-Museum wurden als einzige erhaltene Funde aus diesen Gräbern eine bronzene Dolchklinge und zwei kleine, nur etwa fingerdicke Goldspiralen ausgestellt. Letztere sind seit Anfang der neunziger Jahre verschollen, vermutlich hat man sie entwendet.
Anscheinend wurden die Toten der Arbon-Kultur in einer archäologisch nicht nachweisbaren Form beigesetzt, welche die Erhaltung der Bestatteten weitgehend ausschloß. Oder man hat ihre Gräber unerkannt zerstört, wofür einige Einzelfunde sprechen könnten. Vielleicht waren die Friedhöfe und Gräber aber auch in Landschaften mit bestimmten Geländeeigenschaften angelegt worden – etwa in Hangfußlage, wo mit mächtigen, meterdicken Auflagen zu rechnen ist. Hier dürften weder die Landwirtschaft noch andere Bodeneingriffe im Normalfall zu Entdeckungen führen.

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