Sonntag, 8. April 2007

Kulturen der Steinzeit

Steinzeitbuch

Aus: Deutschland in der Steinzeit (1991) von Ernst Probst:

ALTSTEINZEIT (Paläolithikum) von mehr als 2 Millionen Jahren bis 2300 v. Chr.:

Geröllgeräte-Industrien vor mehr als 2 Millionen bis 1 Million Jahren. Begriff Geröllgeräte-Industrien in den 1920-er Jahren durch den damals in Uganda arbeitenden englischen Geologen Edward James Wayland geprägt.
Siehe Liste: Pioniere der Steinzeitforschung unten!

Protoacheuléen vor etwa 1,2 Millionen bis 600000 Jahren. Name besagt, dass es sich um eine Kulturstufe vor dem Acheuléen handelt, das nach dem französischen Fundort Saint-Acheul bei Amiens an der Somme bezeichnet ist. Begriff Protoacheuléen 1985 von dem Marburger Prähistoriker Lutz Fiedler geprägt.

Altacheuléen vor etwa 600000 bis 350000 Jahren. Begriff Altacheuléen 1924 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier geprägt.

Jungacheuléen vor etwa 350000 bis 150000 Jahren. Begriff Jungacheuléen 1924 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier geprägt.

Spätacheuléen vor etwa 150000 bis 100000 Jahren. Begriff Spätacheuléen 1964 von dem damals in Münster arbeitenden Prähistoriker Klaus Günther geprägt.

Micoquien vor etwa 125000 bis 40000 Jahren, benannt nach der Halbhöhle von La Micoque bei Les Eyzies-de-Tayac im französischen Departement Dordorgne. Begriff Micoquien 1916 von dem damals in Basel lebenden schweizerischen Archäologen und Antiquitätenhändler Otto Hauser geprägt.

Moustérien vor etwa 125000 bis 40000 Jahren, benannt nach der Höhle von Le Moustier bei Les-Eyzies de Tayac im französischen Departement Dordogne. Begriff Moustérien 1869 von dem französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Blattspitzen-Gruppen vor etwa 50000 bis 35000 Jahren, benannt nach typischen Steinwerkzeugen. Begriff Blattspitzen-Gruppen 1929 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier und dem Straßburger Geologen Paul Wernert geprägt.

Aurignacien vor etwa 35000 bis 29000 Jahren, benannt nach der Höhle von Aurignac im französischen Departement Haute Garonne. Begriff Aurignacien 1869 durch den französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Gravettien vor etwa 28000 bis 21000 Jahren, benannt nach der Halbhöhle La Gravette bei Bayac im französischen Departement Dordogne. Begriff Gravettien 1938 von der englischen Archäologin Dorothy Garrod geprägt.

Magdalénien vor etwa 15000 bis 11500 Jahren, benannt nach der Halbhöhle La Madeleine gegenüber von Tursac in der Dordogne. Begriff Magdalénien 1869 von dem französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Hamburger Kultur vor etwa 15000 bis 14000 Jahren, benannt nach Fundstellen im Raum Hamburg. Begriff Hamburger Kultur 1933 von dem damals in Kiel arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.

Federmesser-Gruppen vor etwa 12000 bis 10700 Jahren, benannt nach einem typischen Waffenteil. Begriff Federmesser 1912 von dem Tübiniger Prähistoriker Richard Rudolf Schmidt geprägt, Begriff Federmesser-Gruppen 1954 von dem damals in Kiel lehrenden Prähistoriker Hermann Schwabedissen.

Bromme-Kultur vor etwa 11700 bis 11000 Jahren, benannt nach dem Fundort Bromme auf der dänischen Insel Seeland. Begriff Bromme-Kultur 1946 von dem dänischen Archäologen Therkel Mathiassen geprägt.

Spätpaläolithikum vor etwa 11500 bis 10000 Jahren. Begriff Spätpaläolithikum 1970 von dem tschechischen Prähistoriker Slavomil Vencl aus Prag geprägt.

Ahrensburger Kultur vor etwa 10700 bis 10000 Jahren (8700 bis 8000 v. Chr.), benannt nach Fundstellen in der Umgebung von Ahrensburg bei Hamburg. Begriff Ahrensburger Kultur 1928 von dem damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes.

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MITTELSTEINZEIT (Mesolithikum) von etwa 8000 bis 5000 v. Chr.:

Frühestmesolithikum von etwa 8000 bis 7700 v. Chr. Begriff Frühestmesolithikum 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Beuronien bzw. Frühmesolithikum von etwa 7700 bis 5800 v. Chr., benannt nach dem Ort Beuron in Baden-Württemberg, in dessen Nähe in der Jägerhaushöhle Fundschichten des Frühmesolithikums entdeckt wurden. Begriff Beuronien 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Spätmesolithikum von etwa 5800 bis 5000 v. Chr. Begriff Spätmesolithikum 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Maglemose-Kultur von etwa 8000 bis 6000 v. Chr., benannt nach dem Sumpfgebiet magle mose bei Mullerup an der Westküste der dänischen Insel Seeland. Begriff Maglemose-Kultur 1912 von dem dänischen Archäologen Georg F. L. Sarauw geprägt.

Duvensee-Gruppe von etwa 7000 bis 6000 v. Chr., benannt nach dem Fundort Duvenseer Moor (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein. Begriff Duvensee-Gruppe 1925 von dem damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.

Oldesloer Gruppe von etwa 6000 bis 5000 v. Chr., benannt nach Funden im Raum Oldesloe in Schleswig-Holstein. Begriff Oldesloer Gruppe 1925 durch den damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.

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JUNGSTEINZEIT (Neolithikum) von etwa 5500 bis 2300 v. Chr.:

Linienbandkeramische Kultur von etwa 5500 bis 4900 v. Chr., benannt nach den bänderartigen Verzierungen der Tongefäße dieser Kultur. Begriff Bandkeramik 1884 durch den Jenaer Kunsthistoriker Friedrich Klopfleisch geprägt, Begriff Linearkeramik durch den Heilbronner Arzt und Urgeschichtsforscher Alfred Schliz.

La-Hoguette-Gruppe und Limburg-Gruppe, benannt nach dem Fundort La Hoguette im französischen Departement Calvados in der Normandie und der niederländischen Provinz Limburg. Begriff La-Hoguette-Gruppe 1983 von dem französischen Prähistoriker Christian Jeunesse aus Straßburg geprägt. Begriff Limburg-Gruppe 1970 von dem niederländischen Prähistoriker Pieter J. R. Modderman eingeführt.

Stichbandkeramische Kultur von etwa 4900 bis 4500 v. Chr., benannt nach der typischen Verzierung der Tongefäße dieser Kultur. Begriff Stichbandkeramische Kultur 1889 von dem Finanzoberrat und Prähistoriker Karel Buchtela aus Prag eingeführt.

Oberlauterbacher Gruppe von etwa 4900 bis 4500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Oberlauterbach (Kreis Landshut) in Niederbayern. Begriff Oberlauterbacher Gruppe 1980 von dem Prähistoriker Peter Michael Bayerlein in seiner Heidelberger Dissertationsarbeit geprägt.

Hinkelstein-Gruppe von etwa 4900 bis 4800 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld im Gewann Hinkelstein von Monsheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz. Begriff Hinkelstein-Gruppe geht auf den Wormser Arzt und Heimatforscher Karl Koehl zurück, der 1898 den Begriff Hinkelsteintypus vorschlug.

Großgartacher Gruppe von etwa 4800 bis 4600 v. Chr., benannt nach der Siedlung Großgartach (Kreis Heilbronn) in Baden-Württemberg. Begriff Großgartacher Gruppe 1901 von dem Heilbronner Arzt und Urgeschichtsforscher Alfred Schliz geprägt.

Ertebölle-Ellerbek-Kultur von etwa 5000 bis 4300 v. Chr., benannt nach den Fundorten Ertebölle im Limfjord bei Aalborg in Dänemark und Kiel-Ellerbek auf dem Ostufer der Kieler Förde in Schleswig-Holstein. Begriff Ertebölle-Ellerbek-Kultur 1958 von dem Prähistoriker Hermann Schwabedissen geprägt.

Rössener Kultur von etwa 4600 bis 4300 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld im Ortsteil Rössen von Leuna (Kreis Merseburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Rössener Kultur 1900 von dem Berliner Prähistoriker Alfred Götze geprägt.

Schwieberdinger Gruppe von etwa 4300 bis 4200 v. Chr., benannt nach dem Fundort Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) in Baden-Württemberg. Begriff Schwieberdinger Gruppe 1938 von dem Prähistoriker Armin Stroh geprägt.

Gaterslebener Gruppe von etwa 4400 bis 4200 v. Chr., benannt nach den Funden vom Karnickelberg bei Gatersleben (Kreis Aschersleben) in Sachsen-Anhalt. Begriff Gaterslebener Gruppe 1952 von dem Prähistoriker Ulrich Fischer geprägt.

Bischheimer Gruppe von etwa 4400 bis 4200 v. Chr., benannt nach dem Fundort Bischheim bei Kirchheimbolanden (Donnersbergkreis) in Rheinland-Pfalz. Begriff Bischheimer Gruppe 1938 von dem Prähistoriker Armin Stroh geprägt.

Aichbühler Gruppe von etwa 4200 bis 4000 v. Chr., benannt nach dem Fundort Aichbühl bei Bad Schussenried (Kreis Biberach) in Oberschwaben. Begriff Aichbühler Gruppe im heutigen Sinne stammt von dem damals in Köln lehrenden Prähistoriker Jens Lüning.

Münchshövener Gruppe von etwa 4300 bis 3900 v. Chr., benannt nach dem Fundort Münchshöven (Kreis Straubing-Bogen) in Niederbayern. Begriff Münchshövener Gruppe geht auf den damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Walter Bremer zurück, der vom Münchshövener Typus sprach.

Jordansmühler Gruppe von etwa 4300 bis 3900 v. Chr., benannt nach dem heute in Polen liegenden niederschlesischen Fundort Jordansmühl (Jordanow Slaski). Begriff 1916 von dem Breslauer Prähistoriker Hans Seger geprägt.

Michelsberger Kultur von etwa 4300 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Michelsberg beim Ortsteil Untergrombach von Bruchsal (Kreis Karlsruhe) in Baden-Württemberg, auf dem sich eine befestigte Siedlung dieser Kultur befand. Begriff Michelsberger Kultur 1908 von dem damals in München arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Nordwestdeutsche Trichterbecher-Kultur von etwa 4300 bis 3000 v. Chr., benannt nach einem typischen Tongefäß dieser Kultur. Begriff Trichterbecher-Kultur 1930 von dem polnischen Prähistoriker Konrad Jadzewski aus Lodz geprägt.

Baalberger Kultur von etwa 4300 bis 3700 v. Chr., benannt nach einem Steinkistengrab auf dem Schneiderberg von Baalberge (Kreis Bernburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Baalberger Gruppe 1930 von dem damals in Halle/Saale arbeitenden Anthropologen Paul Grimm geprägt, von dem auch der Begriff Baalberger Kultur stammt.

Schussenrieder Gruppe von etwa 4200 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Bad Schussenried im Federseegebiet. Begriff Schussenrieder Gruppe 1960 von dem damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Jürgen Driehaus geprägt.

Hornstaader Gruppe von etwa 4100 bis 3900 v. Chr., benannt nach der Siedlung Hornstaad-Hörnle I bei Gaienhofen (Kries Konstanz) in Baden-Württemberg. Begriff Hornstaader Gruppe 1985 von dem Prähistoriker Bodo Diekmann aus Gaienhofen-Hemmenhofen geprägt.

Pfyner Kultur von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem schweizerischen Fundort Pfyn im Kanton Thurgau. Begriff Pfyner Kultur 1960 von dem damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Jürgen Driehaus geprägt.

Altheimer Kultur von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach der befestigten Siedlung dieser Kultur von Altheim (Kreis Landshut) in Niederbayern. Begriff Altheimer Kultur 1915 von dem damals in München arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Pollinger Gruppe von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Polling (Kreis Weilheim-Schongau) am ehemaligen Jakob-See in Oberbayern. Begriff Pollinger Gruppe geht auf den Münchener Prähistoriker und Anthropologen Ferdinand Birkner zurück, der 1936 vom Polliniger Typus sprach.

Salzmünder Kultur von etwa 3700 bis 3200 v. Chr., benannt nach der Höhensiedlung von Salzmünde (Saalkreis) in Sachsen-Anhalt. Begriff Salzmünder Kultur 1938 von dem damals in Halle/Saale arbeitende Anthropologen Paul Grimm geprägt.

Horgener Kultur von etwa 3300 bis 2800 v. Chr., benannt nach der schweizerischen Ufersiedlung Horgen-Scheller am Zürichsee. Begriff Horgener Kultur 1934 von dem Zürcher Prähistoriker Emil Vogt geprägt.

Chamer Gruppe von etwa 3500 bis 2700 v. Chr., benannt nach dem Kreis Cham im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz. Begriff Chamer Gruppe 1951 von dem damals in Straubing arbeitenden Prähistoriker Hans-Jürgen Hundt geprägt.

Goldberg III-Gruppe von etwa 3500 bis 2800 v. Chr., benannt nach der dritten auf dem Goldberg bei Riesbürg (Ostalbkreis) in Baden-Württemberg entdeckten Siedlung. Begriff Goldberg III-Gruppe 1937 von dem Frankfurter Prähistoriker Gerhard Bersu geprägt.

Wartberg-Gruppe von etwa 3500 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Wartberg bei Niedenstein-Kirchberg (Schwalm-Eder-Kreis) in Hessen, auf dem Siedlungen dieser Kultur lagen. Begriff Wartberg-Gruppe 1951 von dem damals in Kassel arbeitenden Prähistoriker Hermann Müller-Karpe geprägt.

Walternienburg-Bernburger Kultur von etwa 3200 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld von Walternienburg (Kreis Zerbst) und Gräbern von Bernburg (Kreis Bernburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Walternienburg-Bernburger Kultur ist auf den schwedischen Archäologen Nils Aberg zurückzuführen.

Havelländische Kultur von etwa 3200 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Verbreitungsgebiet. Begriff geht auf den Berliner Prähistoriker Alfred Götze zurück, der 1911 von Havelländischer Keramik sprach.

Kugelamphoren-Kultur von etwa 3100 bis 2700 v. Chr., benannt nach typischen Tongefäßen dieser Kultur. Begriff Kugelamphoren-Kultur 1900 von dem Berliner Prähistoriker Alfred Götze geprägt.

Schnurkeramische Kulturen von etwa 2800 bis 2400 v. Chr., benannt nach den mit Abdrücken von Schnüren verzierten Tongefäßen dieser Kultur. Begriff Schurkeramische Kulturen geht auf den Berliner Prähistoriker Alfred Götze zurück, der 1891 von Schnurverzierter Keramik und Schnurkeramik sprach.

Einzelgrab-Kultur von etwa 2800 bis 2300 v. Chr., benannt nach typischen einzelnen Gräbern unter Erdhügeln. Begriff Einzelgrab-Kultur 1891 von der Kieler Prähistorikerin Johanna Mestorf geprägt.

Glockenbecher-Kultur von etwa 2500 bis 2200 v. Chr., benannt nach typischen Tongefäßen dieser Kultur in Gestalt einer umgestülpten Glocke. Begriff Glockenbecher, den zuvor schon italienische und tschechische Prähistoriker benutzt hatten, 1900 von dem damals in Mainz arbeitetenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Schönfelder Kultur von etwa 2500 bis 2100 v. Chr., benannt nach der Fundstelle Schönfeld (Kreis Stendal) nördlich von Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Begriff Schönfelder Kultur 1910 von dem Gymnasialprofessor und Prähistoriker Paul Kupka aus Stendal geprägt.

Dolchzeit von etwa 2300 bis 1600 v. Chr. nach den Feuersteindolchen aus dieser Zeitspanne. Begriff Dolchzeit 1902 von dem Kopenhagener Prähistoriker Sophus Müller geprägt.

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BÜCHER VON ERNST PROBST

Deutschland in der Urzeit. Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit, Orbis Verlag, 480 Seiten im Großformat 24x31 cm, 369 Abbildungen, 27 Karten

Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Orbis Verlag, 620 Seiten im Großformat 24x31 cm, 654 Abbildungen, 13 Karten

Deutschland in der Bronzezeit. Bauern, Bronzegießer und Burgherren zwischen Nordsee und Alpen, Orbis Verlag, 560 Seiten im Großformat 24x31 cm, 576 Abbildungen, 14 Karten

Rekorde der Urzeit, Omnibus Verlag, 352 Seiten

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Pioniere der Steinzeitforschung

Die Auswahl beschränkt sich auf Prähistorikerinnen und Prähistoriker, die den Namen einer in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertretenen Stufe, Kultur oder Gruppe der Steinzeit in die Fachliteratur eingeführt haben. Die Texte stammen aus dem Buch "Deutschland in der Steinzeit" (1991) des Wissenschaftsautors Ernst Probst aus Mainz-Kostheim und wurden nach Erscheinen nicht mehr aktualisiert.

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Nils Aberg, geboren am 24. Juli 1888 in Norrköping/Schweden, gestorben am 28. Februar 1957 in Uppsala. Nach dem Abitur in Norrköping (1907) studierte er in Uppsala. 1912 promovierte er. 1915 wurde er Dozent für nordische und vergleichende Vorgeschichte an der Universität Uppsala. Seit 1928 vertrat er das an der Hochschule Stockholm neu eingerichtete Fach, das 1949 in einen Lehrstuhl umgewandelt wurde. Auf ihn geht der Begriff Walternienburg-Bernburger Kultur zurück (1918).

Peter Michael Bayerlein, geboren am 1. Mai 1944 in Nürnberg, studierte in Heidelberg. Ab 1981 war er beim Deutschen Archäologischen Institut in Kairo beschäftigt. Er schlug 1980 in seiner Dissertation den Begriff Oberlauterbacher Gruppe vor für Funde, die bis dahin verschiedenen Kulturen zugeschrieben wurden. Den Namen wählte er in Anlehnung an den l936 von dem Münchner Prähistoriker Ferdinand Birkner verwendeten Begriff Oberlauterbacher Keramik.

Gerhard Bersu, geboren am 26. September 1889 in Jauer (Schlesien), gestorben am 19. November 1964 in Magdeburg. Er wurde 1929 Zweiter Direktor der Römisch-Germanischen Kommission und 1951 erster Direktor. Weil er Jude war, entließ ihn 1935 das NS-Regime. 1947 bis 1950 wirkte er an der Irish Academy Dublin und von 1950 bis 1956 wieder als Direktor der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt am Main. Bersu hat den Begriff Goldberg III geprägt (1957).

Ferdinand Birkner, geboren am 28. Dezember 1868 in München, gestorben am 29. Dezember 1944 in München. Er habilitierte sich 1904 und wurde 1909 außerordentlicher Professor, Direktor der Prähistorischen Staatssammlung (bis 1934) und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Birkner verfasste zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze über alt-, mittel- und jungsteinzeitliche Themen. Auf ihn wird der Begriff Pollinger Gruppe zurückgeführt (1936).

Walter Bremer, geboren am 8. Juni 1887 in Wismar, gestorben am 9. November 1926 in Dublin. Zu seinem Ruhm trugen vor allem die Ausgrabungen in der jungsteinzeitlichen Siedlung Eberstadt in Hessen und die darüber veröffentlichte Arbeit bei. Er wurde 1920 Privatdozent und 1922 außerordentlicher Professor an der Universität Marburg. 1925/26 wirkte er als Kurator der Irischen Altertümer in Dublin (Irland). Auf Walter Bremer geht der Name Münchshöfener Gruppe zurück.

Karel Buchtela, geboren am 6. März 1864 in Novy Pavlov, gestorben am 19. März 1946 in Prag. Er war Finanzoberrat und bekleidete von 1924 bis 1938 das Amt des Direktors des Staatlichen Archäologischen lnstituts in Prag. Bei seinen Forschungen arbeitete er mit dem tschechoslowakischen Archäologen Lubor Niederle (1855-1944) aus Prag zusammen. Buchtela betätigte sich als Ausgräber und schrieb wichtige Abhandlungen. Er prägte den Begriff Stichbandkeramik (1889).

Bodo Dieckmann, geboren am 23.März 1952 in Jüterbog, Bezirk Potsdam. Er studierte in Göttingen und Freiburg und promovierte 1983 mit einer Arbeit über das Mittel- und Jungneolithikum am südlichen Oberrhein. Seit 1983 leitet er beim Landesdenkmalamt Baden-Württem- berg die Ausgrabungen in der Pfahlbausiedlung Hornstaad am westlichen Bodensee. Sein besonderes Interesse gilt siedlungsarchäologischen Fragestellungen. 1985 prägte er den Begriff Hornstaader Gruppe.

Stojan Dimitrijevic, geboren am 11. August 1928 in Horgos-Kameras, gestorben am 13. Dezember 1981 in Zagreb. Er arbeitete ab l954 als Assistent an der Philosophischen Fakultät in Zagreb. 1961 wurde er dort Dozent für Urgeschichte. Er spezialisierte sich auf das Neolithikum und Anäolithikum und nahm Grabungen an verschiedenen vorgeschichtlichen Fundstellen in Vinkovci und Umgebung vor. 1961 prägte er den Beqriff Lasinjska-Kultura (heute Lasinja-Gruppe).

Jürgen Driehaus, geboren am 23. August 1927 in Osnabrück, gestorben am 29. Dezember 1986 in Nürnberg. Er promovierte 1955 in München und wirkte von 1953 bis 1954 am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, 1955 bis 1961 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und 1962 bis 1968 am Rheinischen Landesmuseum Bonn. 1972 habilitierte er sich an der Universität Göttingen. Von ihm stammen die Begriffe Schussenrieder Gruppe und Pfyner Kultur (beide 1960).

Lutz Fiedler, geboren am l7. Januar 1940 in Berlin, ist seit 1977 für die archäologische Denkmalpflege in Hessen tätig. Er leitete ab 1980 die Ausgrabungen am Fundplatz Buhlen (Kreis Waldeck-Frankenberg) in Hessen. Seine wissenschaftlichen Interessen liegen in der Erforschung der gesamten Steinzeit, besonders des Altpaläolithikums. Fiedler prägte 1985 den Begriff Protoacheuléen für faustkeilarme Fundkomplexe des Pleistozäns.

Ulrich Fischer, geboren am 3. Juli 1915 in Königsberg. Er promovierte 1940 an der Universität Halle/Saale und war von 1947 bis 1950 freier Mitarbeiter des Museums in Halle. Von 1950 bis 1952 wirkte er am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und 1953 am Museum Kempten. Von 1954 bis 1980 leitete er das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Frankfurt am Main. Sein Interesse gilt den Grabsitten der Jungsteinzeit. Von ihm stammt der Begriff Gaterslebener Gruppe (1952).

Dorothy Garrod, geboren am 5. Mai 1892 in Oxford, gestorben am 18. Dezember 1968 in Cambridge (England). Sie studierte am Newnham College in Cambridge und an der Universität Oxford. 1925/26 unternahm sie Ausgrabungen auf Gibraltar, 1928 in Kurdistan und 1932 am Karmel in Palästina. Von 1939 bis 1952 wirkte sie als Professorin für Archäologie in Cambridge, wo sie ab 1949 das Department für Archäologie und Anthropologie leitete. 1939 prägte sie den Begriff Gravettien.

Alfred Götze, geboren am 1. Juni 1865 in Weimar, gestorben am 20. November 1948 in Römhild. Seine Arbeit über die keramischen Stilarten der jüngeren Steinzeit war die erste Dissertation über ein prähistorisches Thema in Deutschland. Er wurde Direktorialassistent, dann Leiter und Professor der vorgeschichtlichen Abteilung des Berliner Museums. Auf Götze gehen die Begriffe Rössener Kultur, Havelländische Kultur, Kugelamphoren-Kultur und Schnurkeramische Kulturen zurück.

Paul Grimm, geboren am l8. August 1907 in Torgau, promovierte 1929, wurde Assistent, später Kustos und Stellvertreter des Direktors am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale. Ab 1939 war er Dozent an der Universität Halle, ab 1951 am Akademischen Institut in Berlin, ab 1955 Professor in Berlin. 1957 wurde er Stellvertreter des Direktors für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen in Akademie der Wissenschaften in Berlin. Von ihm stammt der Begriff Baalberger Kultur (1930).

Klaus Günther, geboren am 12. Juli 1932 in Münchröden bei Coburg. Er bearbeitete 1960 in einer Dissertation den altsteinzeitlichen Fundplatz Balver Höhle im Hönnetal bei Balve in Nordrhein-Westfalen. Danach ging er in den archäologischen Landesdienst Nordrhein-Westfalens. 1972 wurde er Leiter der Außenstelle des Westfälischen Amtes für Bodendenkmalpflege in Bielefeld. Klaus Günther führte 1964 den Begriff Spätacheuléen in die Fachliteratur ein.

Otto Hauser, geboren am 27. April 1874 in Wädenswill im Kauton Zürich, gestorben am 14. Juni 1952 in Berlin-Wilmersdorf. Der Antiquitätenhändler und Archäologe wurde vor allem durch seine aufsehenerregenden altsteinzeitlichen Funde in der Dordogne (Frankreich) und die Publikationen darüber berühmt. In der Fachwelt genießt der Name Otto Hauser auch heute noch teilweise keinen guten Ruf, weil er Funde verkaufte. Er verwendete 1916 als erster den Begriff Micoquien.

Hans-Jürgen Hundt, geboren am 25. Juli 1909 in Potsdam, gestorben am 12. November 1990 in Wiesbaden. Er studierte in Berlin, Prag und Marburg, wo er promovierte. Ab 1950 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Straubing, 1952 Direktor des Museums für Vorgeschichte in Frankfurt am Main, war er von 1954 bis 1974 Direktor der vorgeschichtlichen Abteilung und Leiter der Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Er prägte 1951 den Begriff Chamer Gruppe.

Christian Jeunesse, geboren am 21. Juni 1955 in Straßburg (Frankreich), studierte in Straßburg und Paris. In den Jahren von 1978 bis 1983 war er als Lehrer an einem Gymnasium tätig, wo er Geschichtsunterricht erteilte. Seit 1983 wirkt an der Direction des Antiquités Préhistoriques d'Alsace in Straßburg. Sein besonderes Interesse gilt den Fragenkomplexen der Jungsteinzeit. Christian Jeunesse hat 1983 den Begriff La-Hoguette-Gruppe in die Fachliteratur eingeführt.

Nandor Kalicz, geboren am 6. März 1928 in Tarnabod (Ungarn). Er erwarb 1955 sein Diplom als Archäologe. Von 1955 bis 1957 wirkte er als Mitarbeiter des Museums in Nyiregyháza und 1957/58 am Museum in Miskolc. Seit 1958 ist er am Vorgeschichtlichen Institut der Universität Budapest tätig. Er hat sich auf die Jungsteinzeit und die Frühbronzezeit spezialisiert. 1968 führte er den Begriff Makó-Gruppe in die Literatur ein (in Österreich spricht man von der Kosihy-Caka/Makó-Gruppe).

Friedrich Klopfleisch, geboren am 12. August 1831 in Heusdorf bei Apolda, gestorben am 30. Mai 1898 in Jena. nach dem Schulbesuch in Jena und Weimar studierte er Medizin, dann Philosophie in Jena und München. 1856 promovierte er in Jena zum Dr. phil. Dort war er zunächst Privatdozent. 1875 wurde er außerordentlicher Professor. Klopffleisch wirkte außerdem als Konservator des von ihm gegründeten Gemanischen Museums in Jena. 1884 führte er den Begriff Bandkeramik ein.

Karl Koehl, geboren am 7. November 1847 in Meisenheim, gestorben am 12. April 1929 in Worms. Er studierte bis 1873 in Heidelberg, Marburg und Gießen Medizin. Nach dem Studium lebte er in Wien, unternahm aber auch jahrelang Reisen als Schiffsarzt. 1876 ließ er sich in Pfeddersheim als Arzt nieder, und 1884 siedelte er nach Worms über. Koehl führte Ausgrabungen in Rheinhessen durch und publizierte die Funde. Auf ihn geht der Begriff Hinkelstein-Gruppe (1898) zurück.

Paul Kupka, geboren am 2. September 1866 in Guben, gestorben am 27. April 1949 in Stendal. Er wirkte von 1899 bis 1931 als Gymnasialprofessor in Stendal. Außerdem war er Leiter und wissenschaftlicher Berater des dortigen Museums und Begründer der Stendaler Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde der Altmark. Kupkas Interesse galt den jungsteinzeitlichen Kulturen, über die er zahlreiche Ausätze verfasste. Auf ihn geht der Begriff Schönfelder Kultur 1910) zurück.

Therkel Mathiassen, geboren am 5 September 1892 in Faurbo (Dänemark), gestorben am 15. März 1967 in Kopenhagen. Er promovierte 1927 und wurde 1933 Inspektor am Nationalmuseum in Kopenhagen. Von 1941 bis 1962 leitete er die archäologische Abteilung des Nationalmuseums. 1934 beteiligte er sich an arktischen Expeditionen. Seine Spezialgebiete waren die Steinzeit und die Eskimo-Archäologie. Mathiassen prägte 1946 den Begriff Bromme-Kultur.

Oswald Menghin, geboren am 19. April 1888 in Meran, gestorben am 29. November 1973 in Buenos Aires. Er war ab 1913 Privatdozent an der Universität Wien (1914 gründete er die Wiener Prähistorische Gesellschaft), 1918 außerordentlicher Professor, 1922 ordentlicher Professor, 1930 bis 1933 Resident-Professor der Universität in Kairo und 1938 bis 1945 österreichischer Minister für Kultus und Unterricht. In den 1920-er Jahren prägte er die Begriffe Lengyel-Kultur und Badener Kultur.

Johanna Mestorf, geboren am 15. April 1928 in Bramstedt/Holstein, gestorben am 20. Juli 1909 in Kiel. Die Tochter eines Arztes wurde 1873 Kustodin und 1891 Direktorin des Kieler Museums. Sie war die erste Museumsdirektorin in Deutschland und erhielt als erste Frau zu ihrem 70. Geburtstag den Professorentitel der Universität Kiel. Johanna Mestorf verfasste viele Arbeiten über die vorgeschichtlichen Altertümer von Schleswig-Holstein und prägte 1882 den Begriff Einzelgrab-Kultur.

Peter J. R. Modderman, geboren am 10. März 1919 in Tanah Radja (Sumatra), promovierte 1945 in Groningen (Holland). Danach war er Konservator der Staatlichen Denkmalpflege in den Niederlanden in Amersfoort und Privatdozent für niederländische Prähistorie an der Reichsuniversität in Urecht. Zuletzt wirkte er als Professor an der Universität in Leiden. Moderman hat sich auf die Jungsteinzeit spezialisiert. 1970 führte er den Begriff Limburg-Gruppe in die Literatur ein.

Gabriel de Mortillet, geboren am 29. August 1821 in Meylan (Isère), gestorben am 25. September 1898 in Saint-Germain-en-Laye. Er war Autodidakt. Zunächst studierte er Maschinenbau, nebenbei auch Geologie und Paläontologie. 1868 wurde er Direktor des Museums in Saint-Germain-en-Laye, 1878 Professor an der École d'Anthropologie. 1869 führte er das erste chronologische System der Altsteinzeit mit den vier Stufen Moustérien, Aurignacien, Solutréen und Magdalénien ein.

Sophus Müller, geboren am 24. Mai 1846 in Kopenhagen, gestorben am 24. Februar 1934 in Kopenhagen. Er war zunächst im Schuldienst und unternahm Studienreisen. 1878 wurde er Assistent beim Altnordischen Staatsmuseum in Kopenhagen, 1885 dort Inspektor und von 1892 bis 1921 Direktor des Nationalmuseums in Kopenhagen. Er erwarb sich große Verdienste um die archäologische Denkmalpflege, leitete Grabungen und publizierte darüber. Von ihm stammt der Name Dolchzeit (1902).

Hermann Müller-Karpe, geboren am 1. Februar 1925 in Hanau, promovierte 1948 in Marburg. 1948/49 wirkte er am Landesmuseum Kassel, 1950 bis 1958 an der Prähistorischen Staatssammlung in München. 1958 habilitierte er sich. Ab 1959 lehrte er in Würzburg, ab 1963 in Frankfurt am Main. Von 1980 bis 1986 gehörte er der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie des Deutschen Archäologischen Instituts in Bonn an. Er prägte 1951 den Begriff Wartberg-Gruppe.

Hugo Obermaier, geboren am 29. Januar 1877 in Regensburg, gestorben am 12. November 1946 in Freiburg (Schweiz), promovierte 1904 in Wien. 1909 bis 1911 war er Dozent für Vorgeschichte in Wien, 1911 bis 1914 Professor am Institut de Paléontologie Humaine in Paris. 1914 bis 1936 wirkte er in Spanien. 1936 ging er nach Italien, 1937 in die Schweiz, wo er 1939 Ordinarius für Urgeschichte an der Universität Freiburg wurde. Er schuf die Begriffe Alt- und Jungacheuléen und Blattspitzen-Gruppe.

Paul Reinecke, geboren am 25. September 1872 in Berlin-Charlottenburg, gestorben am 12. Mai 1958 in Herrsching. Er wirkte 1897 bis 1908 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. 1908 bis 1937 war er Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für der Denkmalpflege in München. 1917 wurde er kgl. Professor. Reinecke gilt als einer der bedeutendsten Prähistoriker. Auf ihn gehen die Namen Michelsberger Kultur (1908) und Altheimer Kultur (1915) zurück.

Elisabeth Ruttkay, gebürtige Ungarin, lebt seit 1956 in Österreich. Sie studierte in Wien und arbeitet seit 1968 an der Prähistorischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Elisabeth Ruttkay hat sich große Verdienste um die Erforschung der Jungsteinzeit in Österreich erworben. Von ihr stammen die Begriffe Bisamberg-Oberpullendorf-Gruppe (1976), Mödling-Zöbing-Gruppe (1973) und Herzogenburg-Gruppe (1981) für Kulturstufen der Jungsteinzeit.

Georg L. Sarauw, geboren am 12. November 1862 in der Nähe von Vordingsborg/Dänemark, gestorben am 17. Februar 1928 in Göteborg/Schweden. Er studierte in Kopenhagen, München, Rostock, Berlin und Paris und beschäftigte sich mit Forstwissenschaft und Botanik. Ab 1894 als Archäologe am Nationalmuseum in Kopenhagen, wurde er 1912 Leiter der prähistorischen Abteilung des städtischen Museums Göteborg. 1911 prägte er den Begriff Maglemose-Kultur.

Alfred Schliz, geboren am 18. September 1849 in Heilbronn, gestorben am 22. Juni 1915 in Heilbronn. Er trat 1877 die Nachfolge seines Vaters als Stadtarzt in Heilbronn an und wurde 1899 zum Hofrat ernannt. Schliz gilt als einer der bedeutendsten deutschen Prähistoriker. Er befasste sich vor allem mit der Urgeschichte Süddeutschlands und des Alpengebietes sowie mit Fragen der Anthropologie. Auf Alfred Schliz geht der Begriff Großgartacher Gruppe zurück.

Hermann Schwabedissen, geboren am 16. Januar 1911 in Meierberg/Lippe. Er promovierte 1938 in Kiel. Zunächst war er Assistent am Museum für Vorgeschichtliche Altertümer in Kiel, später Kustos am Schleswig-Holsteinischen Landesmusem in Schleswig. Ab 1957 wirkte er als außerordentlicher Professor in Köln, wo er Direktor des Instituts für Ur- und Frühgeschichte wurde. Schwabedissen hat die Begriffe Federmesser-Gruppen (1954) und Ertebölle-Ellerbek-Kultur (1958) geprägt.

Gustav Schwantes, geboren am 18. September 1881 in Bleckede, gestorben am 17. November 1960 in Hamburg. Er war Lehrer, promovierte 1923 und wirkte ab 1923 als Kustos am Museum für Völkerkunde und Vorgeschichte in Hamburg. 1928 habilitierte er sich, wurde 1929 Museumsdirektor in Kiel, 1931 außerordentlicher Professor und 1937 Ordinarius an der Universität Kiel. Von ihm stammen die Begriffe Hamburger Kultur, Ahrensburger Kultur, Duvensee-Gruppe und Oldesloer Gruppe.

Hans Seger, geboren am 28. August 1864 in Neurade, gestorben am 15. August 1945 in Breslau. Er habilitierte sich 1907, wurde Direktor des Museums in Breslau und Honorarprofessor an der Universität. Seger machte sich um die Urgeschichte im ehemaligen Schlesien verdient. Er grub am namengebenden Fundort Jordansmühl eine jungsteinzeitliche Siedlung aus, auf ihn geht der Begriff Jordansmühler Gruppe (1916) zurück. Zahlreiche Aufsätze in der Fachliteratur stammen von ihm.

Christian Strahm, geboren am, 1. Oktober 1937 in Niederwichtrach, Kanton Bern, promovierte 196l in Bern und wirkte zunächst am Bernischen Historischen Museum. Seit 1964 arbeitet er an der Universität Freiburg i. Br., wo er sich später habilitierte und 1977 Universitätsprofessor wurde. 1976 wurde er zum außerordentlichen Professor in Bern ernannt. Auf einem 1974 von Strahm einberufenen Symposium wurde von ihm und anderen Prähistorikern der Begriff Rhone-Kultur geprägt.

Armin Stroh, geboren am 24. April 1912 in Reutlingen, studierte an den Universitäten Freiburg, Kiel, Wien, Tübingen und Marburg Vorgeschichte. 1938 promovierte er. Stroh wirkte als Assistent an der Universität Marburg, von 1949 bis 1951 am Städtischen Museum Regensburg und von 1952 bis 1966 am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, Außenstelle Regensburg. Er hat der Schwieberdinger Gruppe (1938) und der Bischheimer Gruppe (1938) den Namen gegeben.

Lothar Süß, geboren am 2. März 1925 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, wurde 1960 in Marburg promoviert. Von 1960 bis 1974 wirkte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Darmstadt und Wiesbaden. Ab 1960 führte er Ausgrabungen der urgeschichtlichen Salzproduktionsstätten in Bad Nauheim (Hessen) durch. Auf Lothar Süß geht der Begriff Epi-Lengyel-Zeit zurück, den er 1969 erstmals in einer Veröffentlichung verwendete.

Wolfgang Taute, geboren am 8. Mai 1934 in Berlin. Er studierte in Kiel, Köln, Bonn und Tübingen und promovierte 1962 in Köln. Danach war er Assistent in Tübingen, wo er sich 1971 habilitierte. Seit 1980 ist er Direktor des Kölner Instituts für Ur- und Frühgeschichte. Er beschäftigte sich mit den letzten Rentierjägern im nördlichen Mitteleuropa, den nacheiszeitlichen Jägerkulturen und den ersten Bauernkulturen im Vorderen Orient. 1972 führte er den Begriff Beuronien in die Literatur ein.

Slavomil Vencl, geboren am 18. Oktober 1936 in Dlouhá Trebová/Tschechoslowakei. Er wirkte 1959 kurz am Nationalmuseum in Prag und danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Archäologischen Institut. Vencl beschäftigt sich hauptsächlich mit der Steinzeit und mit methodischen Problemen. Er hat als erster den Begriff Spätpaläolithikum in die deutschsprachige Literatur eingeführt. Früher existierten schon ähnliche Begriffe in der polnischen Urgeschichte.

Josef Vladár, geboren am 20. Januar 1934 in der Tschechoslowakei. Er studierte an der Universität Preßburg. 1958 erwarb er sein Diplom als Archäologe. Sein Spezialgebiet ist die ältere Bronzezeit, er beschäftigte sich aber auch mit Fragen der Jungsteinzeit. Vladár wirkt seit 1958 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Nitra. 1966 prägte er in einer Publikation den Begriff Kosihy-Caka-Gruppe.

Emil Vogt, geboren am 12. April 1906 in Basel, gestorben am 2. Dezember 1974 in Zürich. Er promovierte 1929, wurde 1930 Konservator am Schweizerischen Landesmuseum,, habilitierte sich 1933 und wurde 1945 Extraordinarius an der Universität Zürich. Ab 1961 wirkte Emil Vogt als Direktor des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. Er prägte die Namen Egolzwiler Kultur (1951), Lutzengüetle-Kultur (1964), Cortaillod-Kultur (1934) und Horgener Kultur (1934).

Edward James Wayland, geboren am 25. Januar 1888 in Clerkenwell, gestorben am 11. Juli 1966 in Ramsgate/Kent. Er wirkte als Geologe in Portugiesisch-Ostafrika (1911), auf Ceylon (1912-1916), in Uganda (1919-1939) und im Betschuanaland (ab 1943). In Uganda und im Betschuanaland war er zuletzt Direktor des Geological Survey. Seinen Lebensabend verbrachte er in England. Weyland prägte in den 1920-er Jahren den Begriff Pebble-Industry (zu deutsch: Geröllgeräte-Industrie).

Paul Wernert, geboren am 29. Oktober 1889 in Straßburg, gestorben am 19. September 1972 in Straßburg. Er hatte sich auf die Paläontologie und die Paläoethnologie spezialisiert und wirkte in Madrid, Straßburg und Paris. Von Weinert stammen zahlreiche Abhandlungen über archäologische, paläontologische und urgeschichtliche Fragen. Auf ihn und den aus Deutschland stammenden Prähistoriker Hugo Obermaier geht der Begriff Blattspitzen-Gruppen zurück, der 1929 eingeführt wurde.

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